2001 Enduromania Bericht

Veranstaltungstermin war der 12.08.2001 – 15.08.2001
Unser Camp hatten wir an der „Wittman’s Hütte“

Schon lange schwirrte in meinem Kopf der Gedanke einmal bei der Enduromania mitzufahren. Alleine zu fahren hatte ich keine große Lust und einen passenden Reisepartner mit entsprechender Maschine zu finden, ist auch nicht leicht. Interesse mitzufahren haben viele, aber wenn es dann Ernst wird, wird die Anzahl derer, die dann noch Zeit haben, immer kleiner. Viele schreckt auch schon der Name „Rumänien“ ab. „Das ist doch viel zu gefährlich, und da wird dir doch alles geklaut, oder was willst’n da?“ sind die Standardreaktionen. Hartmut jedoch war von Anfang an Feuer und Flamme für den Vorschlag bei der Enduromania 2001 mitzufahren.
Wir entschieden uns für die Tour in der 33. Kalenderwoche ( 13.08.-17.08. ), der Treffpunkt zu diesem Termin war die „Wittmann’s Hütte“. Nachdem wir dann schon im Frühjahr das Startgeld überwiesen hatten, gab es kein zurück mehr. Nach dem ersten Blick auf die Landkarte stellten wir fest, dass es doch eine ganze Ecke zu fahren ist bis zur Wittmann’s Hütte. Selbst nach der Berechnung der kürzesten Strecke mit einem Onlineroutenplaner waren es immerhin noch 1650 km. Aber große Gedanken machten wir uns nicht wegen der langen Strecke. Hartmut hat ein komfortables Wohnmobil mit Anhänger. Da sollten die Mopeds drauf und damit waren alle Probleme erledigt. Wer so anreist gilt bei den mit dem Krad anfahrenden Teilnehmern als „weich-Ei!“, dessen waren wir uns bewusst.
Am Donnerstag Nachmittag ( 09.08.2001 ) war es dann soweit. Hartmut stand mit gepacktem Wohnmobil und Hänger vor meiner Tür und es ging endlich los. 30 Std. später ( incl. 6.Std. Pause ) hatten wir unser Ziel erreicht. Es gab noch eine Kleinigkeit zu Essen und die lang ersehnte Dose kaltes Bier konnte endlich geöffnet werden.
Am Samstagmorgen waren wir damit beschäftigt unser Camp aufzuschlagen und das Wombel ( Wohnmobil ) auszurichten. Da telefonieren nicht möglich war, D1 & D2 fan den kein Netz, und es einen Festnetzanschluss nicht gab, sind wir dann gegen Mittag losgefahren um ein Telefon oder eine Stelle mit Handyempfang zu suchen. Fündig wurden wir in der Handvermittlungsstelle von Rusca-Teregova, die noch den Charme der 20iger Jahre besaß. Nachdem die Heimat über unsere Ankunft informiert war, wurde das nähere Gelände um unser Camp inspiziert. An einer ziemlich steilen und zerspurten Auffahrt habe ich meine Twin dann das erste mal kopfüber abgelegt. Der zweite Versuch den Berg hochzukommen, endete mit dem gleichen Ergebnis. Hartmut mit seiner „kleinen XT“ und seinen laaaangen Beinen hatte viel weniger Probleme. Er half mir ein zweites mal die fette Twin wieder auf die Beine zu stellen. Nach dieser Aktion stand uns dann der Saft schon in den Stiefeln und wir sind zurück zum Camp. Meine Verkleidung hatte ein paar Risse mehr, der Sturzbügel sah auch aus wie ein Solcher und der rechte Blinker war samt Halterung nach hinten gebogen. Genug für den ersten Tag, aber es hat schon viel Spaß gemacht.
Am Abend hatten wir von Sergio schon die Fahrtunterlagen und detailliertes Kartenmaterial bekommen. Am Sonntagmorgen war ich damit beschäftigt die ganzen GPS Koordinaten aus den Fahrtunterlagen in meinen Palm einzugeben, um sie anschließend in unsere GPS Geräte zu überspielen. Hartmut markierte alle Zielpunkte in den Landkarten, damit es für uns leichter wurde eine Route zu erstellen. Obwohl der heutige Tag noch kein Wertungstag war, wollten wir schon mal versuchen ein paar Punkte anzufahren, um zu sehen, ob wir überhaupt etwas finden. Unsere erste Tour führte uns Richtung Brebou Nou. Die Strecke verlief fast nur durch große Waldgebiete. Es war ziemlich schlam mig und in einer großen Pfütze dachte ich schon, ich würde mit meiner Africa Twin ertrinken. Die Suppe schlug über mir zusammen und ich habe einen kurzen Moment nichts mehr gesehen außer braunes Wasser. Hartmut, der hinter mir fuhr, hielt die Szene für sehr fotogen. Der Kontrollpunkt auf dieser Strecke war überhaupt nicht zu verfehlen. Von Brebou Nou ging es über Slatina Timis wieder zurück zum Camp. Am Abend fand dann die offizielle Eröffnung der Veranstaltung durch Sergio statt. Jeder der Teilnehmer hatte sich und seine Gruppe kurz vorgestellt. Beruhigt stellen wir fest, dass, was die Anreise betraf, wir eigentlich fast nur von „Weich-Eiern!“ umgeben waren. Damit wir auch die vorgeschriebene Mindestgruppen-stärke von 3 erreichen konnten, wurde uns noch der einzig übriggebliebene Solist und A.T. Fahrer Kay zugeteilt. Er war, wie wir hinterher erfuhren, von seinem Team sozusagen weggelobt worden! Mit Zubehörteilen von ca. 8000,- Märkern und knackigem Papageienoutfit kam er sehr kompetent daher. Nach kurzer Debatte einigten wir uns auf den Teamnamen A.T.-XT Connection. Diese „Teamgeburt“ wurde am Wombel noch mit ein paar Dosen Bier begossen und das Ziel der Rallye wurde festgelegt:
„Viel Spaß und nicht letzter werden!“.

1. Fahrtag

Pünktlich nach dem Frühstück erschien Kay am Wohnmobil, aber leider nicht in Mopedkleidung sondern in Zivil. Sein Magen machte Probleme und er wollte den ersten Tag aussetzen. Nach kurzer Rücksprache mit Sergio sind Hartmut und ich dann alleine losgefahren. Wir hatten uns viel für den ersten Tag vorgenommen. Der schönste Streckenabschnitt an diesem Tag war die Strecke zwischen dem 5.GPS Punkt und Ilova. Es ging viele Kilometer über ganz kleine Trampelpfade, quer durch einen dichten Wald. Stellenweise versagte sogar das GPS Gerät, weil das Blätterdach über uns einfach zu dicht war und dann wurde halt wieder die Sonne und das Gefühl zu Hilfe genommen. Nachdem wir den Wald hinter uns gelassen hatten, kamen wir auf einer Art Hochalm heraus, wo wir einige male von den Bauern aus Ästen selbstgebaute Viehgatter entfernen und wieder zusammenbauen mussten, um überhaupt weiter zu kommen. Die letzten Kilometer nach Ilova ging es noch mal sehr steil bergab. Wir sind in einem ausgetrocknetem Flusslauf gelandet und hatten mit ziemlich großen Steinen zu kämpfen. Der Alumotorschutz der Africa Twin machte sich laufend akustisch bemerkbar. Bei Hartmut`s XT war es der Hauptständer, der für böse Geräusche sorgte. In Ilova angekommen besorgten wir uns den für diesen Tag letzten Stempel. Mit einer gewissen Erleichterung karrte Hartmut Kinder im Dorf hin und her oder angelte sich eine „fesche Sozia“ in Form einer älteren Bäuerin, der er galant den Heimweg verkürzte. Gegen 20.30 Uhr waren wir wieder im Camp und total happy, dass wir einen so tollen Tag hinter uns hatten. Nachdem wir beim Abendessen erwähnten, dass wir an diesem Tag 13 Kontrollpunkte angefahren hatten, plus der Sonderpunkte, erhielten wir ein einheitliches booohhh. Dies erhöhte unseren Ehrgeiz um min. 3 Plätze nach oben. Der Abend wurde noch ziemlich lang, denn jeder hatte von seinen tollen Tageserlebnissen zu erzählen und alle hörten gespannt zu.

2. Fahrtag

Auch das heutige Fahrprogramm war km mäßig recht großzügig angelegt. Kay war dank Hartmut´s Mineralpräparate wieder einigermaßen fit. Dies dankte er uns damit, dass er uns beim Anfahren, sofern er vorne war, durch vehementes Gasgeben die Steine mit seinem Hinterrad nur so um die Ohren warf. Aber das Wetter war super und es sollte eine Rundtour bis zur Donau werden. Zuerst ging es ein ganzes Stück auf der E70 gen Süden. Unser erster KP lag an der Wasserstation in Taria. Hinter Sopata Nou hatten wir den Abzweig nach Urcu verpasst und sind ins Gebirge gefahren. Dies ist auch mit GPS möglich, weil man zwar den Zielpunkt sieht, aber in den seltensten Fällen den Abzweig oder den Weg dorthin und Karten stellen nur eine allgemeine Empfehlung mit wenig Anspruch auf Präzision dar. Man stellt eigentlich nur fest, ich nähere mich oder nicht, und dies in Luftlinienbetrachtung.
Landschaftlich war es eine tolle Strecke mit vielen wunderschönen Einblicken in die Täler. Leider führte uns aber diese Strecke nicht dorthin wo wir hinwollten. Bis wir endlich in Ravensca ankamen hatten wir uns noch des öfteren verfahren. Die falschen Streckenabschnitte sind meistens die interessantesten. Oft landet man dabei mitten in der „Pampa“ und hat dann schon mal Probleme das Moped wieder zu wenden, weil es einfach zu schmal ist. Von Ravensca aus wollten wir zur Donau vordringen. Die Einheimischen rieten uns von der von uns gewählten Route ab, da sie kaputt sein sollte. Aber mit den Mopeds würden wir das schon schaffen, dachten wir. Es ging über einen wunderschönen Hochkamm, von dem aus man die Donau schon immer im Blick hatte. Ein Fahrweg war kaum noch zu erkennen. Wir fuhren kilometerlang durch knie hohes Gras und an vielen Heutürmen vorbei. Nachdem es stetig leicht bergauf ging, musste es ja auch irgendwann mal wieder runter gehen, zumal die Donau immer näher rückte. Hurra, da war der Abstieg! Aber er ähnelte mehr einem Holzrückeweg, und es ging bergab und zwar mächtig bergab. Hartmut und ich kamen recht gut herunter während Kay  schon mächtig zu kämpfen hatte. Mit seiner hochbeinigen AT wechselt er zwischen den Tränen und der Ohnmacht. Das Schicksal schlug mit einem Hechter seinerseits in die Wiese zu. Mindestens 1 km sicherten wir abwechselnd Kay mit AT den Hang hinunter, immer schön den Gepäckträger festhaltend. Er dankte uns dies, in dem er ständig die Seite wechselte. Mal fiel man fast mit ihm links in den Graben oder man wurde rechts gegen die Hangböschung gedrückt! An der Donau angekommen, ließ Hartmut erst mal einen Urschrei los. Die letzten Kilometer hatten schon viel Kraft und Schweiß gekostet. Uns Beiden hat es auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und Kay humpelte auch schon wieder weniger. Auf der Donauuferstraße konnten wir uns ein bisschen erholen. Wir beobachteten die untergehende Sonne, die die weißen Felsen auf der gegenüberliegenden Seite in ein herrliches rotes Licht eintauchte. Hiervon beeindruckt missdeutete unser Kay die Haltezeichen von Hartmut – blick in den Spiegel u. nach rechts – Blinker – rechter Arm raus – und Verlangsamung des Tempos zwecks Foto! Kay fuhr ihm trotzdem auf die XT auf. Außer Flüchen von Kay und einer Staubwolke war aber, Gott sei Dank, mal wieder nix passiert. Kay revanchierte sich zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich unbewusst damit, kräftig Gas zu geben und sofort wieder wegzunehmen, um den Reißverschluss seiner Fototasche zu überprüfen. So wurde es mit, vor oder hinter ihm nie langweilig ! Denn manchmal wurde er mit seinem überragendem Equipment auch gar nicht fertig! An der Donau entlang ging es über Eibenthal bis zum Kloster St.-Anna in Orsova. Hier konnten wir noch mit anhören wie im Glockenturm zwei Schwestern einer langen Holzbohle mit Schlagstöcken tolle rhythmische Klänge entlockten. Nachdem wir unseren Stempel bekamen, die Wasservorräte noch mal aufgefüllt, die Visiere gereinigt und der Ordensschwester eine Geldspende übergaben, ging es wieder auf die E70 Richtung Camp. Die Rückfahrt muss man sich dann so vorstellen – Dunkelheit, große schwere schnelle LKW´s oder langsame Krücken, aber mit defekter Lichtanlage und immer wieder Ochsenkarren oder Pferdegespanne, die dann hoch beladen mit Heu, aber ganz ohne Licht fahren. Und nun begann das schöne Spiel, wer überholt wen und wann, unter besonderer Berücksichtigung von Schlaglöchern und längs gefrästen Kanten oder einseitig neuen Fahrbahndecken. Und Kay ?…. hoffentlich macht Kay keinen Scheiß!
Bloß keine Konzentrationsschwächen zeigen, dies galt nach diesem Tag besonders! Trotzdem, es ging einem viel durch den Kopf. Diese Menschen mit und ohne Ochsenkarren, wie hart müssen sie arbeiten, um dem Land das Lebensnotwendige abzuringen. Und wir kommen mit unseren Spielzeugen daher, braten über Wiesen, pflügen morastige Wege noch mehr um und knallen durch den Wald. Alles legitim, weil so selten, wächst ja auch wieder zu! Unsere wichtigste selbst gewählte Aufgabe war Punkte sammeln, Spaß haben am touristischen Erleben, Enduro fahren und aufpassen, dass der Tank nicht leer wird. Wir Biker sollen ja auch die Vorhut des beginnenden Tourismus sein. Mountainbiker, Wanderer, Wintersportler sind auch schon da, sollen aber mehr werden! Geländewagenfahrer sind die nächsten „Recken“, die sich der Herausforderung stellen werden. Gegen 22.30 waren wir dann endlich wieder an unserem Wohnmobil. Ein spannender Tag mit vielen Erlebnissen und Eindrücken wurde mit einer großen Portion Spaghetti und eine Flasche Rotwein beendet.

3. Fahrtag

Heute Morgen kamen wir schon nicht mehr so gut aus den Federn. Alle Fahrtage und die langen Abende hatten etwas an unseren Kräften gezehrt. Nach einem guten Frühstück, dem technischen Dienst an Ausrüstung und Motorrad, aber auch Kanistertanken an Hartmut`s XT, ging es dann nach dem Briefing heute etwas später los. An der Tankstelle fragte Kay Hartmut, warum er denn nicht tanke. Antwort: „Er hätte einen katalytischen Treibstoffrepititor!!!“ Nach einem Anflug von Bewunderung kam nur „Hab ich noch nicht von gehört?!?“… Ist schon eine tolle Maschine, ne olle XT, und die Pferde scheu machen kann man mit ihr auch. Mindestens 4mal passiert, aber nie gewollt! Überhaupt scheu machen. Auf die Kinder musste man wie über all am meisten achten. Nur das diese hier so viele sind und schon beim ersten Motorradgeräusch kreuz und quer über die Straße rennen um sich den besten Platz zum abklatschen zu sichern. Wir ärgerten uns selbst, nicht genügend Gummibärchen u. Schokoriegel für die jungen Sportsmänner mitgenommen zu haben. Denn lästig wurden sie nie. Das Gegenteil von dem war eine Beerdigung. Pope voraus, Leichenträger mit gleichen bunten großen Frotteetüchern als Talar, und die Hauptperson auf offener Bahre mit neuen Lederschuhen, gutem Anzug und Hut, eher etwas unbeteiligt wirkend. Aber so ist das wohl wenn das Gesicht schon seit längerer Zeit etwas fahl lila ist. Man kann nur hoffen, dass man irgendwann in vielen, vielen Jahren selbst eine gut Figur macht, wenn man mit den Füßen voraus an Schmitzbackes vorbeigetragen wird! Über die Südauffahrt ging es auf den Muntele Mic, den höchsten Berg (1525m) in der Umgebung. Als Abfahrtsroute wählten wir die Nordseite, was sich dann aber als schlechte Entscheidung erwies. Nach ca. 2km bestand der „Fahrweg“ nur noch aus dicken großen Steinen. Hier war Hartmut dann mal dran seine XT abzulegen. Er lies die Maschine dank seiner laaangen Beine wegrutschen und blieb selbst irgendwie stehen, nur mit dem Nachteil, dass der linke Fuß unter der XT eingeklemmt war und die rechte Wade Kontakt mit dem Auspuffkrümmer hatte. Nun ging es darum, Hartmut schnellstens zu befreien. Noch bevor wir unsere A.T´s. abstellen konnten, sprang ein Hirte hinzu und befreite ihn aus dieser prekären Stellung. Hirte, Sicherheitskleidung und wie immer Schutzengel sei Dank, außer Brandspuren an der Hose keine weiteren Vorkommnisse. Nur weiteres wollten wir uns nicht antun. Wir haben also kehrt gemacht und sind die Südseite wieder hinunter, aber nicht ohne einen Abstecher Richtung Cuntu zu machen, einem weiteren hohen Gipfel neben dem Muntele Mic. Die Strecke zum Cuntu war so richtig nach meinem Geschmack. Es ging steil auf und ab und der Boden war stellenweise sehr weich bis schlammig. Auf dem Rückweg, kurz vor der Gabelung zur Südauffahrt des Muntele Mic, hat es mich dann doch noch vom Bock gerissen. Eine ziemlich steile, tief verspurte und sehr schlammige Abfahrt endete in einem großen Schlammloch. Der dicke Ast in dem Loch war nicht zu sehen, aber zu spüren. Schlagartig riss es mir den Lenker aus der Hand und ich machte eine klassische Rolle seitwärts in den Dreck. Das hat bestimmt gut ausgesehen. Außer Dreck und Schlamm in allen Ecken ist nichts passiert. Weiter ging es dann Richtung Turnu Ruieni. Da es sich bei diesem Punkt um einen reinen Offroadpunkt handelte, hatten wir ausgemacht, dass Hartmut mit seiner XT alleine zur alten Ruine auf die Bergkuppe fährt. Kay hatte das wohl nicht mitbekommen oder auch einfach nur ignoriert. Auf jeden Fall hat er seine Twin auf dieser Strecke 2 oder 3 mal hingelegt und wir durften mal wieder auf ihn warten. Dieser Holweg war extrem stark verspurt da suchte Hartmut nach Alternativen. So oben am Rand vorbei das Motorrad zu jonglieren ist eine Sache, denn freigewaschene Wurzeln halten im ungünstigsten Fall den Fuß fest und die Karre fährt weiter. Mit Glück und Panik lies sich der linke Fuß von Hartmut, ohne Sturz, wieder rausziehen aus der Wurzelschlinge. Dann mit Anlauf die Steilstrecke zur Turmruine. Nun war aber wieder Schluss mit Lustig, denn hinter dieser Steilkuppe war, vorher nicht erkennbar, der Wassergraben!!! Also Bremsfallschirm aktivieren, Schwung abbauen, Zielbremsung auf Kuppe und schön vorsichtig das Moped drehen. Nachdem wir dann wieder alle zusammen waren, fuhren wir weiter über Caransebes nach Rugi. In Rugi angekommen wurden wir an der Kirche, die unser Ziel war, sch on mit offenen Armen, Kuchen, Gebäck und Schnaps empfangen. Eine ganz kurze Zeit konnten oder wollten wir uns dagegen wehren einen Schnaps zu trinken, aber dann wurden es doch 2 oder 3 oder……weiß ich auch nicht mehr. Wenn es nicht noch reichlich Kuchen, Gebäck, Fleisch und selbstgemachte Kohlrouladen dazu gegeben hätte, wären wir bestimmt aus dem Sattel gefallen. Wir kamen noch mit den Leuten ins Gespräch, wobei uns diesmal die Französischkenntnisse von Kay sehr zu gute kamen. Nach über einer Stunde ging es dann weiter, aber dann nicht zum nächsten Kontrollpunkt, sondern zurück zum Camp. Der leckere Pflaumenschnaps, den wir eigentlich überhaupt nicht trinken wollten, löste nicht gerade einen Energieschub in uns aus. Gegen 20°° Uhr erreichten wir dann ziemlich erledigt wieder unser Camp. Mächtig in Sorge kamen wir dann doch noch, als das Team von Andreas nicht ankam. Gegen 24 Uhr kam der Klein-LKW mit dem kompletten Team. Diese hatten sich in der Pampas verfahren und waren von der Dunkelheit überrascht worden. Also Mopeds stehen lassen und zu Fuß weiter…., aber dies ist eine andere Story.

4. Fahrtag

Am heutigen Morgen sind wir noch etwas später dran als am gestrigen Tag. Es wird 11°°Uhr bis wir endlich das Camp verlassen. Hartmut mit seinen noch 45 Lenzen tun die Knochen weh, der Po hatte Druckstellen und die Füße Blasen. Polizeikradstiefel sind nicht das „Gelbe vom Ei“ weder fürs Wandern (Blasen wegen der Bergausflüge per Pedes zu Kay), noch zum crossen. Das Vorderrad wirft gern schon mal einen faustgrossen Stein in Richtung Fußrasten und wenn dieser dann auf dem Spann des Bikers landet tut das schon recht weh, was erhöhte Wachsamkeit im steinigen Gelände zur Folge hat, trotz glasiger Augen. Für heute hatten wir uns noch ein paar Punkte in der näheren Umgebung ausgesucht. Zuerst ging es in das Ploputal, welches ein paar km nördlich von unserem Camp verläuft. Das Ploputal ist eine landschaftlich wunderschöne Strecke. Lange Zeit verläuft der Weg entlang eines Gebirgsflusses. Kurz vor Erreichen unseres Zielpunktes musste Kay uns wieder überholen, um dann hinter der nächsten Kurve im Schlamm und unter seinem Motorrad zu liegen. Es dauerte ein bis zwei Minuten bis wir unsere eigenen Maschinen abgestellt hatten um ihm dann, im wahrsten Sinne des Wortes, aus der Sch… zu ziehen. Nach kurzer Debatte über Sinn und Unsinn von fahrerischer Disziplin sind Hartmut und ich dann die letzten Meter bis zum Zielpunkt alleine weiter gefahren. Auf dem Rückweg durchs Ploputal machten wir noch am Fluss Rast bevor es weiter in das etwas südlicher gelegene Tal Richtung Raul Alb ging. Auf dem Rückweg aus diesem Tal hatte Hartmut samt XT einmal Bodenkontakt. Es war für ihn sehr aufschlussreich zu erfahren, dass auf Waldwegen die Haftung des Vorderrades bei gezogener Handbremse und gleichzeitig eingeschlagenem Lenker schnell an ihre Grenzen stößt. Das Ergebnis dieser unsanften Landung war ein völlig verbogener Schalthebel. Der Hebel zeigte nicht mehr nach vorne und leicht abwärts, sondern nach hinten in den Himmel. Für zwei gelernte Werkzeugmacher kein Problem. Passenden Stein als Unterlage gesucht und einen dicken Stein zum gerade kloppen und nach kurzer Zeit war das Teil wieder gebrauchsfähig. Hier zeigte sich die Gebrauchsfähigkeit von Yamaha, denn bei KTM brach bei dieser Gelegenheit der Hebel. Den letzten Punkt den wir an diesem Tag anfahren wollten war Zagoru-Cabana, ein paar km südlich von Brebu Nou. Die letzten km auf dieser Strecke waren noch mal ziemlich anstrengend, da der Weg zum Teil nur aus dickem Geröll bestand und man braucht schon etwas Kraft um die dicke A.T. einigermaßen in der Spur zu halten. Am Ziel angekommen ist das aber immer schnell vergessen und wir freuen uns jedes Mal, es wieder geschafft zu haben. Auf der Rückfahrt zum Camp überkommt mich dann doch ein bisschen Traurigkeit, denn heute war der letzte Tag, und nun ist alles schon wieder vorbei. Auf den letzten Kilometern versuche ich noch mal ganz viel von der Landschaft und von den Gesichtern, die mir noch begegnen, in mich aufzunehmen. Es ist 17°° Uhr als wir wieder im Camp sind. Unsere netten Nachbarn, das Black Forrest Team, hatte an diesem Tag etwas Pech mit dem Sprit den sie unterwegs getankt hatten, und kamen deshalb erst gegen 23°° Uhr wieder ins Camp. Aus einer Zapfsäule kam trotz mehrmaligem Nachfragens beim Tankwart nicht Premium-Benzin sondern Diesel.

Freitag – Ruhetag

Heute war Faulenzen angesagt, wenigstens für mich. Hartmut indes fuhr noch nach Baile-Herculane einem Thermalbad, das genau wie er auch, schon mal bessere Zeiten gesehen hatte, um sich mal durchkneten zu lassen! Auf der Rückfahrt an einer kurvigen Engstelle auf der E 70 sah Hartmut einen Streckenposten wie wild mit seiner rotweißen Fahne gestikulieren. Wer kam um die Ecke geknallt, unser lieber Kay……! Wollte er mal wieder dem Schicksal ein Angebot machen? Am Nachmittag wurden dann schon die ersten Vorbereitungen für die lange Rückfahrt erledigt. Das Vorzelt wurde eingepackt die Mopeds wurden wieder auf dem Hänger verzurrt, die Motorradbekleidung musste wiede r verstaut werden u.s.w. Am Abend wurde es dann noch mal richtig spannend. Denn gegen 21°° Uhr begann die Siegerehrung. Knapp über 100 Fahrzeuge waren in der Wertung und wir landeten mit unserer A.T.- XT Connection auf den Plätzen 36-38 und erhielten zu gleichen Teilen den Integrationspreis des Veranstalters! Dieser Erfolg wurde noch zusammen mit dem BFT Team, die den 2. Platz in der Gesamtwertung belegten, begossen. Es wurde noch viel gequatscht und gelacht an diesem Abend, bevor es dann kurz nach Mitternacht in die Kojen ging. Wir hätten gerne noch länger gefeiert und noch 1-2-3-4-……Bierchen getrunken, aber es stand ja noch die lange Rückfahrt bevor. Wir hatten uns vorgenommen in einem Rutsch durchzufahren.
Apropos Rückfahrt: Kay hatte wohl bei seiner Mitfahrgelegenheit (anderes Team) noch Pech. Wundersamerweise musste er, nachdem er die zwischenmenschliche Chemie verdorben hatte, wegen eines „Haarrisses in der Deichsel“ des Anhängers, seine AT noch abladen und ab rumänischer Grenze mit dem Motorrad nach München fahren. Es gibt aber auch schlimme Zufälle!

FAZIT

Rumänien ist ein Enduroparadies. Die Landschaft und die Strecken, die man dort befahren darf, haben mich fast, manchmal auch wirklich, aus dem Sattel gehauen. Ich habe nicht ein einziges Verbotsschild gesehen, mich aber oft dabei erwischt, nach einem zu suchen ( ist wahrscheinlich typisch Deutsch ). Die Gastfreundschaft der rumänischen Bevölkerung ist umwerfend. Überall wo wir hinkamen oder entlang fuhren wurden wir mit offenen Armen begrüßt und empfangen. Einer Bewirtung, fast immer mit Schnaps und oft auch mit Selbstgebackenem, konnten und wollten wir uns dann auch nicht entziehen. Sofern es möglich war versuchten wir immer mit den Leuten ins Gespräch zu  kommen.
Enduromania 2002 hat sich schon in unserem Hinterkopf eingenistet. Der Dritte im Team will dann Harry sein, ein Freund und seit vielen Jahren bewährtes Clubmitglied im MFBL und Frühaufsteher. Er will dann für die allmorgendliche Motivation sorgen, na ja, vielleicht holt er ja Brötchen. Und Kay?!? Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig und auch nicht …oder doch… gewollt! Jedenfalls, wie man so hörte, könnte es gut möglich sein, dass er bereits im Begriff ist sein Outfit preisgünstig zu veräußern! So dass wir mit ihm wohl nicht wieder rechnen müssen. Oder ist dies nur der Anlauf zu neuen Heldentaten ?
Unser aller besonderer Dank gilt Sergio und seinem netten Team, die alles erdenkliche für Organisation und Sicherheit taten, vom eigenen Krankenwagen bis zur Motorradwerkstatt, weiter so!!!

Von Jörn und Hartmut

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