2010 Südfrankreich – Nordspanien Bericht

Mittwoch 25.08.2010

Als wir nachmittags in Düsseldorf ankommen, sind wir überrascht, wie viele Motorradfahrer auf den Autoreisezug warten. Es stehen fast 30 Motorräder zum Verladen bereit. Unsere „Mitbewohner“ im Abteil sind mal wieder sehr nett und wir halten so manches Schwätzchen. Trotz schöner Musik aus meinem MP3 Player kann ich in der Nacht kaum schlafen.

Donnerstag 26.08.2010

Narbonne-Lezignan-Lagrasse-St-Pierre-Montjoi-Arques-Couiza-Quillan-Coudons-Belcaire-Prades

Kurz nach 10 Uhr laufen wir in Narbonne ein. Das Thermometer zeigt schon 27 Grad an. Wir verlassen ziemlich schnell Narbonne. Ein kurzer Stopp an einer Boulangerie, ein leckeres Baguette und ein süßes Teilchen wandern noch in die Packtasche. Über kleine Nebenstrecken geht es in südwestliche Richtung. Am Col de la Loubiere (599 m) machen wir unsere Mittagspause. Die Temperatur steigt immer weiter. Gegen 14 Uhr zeigt das Thermometer knapp 37 Grad an, das fahren macht kaum noch Spaß. In Couiza kaufen wir in einem klimatisiertem Supermarkt noch ein paar Sachen für’s Abendessen ein. Der Inhalt des 5 Liter Wasserkanisters verschwindet, bis auf einen Liter, in unseren Trinkrucksäcken die mittlerweile leer sind. Den restlichen Liter schütten wir zur Kühlung über unsere Köpfe und in die Lüftungsschlitze der Motorradkleidung. Sabines Kreislauf, von der Hitze gebeutelt, kommt so langsam wieder in den grünen Bereich. Bevor wir unseren Zeltplatz, kurz hinter Prade, erreichen bleibt Sabines Twin noch 3 mal mit Spritmangelerscheinung liegen. Beim ersten mal den Unterdruckschlauch erneuert, ohne Erfolg. Beim zweiten mal die Tankentlüftung gereinigt, ohne Erfolg. Nach dem 3.mal steuern wir einen Zeltplatz an um hier in Ruhe auf Fehlersuche gehen zu können. Hier noch mal alles geprüft aber keinen Fehler gefunden. Benzinfilter ist frei, die Pumpe pumpt, die Tankentlüftung ist frei, die Vergaserentlüftung ist frei. Alles wieder zusammengebaut und schauen was morgen passiert. Bei meiner Twin ist dann noch der vordere Kotflügel abgefallen nachdem ich diesen ganz leicht berührt hatte. Der Urlaub fängt ja toll an denke ich mir und begieße das erstmal mit 2 Bierchen. Mittlerweile hat Sabine das Essen fertig und die Flasche Wein ist auch schon auf. Es hat sich ein wenig zugezogen und es weht ein angenehmer Wind.

Freitag 27.08.2010

Ax le Therme-Tarascon-Vicdessos-Massat-Oust-Castillon-St.Beat-Bagneres de Luchon-Garin

Auf dem Zeltplatz herrschte die ganze Nacht über eine herrliche Ruhe, bis wir am frühen Morgen vom Bimmeln der Kuhglocken geweckt werden. Die Temperaturen sind heute wesentlich erträglicher als am Vortag. Wir fahren den ganzen Tag in westliche Richtung über sehr kleine, extrem kurvenreiche, Sträßchen. Nach ca. 100 km bleibt Sabines Twin wieder mangels Spritzufuhr liegen. Ich wundere mich, dass immer wieder Luft im Benzinfilter ist. Auf des Rätsels Lösung komme ich während ich beim Fahren so über das Problem nachdenke. Benzin hat einen sehr niedrigen Siedepunkt. Die hohen Temperaturen und ein ungünstig verlegter Benzinschlauch sorgen dafür, dass die entstehenden Luftbläschen nicht in Richtung Tank entweichen können. Ich verlege den Benzinschlauch neu und verfrachte die Benzinpumpe mittels Kabelbinder an eine günstigere Stelle und das Problem trat von nun an nicht mehr auf. Gegen 17:30 steuern wir einem kleinen Zeltplatz in Garin an. Pünktlich nach dem Zeltaufbau und einem leckeren Essen fängt es an zu regnen.

Samstag 28.08.2010

St.Lary Saulan-Bielsa-Valle de Pineta-Escalona-Fahrt am Rio Vellos-Sarvise-Biescas-Jaca-Tiermas

Am Morgen ist es noch recht nebelig und mit 14 Grad angenehm kühl. Das Zelt kriegen wir an diesem Tag nicht trocken eingepackt. Über eine sehr kurvenreiche Nebenstrecke gelangen wir auf die Hauptstraße die uns nach Spanien führt. Dem Tip des Platzwartes haben wir es zu verdanken das wir noch in das Valle de Pinta fahren. Am Ende des Tals hat man eine grandiose Aussicht auf den Monte Perdido und auch die Möglichkeit sich in den Fluten des kalten Gletscherbaches abzukühlen. Hinter Escalone biegen wir nach Westen ab um dem Rio Vellos zu folgen. Eine einspurige, absolut traumhafte Strecke durch die Canyons des Rio Vellos. Ich habe selten eine landschaftlich so tolle Strecke befahren. Rechts der Fahrbahn geht es senkrecht bergab und links senkrecht nach oben. Teilweise konnte man keinen Himmel mehr sehen, so eng und zugewachsen ist es in diesem Tal. Die Strecke nimmt viel Zeit in Anspruch, immer wieder halten zum fotografieren an. Wir verlassen so langsam die höheren Bergregionen und es wird recht flach und öde. In Jaca kaufen wir noch etwas ein bevor wir in Tiermas, direkt an einem großen See, unser Zelt aufschlagen. Es ist zum Glück sehr windig, was die die Sonne nicht so brennen lässt. Zum Kochen haben wir keine Lust mehr. Wir werden mal das Restaurant auf dem Zeltplatz testen.

Sonntag 29.09.2010

Lumbier (Geierschlucht) -Navascues-Ezcaroz-Garralda-Zubiri-Irurita-Ezkurra-Hernani-San Sebastian

Das Essen am gestrigen Abend war sehr gut. Für 12 Euro pro Person bekamen wir ein sehr gutes und reichhaltiges Menü incl. Hauswein. Wir lernen noch einen holländischen Radfahrer kennen, der auf dem Weg nach Santiago de Compostella ist. Er erzählte, dass die ganze Pilgertour, je näher man dem Ziel kommt, nur noch eine einzige Abzocke ist. Jeder will sich einen Teil vom „Pilgerkuchen“ abschneiden. Zum Ende der Tour muss man sogar für den Besuch in der Kirche Eintritt bezahlen. Wir fahren nach dem Frühstück zur Foz de  Lumbier (Gänsegeierschlucht) und sind dort ein paar Meter gewandert. Anschließend geht es wieder über kleine Nebenstrecken mit unendlich vielen Kurven Richtung San Sebastian. Auf dem Zeltplatz in San Sebastian bekommen wir die kleinste Zeltparzelle zugeteilt, die es auf diesem Planeten gibt. Bei Ankunft an der Rezeption wurden wir sofort gemustert und als Motorradfahrer mit (sehr kleinem Zelt) Zelt eingestuft. Surfer scheinen aber noch hinter Bikern zu rangieren, denn die bekamen einen Platz direkt am Klohaus. Nach dem Zeltaufbau fahren wir mit dem Bus nach San Sebastian und wandern dort noch ein paar Stunden durch die Gassen der Stadt.

Montag 30.09.2010

nach Bilbao

Auf Umwegen geht es Richtung Bilbao. Ca.30 km vor Bilbao erwischt es mich bzw. meinen Hinterradreifen mal wieder, Plattfuß. Zum Glück hat der Reifen nicht schon vor einer halben Stunde schlapp gemacht denn da waren wir gerade auf einer richtigen „Heizerstrecke“ unterwegs. Eine ganze Horde spanischer Freddie Spencers, nicht schnell aber laut, habe ich versucht mit meiner voll bepackten Twin um die Kurven zu scheuchen. Leider zeigen mir meine Alukisten immer wieder die Schräglagengrenze  auf. Nach erfolgreicher Reifenreparatur geht es dann weiter Richtung Bilbao. Ein ziemliches Verkehrschaos begrüßt uns in Bilbao, die Beschilderung ist auch nicht gerade der Hit. Zum Glück sieht Sabine nach einiger Zeit das Schild, welches uns zur Jugendherberge führt. Dort angekommen ist es kein Problem ein Doppelzimmer für 2 Nächte zu bekommen. Am Abend fahren wir noch mit der Tram in die Stadt. Etwas trostlos endet die Aktion noch etwas zu Essen zu bekommen, die meisten Bars und Restaurants haben schon geschlossen.

Dienstag 31.09.2010

in Bilbao

Nach dem Frühstück krosen wir noch etwas rum und machen uns anschließend wieder auf den Weg zur Tram. Die Fahrpreise für öffentliche Verkehrsmittel sind extrem billig. Eine einfache Fahrt in die City kostet ca. 60 Cent, dafür darf ich in Deutschland sicher nicht einmal einen Fuß in die Bahn setzen. Unser erstes Ziel ist das Guggenheim M useum, ein fantastisches Gebäude. Wir fotografieren und bestaunen es von allen Seiten, am Morgen wie auch am Abend. Es gibt viele Parks und Grünanlagen mit bunten Blumen und Springbrunnen zu besichtigen. Einen Ascensor (Schrägaufzug) benutzen wir um auf den Hausberg von Bilbao zu kommen. Von hier oben hat man einen herrlichen Überblick über die gesamte Stadt. Nach gut 10 Stunden Fußmarsch durch Bilbao geht es am Abend wieder zurück in die Jugendherberge. Frühstück gibt es zw. 8:00 und 9:00 Uhr, das Zimmer muss bis 9:30 geräumt sein, das heißt für uns den Wecker zu stellen.

Mittwoch 01.09.2010

Bilbao-Portugalete-Santillana del Mar

Von der Herberge aus steuern wir die Schwebefähre in Portugalete an. Ein Bauwerk das als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt ist. Weiter geht es wieder über wunderschöne kleine Nebenstraßen ins Landesinnere. Am frühen Abend erreichen wir die Höhlen von  Altamira. Wir haben Glück und können noch an der letzten Führung des Tages durch die nachgebaute Höhlenanlage teilnehmen. In Santillana del Mar, einem reinen Touristenort, finden wir einen schönen Zeltplatz. Nach dem Zeltaufbau und einer heißen Dusche schlendern wir noch ins Dorf. Der Magen knurrt und wir suchen ein schönes Lokal, Auswahl gibt es hier genug. Das Essen ist ok aber auch nicht mehr und dem ganzen Servicepersonal ist anzumerken das es nach einer langen Saison keinen Bock mehr hat.

Donnerstag 02.09.2010

Santilliana del Mar-Picos de Europa

Am Morgen wandern wir noch mal mit Fotoapparat ins Dorf um ein paar Aufnahmen zu machen. Nach dem Frühstück ist alles wieder schnell verstaut. Wir steuern die Küste an, da das Hinterland noch wolkenverhangen ist. Nach ca. 40 langweiligen Küs tenkilometern biegen wir dann doch ins Landesinnere ab. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt. Das Wetter wird immer besser und wir erreichen zum frühen Abend den Zeltplatz in Fuente De, einem herrlichen Plätzchen im Herzen der Picos . Mit der Seilbahn fahren wir noch am Abend auf den Berg. Von hier oben genießen wir, bei langsam untergehender Sonne, einen fantastischen Blick auf und über die Picos. Mit der letzten Gondel geht es wieder abwärts in das Tal.

Freitag 03.09.2010

Auf Grund der Höhe war die letzte Nacht wieder angenehm kühl. Zum Frühstück gibt es frisches Pane Integrale und ein paar gekochte Eier. Es geht weiter Richtung Süden, vorbei an einem großen türkisfarbenen Stausee. Die Temperaturen steigen an diesem Tag wieder auf über 30 Grad. Zu unserer Mittagspause hat Sabine, im vorbeifahren, ein schönes Plätzchen an einem Fluss gefunden. Eigentlich war für den kommenden Tag Wandern angesagt aber die Strecke die wir wandern wollten sind wir heute schon mit dem Motorrad abgefahren und hat uns nicht sonderlich gefallen. Wat’n Pech. In Posada, dem Eingangsort zur Schlucht, kaufen wir noch etwas für den Abend ein. Den auf der Landkarte eingezeichneten Zeltplatz müssen wir ein bisschen suchen, er liegt etwas abseits der Strecke und ist schlecht beschildert (Camp09). An der Rezeption können wir noch das letzte Brot fürs Frühstück ergattern. Es ist 21:30 und wir verkrümeln uns in die warmen Schlafsäcke da es mittlerweile doch sehr frisch geworden ist.

Samstag 04.09.2010

Sante Maria de Valdeon (am Rio Cares) – Buron- Puerto de Tarna-Puebla de Lillo-San Isidro-Pola de Lena-(durchs Bärental)La Plaza-La Rierra-Belmonte de Miranda-La Barca-Tebongo-Pola de Allande-Santiellos-El Rebollo-Arbon (Camp10)

Die Nacht war recht kühl und wir kriechen erst beim Eindringen der ersten Sonnenstrahlen aus den Federn. Erst gegen 11:00 verlassen wir den Platz. Über Cabanaquinta geht es weiter Richtung Pola. In Pola ist Markttag und wir kaufen noch ein paar frische Sachen fürs Abendessen ein. Der Abzweig nach Caranga, in westliche Richtung, ist schwierig zu finden, da gar nicht ausgeschildert. Es ist wirklich ein Traum, die auf der Michelinkarte klein eingezeichneten Strecken zu fahren. In Soto de la Barca müssen wir  uns entscheiden ob wir auf einer Hauptstraße zügig an die Küste kommen oder auf Nebenstrecken etwas länger unterwegs sind. Es ist schon kurz vor 19:00 Uhr. Wir entschieden uns für die längere Nebenstreckenvariante. Die Strecke von Pola bis nach Arbon erweist sich als traumhaft schön. Die kahlen, hintereinander liegenden Bergkuppen, bilden tolle Silhouetten in der untergehenden Sonne. Zum fotografieren genau das richtige Licht. Bis auf die Canyonstrecke in den Pyrenäen ist das die bisher schönste Strecke in diesem Urlaub. In Arbon kommen wir auf einem einfachen aber schönen Zeltplatz unter. Zum Kochen haben wir keine Lust mehr und essen auf dem Zeltplatz. Hier wird am Abend noch lautstark ein Geburtstag gefeiert. Es gibt ein reichhaltiges Tapasbuffet und selbst gemachtem Sidre, der traditionsgerecht aus ca. 1 m Entfernung in die Gläser gegossen wird. Wir dürfen den Sidre auch probieren, können uns aber mit diesem Getränk überhaupt nicht anfreunden.

Sonntag 05.09.2010

Arbon – Lugo-A Corunna

Wir sind heute zwar früh aufgestanden aber es wird trotzdem 12:00 bis wir auf den Motorrädern sitzen. Jeder von uns hatte noch etwas zu krosen. Tagebucheinträge mussten nachgeholt werden und wenn schon mal kostenloses WiFi angeboten wird schreibt man auch gleich noch ein paar Mails. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage für die nächsten 2 Tage machen wir uns auf den Weg nach Santiago de Compostella. Beim Tanken in A Lastra bemerkt Sabine einen sehr niedrigen Bremsflüssigkeitsstand in ihrem vorderen Behälter. Mein erster Gedanke, kann nicht sein. Ein Blick auf die Bremsbeläge bestätigte dann aber Sabines Diagnose. Die Bremsbeläge sind bis auf ca.1 mm runter. Direkt vor der Abreise hatte ich bei mir, vorne und hinten, und bei Sabine nur vorne neue Racing Sintermetallbeläge eingebaut. Alle diese Beläge waren nun, nach nur 2500 km, runter. Die Bremseigenschaften dieser, von mir vorher noch nicht gefahrenen Beläge, waren allererste Sahne, im Trockenen wie auch im Nassen. Es hilft nix, wir müssen kurzerhand unsere Route etwas ändern um an neue Bremsbeläge zu bekommen. In Lugo finden wir nach 2 Stunden Sucherei einen Hondahändler den ich in meinem GPS Gerät abspeichere. Die Suche nach einem Zeltplatz in der Nähe Lugos bleibt erfolglos. Wir starten durch und erreichen gegen 19:00 A Corunna. Hier in Sta Cruz, ganz in der Nähe von A Coruna, haben wir uns für 2 Tage eingenistet. Morgen geht’s zum Hondahändler, in der Hoffnung 5 Satz Bremsbeläge zu bekommen und dann noch in die Altstadt von A Coruna. Man muss halt das Beste daraus machen.

Montag 06.09.2010

A Coruna

Vom Platzwart haben wir die Adresse des Hondahändlers mit Ausdruck und Stadtplan bekommen. Wir müssen noch ein paar mal nachfragen ehe wir in strömendem Regen vor der Tür des Hondahändlers stehen. Leider ist der Laden leer und ein Zettel an der Tür scheint darauf hinzuweisen, dass der Händler umgezogen ist. Na Suuper. Es gießt in strömen und wir beschließen dem Automobil Hondahändler, direkt an der Ecke, einen Besuch abzustatten. Sabine meint ganz trocken, Honda ist Honda. Wir werden trotz unseren triefenden Regenkombis, in den mit weißen Marmor ausgelegten, Laden gebeten. Mit ein paar Brocken spanisch und englisch und einer kleinen Zeichnung erklären wir unser Problem. Nach kurzer Rückfrage mit dem Chef setzt sich der Verkäufer in ein Auto und lotst uns mit den Motorrädern zum Motorradhändler. Wir hätten den Laden nie gefunden. Wir bedanken uns tausendmal und schildern nun dem Motorradhändler unser Problem. Der greift sofort zum Telefon, gibt ein paar Anweisungen und ist dann für einige Zeit in seinem Lager verschwunden. Irgendwann kommt er wieder in die Werkstatt zurück und hält uns 5 Satz Bremsbeläge vor die Nase. Durch mein Gesicht zieht sich ein breites Grinsen. Er lässt es sich dann auch nicht nehmen die Beläge selbst einzubauen und das auch noch kostenlos. Trotzdem wechselten 260 Euronen für die Originalbeläge den Besitzer. Es gießt immer noch in Strömen und wir beschließen zum Zeltplatz zurück zu fahren. Es ist mittlerweile 15:00 Uhr wir haben den ersten Wein auf und ein paar Leckereien intus. Das Wetter ist wieder etwas besser geworden. Morgen geht es dann mit frischen Bremsbelägen weiter.

Dienstag 07.09.2010

A Coruna-Cap Fisterra-Cee-Noia-Santiago de Compostela

An diesem Morgen frühstücken wir unter dem Tarp da es mittlerweile wieder angefangen hat kräftig zu Regnen. Das Zelt konnten wir gerade noch trocken einpacken. In komplettem Regenzeug geht es auf die Autobahn Richtung Arteixo und dann geradewegs Richtung Cap Finisterre an die Küste. Das Wetter hat sich mittlerweile gebessert und die Sonne scheint teilweise wieder recht kräftig durch die restliche Wolkendecke. Das Cap Finisterre ist von Touris gut besucht. Ganze Busladungen werden hier angekarrt um das  Ende der Welt zu begutachten. Wir hatten eigentlich vor, irgendwo an der Küste zu campieren jedoch ist die Saison hier schon abgehakt und alles sieht jämmerlich verkommen und einsam aus. Also starten wir durch nach Santiago de Compostella. Den Zeltplatz, hoch über der Stadt, finden wir recht schnell. Nach dem Zeltaufbau ziehen wir sofort los um die Stadt zu erkunden. Unser erstes Ziel ist natürlich der Dom. Dort angekommen bin ich etwas enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir das Ganze etwas gewaltiger, imposanter vorgestellt. Die ganze Domanlage sieht ziemlich vergammelt und ungepflegt aus. Mittlerweile knurren unsere Mägen und wir gehen auf Essenssuche. In einer kleinen Pinchobar bleiben wir bis spät in den Abend hängen. Insgesamt 18 dieser kleinen, sehr leckeren, Fingerfoods schaffen wir zu vertilgen. Mit dem letzten Bus fahren wir dann leicht angesäuselt zurück zum Zeltplatz.

Mittwoch 08.09.2010

Santiago de Compostella-Lalin-Monforte-O Barco-Las Medulas Gebirge-Ponferrada

Auch heute schaffen wir es unser Zelt gerade so eben wieder trocken einzupacken. In kompletter Regenmontur geht es dann auf die teure Autobahn. Für 50 Moppedkilometer werden 5 Euro verlangt. Recht zügig fahren wir über Lalin-Monforte und O Barcas zu den Las Medulas Felsen. Wir nehmen die südliche Anfahrt zu den Las Medulas. Die Strecke entpuppt sich als ca.10 km reine Offroad Strecke. Unterwegs gibt es einige schöne Aussichtspunkte auf die knallroten Felsformationen. Am Ende der Strecke müssen wir noch einen Schlagbaum öffnen um das Areal wieder verlassen zu können. Auf der Rückseite des Schlagbaums prangt ein dickes, fettes gesperrt Zeichen. Da sind wir ja genau richtig herum gefahren, denke ich mir so im Stillen. Ein Parkplatzwächter, der uns bei der Aktion beobachtet, schaut nur merkwürdig drein und fragt sich sicher – wo sind die denn hergekommen.

Donnerstag 09.09.2010

Ponferrada-Vega-Candin-Vega-Paramo-Villablino-Sena de Luna-Ventosilla-Carmenas-La Vecilla

Endlich wieder ein Morgen an dem die Sonne ins Zelt lacht. Nach ausgiebigem Frühstück verlassen wir gegen 11:00 Uhr den Zeltplatz. Geplant ist die Strecke über Vega – Candin und weiter über den Pto.de Cientuegos. Leider finden wir hinter Vega die entsprechende Abfahrt nicht und landen mehrmals auf Bauernhöfen oder in einer Sackgasse. Ich tippe hier auf eine fehlerhafte Karte. Wir fahren zurück bis Vega und nehmen dann einen östlichen Kurs. Es geht wieder in bergige Regionen auf ca. 1300 Meter. Die kleinen Straßen haben wir mal wieder fast für uns alleine. Besonders schön ist das Stück zw. Sena de Luna und Valdeteja. Wir fahren auf einem Hochplateau, umrahmt von hohen weißen Felsformationen, auf dem es keinen grünen Zweig mehr gibt. Die Sonne hat hier ganze Arbeit geleistet. Kurz bevor wir auf dem Zeltplatz in La Vecilla eintreffen meint eine Katze noch mit einem ihrer 7 Leben spielen zu müssen. Ganz genüsslich quert sie die Straße, als wir angefahren kommen. Viel hat nicht mehr gefehlt. Auf dem Zeltplatz lassen wir uns noch ein bisschen von der Sonne verwöhnen, ehe es mit den Arbeiten für das Essen losgeht.

Freitag 10.09.2010

La Vecilla-Cistierna-Guardo-Cervera-Aguilar-Burgos-Villasur-Salas de los Infantes-Quintanar

Die letzte Nacht war richtig frisch und es dauert eine Zeit bis wir aus den warmen Federn kommen. Der Himmel ist strahlend blau und im Schatten bekommt man noch eine Gänsehaut. In Bonar befüllen wir noch mal unsere Tanks. Vorbei geht es am Embalse de Camporredendu und am Embalso de Cervera-Ruesga. Die ganzen Stauseen haben zu dieser Jahreszeit nur ein Minimum an Wasser. Teilweise liegen die Böden trocken und man erkennt die Spuren früherer Zvilisation. Von Aguilar bis Borgos fahren wir in einem Rutsch  durch um voran zu kommen. Die Landschaft ist sehr öde und erinnert stellenweise an die Lüneburger Heide, viel Sand und Erika. Hinter Burgos geht es in die Sierra de la Demanda. Auch hier folgen wir lange Zeit einem fast leeren Stausee. Einen Tag später hätten wir hier nicht mehr lang fahren können. Die ganze Strecke ist bereits für ein großes Fahrradrennen präpariert. Überall Werbebanner an der Strecke und ein enormes Polizeiaufgebot. An vielen Stellen stehen schon die Fans mit ihren Fähnchen an der Straße. Wir haben immer das Gefühl gleich in einem ganzen Pulk von Radfahrern zu landen. In Quintanar finden wir am späten Nachmittag einem schönen Campingplatz. Der Himmel ist bedeckt mit feinen Cirrus Wolken, Vorboten von Regen??

Samstag 11.09.2010

Quintanar-Neila-Montenegro-Puerto de Piqueras-Almarza-Fuentes de Magana-Cervera-Tudela-Las Bardenas Reales-Carcastillo-Uncastillo-Ayerbe

Mit den Temperaturen der letzten Nacht war Sabines Sommerschlafsack eindeutig überfordert. In der Nacht gab es dann eine Schlafsack Tauschaktion. Was tut man nicht alles für die Frauen. Heute geht es wieder auf kleinen Straßen durch die Berge und an einigen recht leeren Stauseen vorbei. Die Temperaturen sind immer noch sehr angenehm zum Fahren. Sobald man aber stehen bleibt brennt die Sonne erbarmungslos. Unseren höchsten Punkt in diesem Urlaub hatte wir bis jetzt mit 1710 Metern am Puerto de Piqueras erreicht. Von hier aus geht es weiter gen Westen. Die Landschaft ist von der Sonne völlig ausgebrannt. Die abgemähten, verbrannten Getreidefelder sehen sehr öde aus. Die ganzen kleinen Städte die wir zum Ende des Tages durchfahren sind alle geschmückt und die Leute tragen bunte Uniformen. Der 11. September ist Nationalfeiertag in Katalonien. Hinter Tudela fahren wir in den Naturpark Las Bardenas Reales. Auf einer guten Piste fahren wir durch eine Landschaft die ein wenig an den Grand Canyon in Amerika erinnert. Was hier optisch allerdings ein wenig stört sind die bewirtschafteten Felder überall. Nach ca. 35 km haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und machen uns auf Campingplatzsuche. Der anvisierte Platz in Uncastillo hat schon geschlossen, also fahren wir weiter bis Ayerbe. Die Strecke dorthin, im Licht des Sonnenuntergans getaucht, ist sehr schön und kurvenreich. Der Campingplatz liegt ca. 2 km außerhalb Ayerbes. Auch Ayerbe ist festlich geschmückt für das Fest. Die Musik beginnt am Abend gegen 22:00 Uhr und endet erst am Morgen gegen 8:00. Pünktlich um Mitternacht werden wir, trotz Ohrstöpsel, aus dem Schlaf gerissen. Es ist Zeit für das Feuerwerk und was für ein Feuerwerk. Sooo laute Knaller wie hier habe ich noch nie gehört.

Sonntag 12.09.2010

Ayerbe-Anzango-Serue-Puerto de Sarrablo-Ainsa-Campo-Coll de Fadas-Vall de Bois

Am Morgen sind wir ein bisschen verknautscht und kommen nicht so recht in die Hufen. Von Ayerbe aus führt uns eine kleine Straße am Rio Gallego entlang bis nach Lanare. Von dort aus geht es westwärts, auf einer kleinen kurvenreichen Strecke, über den Puerto de Sarrablo bis nach Hinsa. Von Hinsa aus folgen wir der N260, die auf den ersten km wie eine Autobahn ausgebaut ist. Später passieren wir eine sehr enge Schlucht, die sicher schon so manchem Wohnmobillenker den Aufbau gekostet hat. Die Felsen ragen in 2-3 Metern Höhe weit in die Fahrbahn hinein. Auf den letzten km sehen wir schon dicke weiße Gewitterwolken über den Berggipfeln hängen. Am Anfang des Val de Bois landen wir auf einem kleinen Zeltplatz. Pünktlich, nachdem das Zelt steht und alles verstaut ist, fängt es kräftig an zu schütten. Nach einer viertel Stunde beginnen wir damit die ersten kleinen Gräben im Vorzelt zu ziehen, um das Wasser wieder hinauszulenken. Am Abend stelle ich noch fest, dass sich die Profiltiefe meines Hinterradreifens der 0 Null-mm-Marke nähert.

Montag 13.09.2010

Andorra

Zum Frühstück haben wir gackernde Gesellschaft. Die Hühner sind nicht bang und wir müssen aufpassen, dass sie nicht die Wurst vom Brot klauen. Heute steht Andorra auf dem Fahrplan. Die Strecke dorthin ist nicht besonders aufregend. In Andorra gelingt es uns für meine Twin einen neuen Hinterradreifen zu ergattern. Es gibt jede Menge Reifenhändler und Motorradzubehörhändler aber einen Reifen in der passenden Größe für die Twin zu  finden ist nicht einfach. Hier fahren alle nur Rennsemmel mit dicken „Pellen“. Den einzigen Reifen den ich bekommen kann ist ein Enduro 3 von Metzler. Egal, Hauptsache schwarz, rund und wieder reichlich Profil zum Kurvenfahren. Nach einem kurzen Shoppingbummel durch das Konsummekka Andorra kommen wir erste gegen 19:30 weiter. Über den Pas de la Casa (2400m) verlassen wir Andorra. Hier oben ist es saukalt, nur 6 Grad. Wir ziehen die Regenjacken über um uns vor der nasskalten Luft zu schützen. 30 km weiter und ca. 1km tiefer landen wir auf einem kleinen Zeltplatz. Die Nacht ist eiskalt und Sabine hat in ihrem Sommerschlafsack wieder ein wenig gefroren.

Dienstag 14.09.2010

Font Romeu-Mont Louis- Sansa- Olette Sahorre-Vernet les Bains-Canigou-Prades

Nachdem die Sonne über die Berggipfel lugt wird es schnell wärmer. Zum Frühstück gibt es endlich mal wieder ein frisches französisches Baguette. Bei Font Romeu schauen wir uns noch den Sonnenofen von Odeillo an. Weiter geht es über eine kleine Nebenstrecke durch die Berge Richtung Sansa und Olette. Leider liegt auf dieser einsamen Strecke sehr viel Rollsplit der das Fahren nicht gerade erleichtert. Hinter Vernet les Bains biegen wir ab auf die Piste zum Chalet des Cortalets am Canigou. Die Piste hat es in sich, zumal wir mit vollem Gepäck unterwegs sind. Sabine und ich arbeiten uns bis kurz vor das Chalet vor, wo wir von einer Gruppe Geländewagenfahrer gestoppt werden. Die letzten Meter zum Chalet sind gesperrt. Zuerst dachten wir schon mit dem ganzen Gerödel die gleiche Strecke wieder zurück fahren zu müssen, aber wir hatten nur den Abzweig ein paar Meter zurück übersehen. Ein bisschen Stolz waren wir schon die dicken Schiffe bis hier oben rauf gefahren zu haben. Der Rückweg ist wesentlich einfacher, dafür aber auch sehr staubig, diesmal darf ich hinten fahren. Nach 2 Stunden, inkl. einigen Pausen, hatten wir die 35 km geschafft. In Prades landen wir auf dem Camping Municipal. Am Abend gehen wir zum Essen in die Altstadt. Leider entscheiden wir uns für das falsche Lokal, noch nie hatten wir in Frankreich so schlecht gegessen wie hier.

Mittwoch 15.09.2010

Prades- George de la Fou umfahren

Sabine verzählt sich am Morgen mit den Glockenschlägen und jagt mich schon um halb acht statt um halb neun aus dem Schlafsack. Von Prades aus fahren wir noch den kleinen Rundkurs um die Georges de la Fou. Die Gorges de la Fou ist nur zu Fuß zu besichtigen, das machen wir beim nächsten Mal. Sabine möchte am letzten Tag noch nach Cadaques an der spanischen Costa Brava. Hier hatten Pablo Picasso und Joan Miro einige Sommer verbracht. Laut Reiseführer ein romantisches kleines Fischerdorf, in echt das absolute  Tourinest. Der Zeltplatz ist das schlechteste, dreckigste und teuerste Plätzchen auf der ganzen Tour. Als Trost ist wenigstens das Essen im Dorf sehr gut. Auf der Rückfahrt plündern wir in Fuerges noch einen Supermarkt mit Proviant für die Heimat . Schinken, Salami, Käse, Olivenöl, Mandelcreme, Salz und das von mir so geliebte Dulce de Leche (Creme aus Milch, Zucker und Vanille) finde ich hier auch noch in einem Regal. Mit ein wenig Brot dabei hätten wir Wochen überlebt. Vor der französischen Grenze werden die Tanks noch mal gefüllt. Bei einem Preis von 1,14 Euro fällt das nicht schwer. Auf der Autobahn geht es dann bis Narbonne. Es ist zum Glück bedeckt und windig. Auch diesmal stehen wieder sehr viele Motorräder am Bahnhof zur Verladung bereit.

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