1999 Pyrenäen Bericht

Jörn und mein Urlaub begann mit Regenkombi und 12°C auf der 100 km-Strecke zur Geburtstagsparty von Bernd Tesch in Aachen. Regen und Kälte waren beim Lagerfeuer, den lieben Leuten und netten Gesprächen bald vergessen und insofern ein guter Einstieg in den Urlaub.
Am Sonntag gings dann „richtig“ los. Wir waren dieses Jahr sehr unentschlossen, hatten keine Zeit gefunden, keine Lust gehabt den Urlaub zu planen, so daß wir erst einmal in die Harfenmühle (unser Lieblingscampingplatz bei Idar-Oberstein) gefahren sind um die Karten, die wir eingesteckt hatten hinsichtlich unseres Urlaubsziels zu sichten. Spätestens jetzt wurde mir auch gefühlsmäßig klar, daß es ein Urlaub und keine Reise werden würde (Reisen muß man planen und sind meist doch anstrengend, Urlaube sind zum Erholen da). Unser lockeres Ziel war dann gefunden: Südfrankreich / Pyrenäen!
Also ging es per Landstraße durch die Vogesen – schließlich hatte ich Jörn von dem Flammkuchen vorgeschwärmt, den er bis dahin nicht kannte. Nachdem es ein Stückchen durch die Rhone-Alpen – per Autobahn an Lyon vorbei (38°C) – ging, entdeckten wir auf der Karte das Gebiet der Ardeche, und beschlossen eine Kanutour zu machen. Abends angelangt, erkundigten wir uns direkt nach dem wann und wie und wurden kurzer Hand eingeladen auf dem Grundstück des Kanu-Anbieters unser Zelt aufschlagen zu dürfen – und zwar kostenlos. Wasser, Dusche und Toilette waren vorhanden. Es bedurfte also keiner Überlegung für das „ja“.
Unsere Kanutour (mit 30 km, die längste die man buchen konnte) ging dann um 9 Uhr los – leider war es bewölkt und regnerisch, was sich aber als recht günstig erwies, weil man sonst oft extremen (thermischen) Gegenwind hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten vier Hände, zwei Paddel und ein Boot zum Geradeausfahren zu bewegen, machte es nachher richtig Spaß. In den vier Stromschnellen, die wegen des wenigen Wassers sicherlich recht harmlos ausgefallen sind, war es richtig lustig, auch wenn uns eine kentern ließ, weil irgendwie ein Fels im Weg war. Hut gerettet, Boot und Jörn, der etwas abgetrieben war, wieder eingesammelt – so kamen wir bereits zwei Stunden früher am verabredeten Abholzeitpunkt an und nutzten dies um etwas gegen unseren Hunger zu tun. Der Muskelkater, den wir nach der ungewohnten sportlichen Betätigung erwarteten, ist allerdings ausgeblieben.
Weiter gings (wieder bei Sonnenschein) durch die Chevennes, zu unserem Einstieg in die Pyrenäen (ca. 30 km westlich von Perpignan), die uns mit einem kräftigen Gewitter samstags in Empfang nahmen. Nach Kochen unterm Tarp und einer stürmischen Nacht, gings den nächsten Tag nun richtig „in die Berge“; allerdings nicht sehr weit, weil wir an einem Stand, der über einen Höhlenbesuch informierte, „hängen geblieben“ waren. Mit meinem bißchen Französisch dauerte es etwas länger die Einzelheiten der Höhlenerkundung in Erfahrung zu bringen! – Am nächsten Tag um 9 Uhr stiegen wir dann mit einem Guide und zwei weiteren Personen erst 400 Höhenmeter hinauf und dann in die Höhle l’Aguzou hinab – voll ausgerüstet mit Overall, Helm, Stirnlampe (samt Akku auf dem Rücken) und Gurt mit Karabiner. Wir verbrachten 9,5 Std in dieser  wirklich faszinierenden Welt, gehend, krabbelnd, kriechend, auf- und abseilend über Leitern. In dem ersten Teil der Höhle, großartige Tropfsteingebilde unterschiedlichster Größe, Farbe und Gestalt. Der zweite (nicht so sportliche) Teil, ging dann durch die sog. „Galerie des fleures“ zauberhafte filigrane Gebilde aus Gestein – die Blumen ähneln oder noch solche werden wollen. Obwohl der Führer die Führungen im Sommer fast täglich macht, kam seine Faszination bei mir so an, als würde auch er die Höhle zum ersten Mal sehen. Bei der Schönheit dieser Unterwelt war es nicht schlimm, daß ich höchstens einen Bruchteil der Erklärungen (in franz.) verstanden habe.
Nach so viel sportlicher Aktivität war nun wieder Motorradfahren angesagt. So „vertrödelten“ wir die nächsten Tage auf den einsamen, gut gepflegten Straßen, mit viel Kurven, genossen die Ausblicke, die herrliche Luft und die entspannten Stunden in irgendeinem Bergcafe, so daß manche Tour (zumindest zeitlich) länger als geplant wurde. Wir schliefen in unserem Zelt auf ca. 1500 m Höhe bei Nachttemperaturen von 0°-5°C und einer absoluten Ruhe gut und ausgiebig. Nachdem das Terrain um Mont-Louis „abgegrast“ war, packten wir die Sachen und wußten bis dahin noch nicht, daß es der schönste Tag des ganzen Urlaubs werden sollte.
Wir starten zeitig Richtung Andorra, und wollten am anderen Ende von Andorra über Spanien wieder nach Frankreich. Andorra präsentiert sich landschaftlich wunderschön, wenn auch die Skigebiete dort wenig umweltverträglich angelegt worden sind bzw. werden, die Berge haben häßlichhe Narben bekommen. Abseits der einzigen Straße, die durch Andorra führt und entsprechend stinkig und nervig ist, ist es aber wirklich wunderschön. Die Straße, die über Andorra nach Spanien führen sollte war auf meiner Karte als ganz normale gelbe Straße eingezeichnet. Auf andorranischer Seite entpuppte sich diese als super ausgebaute Straße (fast Autobahnqualität), endete aber an der Staatsgrenze zu Spanien abrupt und ging nun nur noch als Piste weiter. wir überlegten an dieser „Grenze“ nur kurz und es ging etwas langsamer und holpern d und mit einer Furt versehen talabwärts. Nach einer kurzen Erfrischung in dem (gefurteten) Bach weiter unten, wähnte ich bald Asphalt. Es ging aber nochmals 25 km weiter auf einer Piste den Fluß entlang, bis wir wieder festen Boden unter den Rädern hatten. Ein Fleckchen Wiese direkt am Fluß lud so sehr zur Erfrischung ein, daß ich mich kurzerhand wie „Eva“ in das erfrischende Naß begab – bis dahin war es bereits ein perfekter Tag. Er schloß mit einer wunderschönen Strecke über noch drei Pässe (wieder nach Frankreich rein), einem erlesenen Diner in einem ländlichen Hotel und endete nach einer zweiten Flasche Rosé mit einer sternklaren, absolut geräuschlosen Nacht.
Mittlerweile in den Hautes Pyrenees angelangt wurde der Tourismus stärker, aber nicht nervig. Als wir den Col de Tourmalet locker und lässig auf unseren Motorrädern überquerten, habe ich beschlossen, auch wenn Fahrradfahren mal mein Hobby wird, werde ich sicherlich nicht diesen Col mit dem Fahrrad „bezwingen“ – auch wenn die Tour de France diesen Paß jährlich im Programm hat. Da die Pässe nach Spanien in diesem Teil der Pyrenäen aufgrund der Höhe weniger werden und daher keine Rundtouren mehr zulassen, haben wir im Cirque de Gavernie noch einen Wandertag eingelegt.
Weil wir unseren Autoreisezug erst in Frankreich gebucht hatten, und dieser nur noch ab Narbonne zu bekommen war, entschlossen wir uns, die andere (östliche) Hälfte der  Pyrenäen für einen der nächsten Urlaub anstehen zu lassen. Wir machten uns auf gemütlich Richtung Mittelmeer zu fahren, wo wir noch ein paar Tage faul am Strand liegen wollten. So ging es auf kleinen Straßen langsam, aber mit wunderschöner Landschaft und hinter jeder Kurve einem anderen Geruch, zurück. Auch wenn wir uns dabei in niedrigeren Höhen aufgehalten haben, war es landschaftlich trotzdem wunderschön.
Nach drei Tagen lesen und faulenzen am Strand/Pool (Jörn hat an einem Tag noch eine Piste „gemacht“) sind wir absolut entspannt in unseren Autoreisezug gestiegen (die reservierten Karten lagen tatsächlich dort!!!) und kamen bei gleichen Tagestemperaturen, aber ohne Strand und Wasser wieder zu Hause an.
Ein bißchen traurig, ein bißchen wehmütig, aber super erholt, denn zusammengefaßt haben uns die Pyrenäen folgendes gegeben: Wohltuende Formen und Farben fürs Auge, herrliche Stille für die Ohren, faszinierende Gerüche für die Nase, leckeres Essen für den Gaumen, freundliche Leute, und last but not least Kurven und einsame Straßen in einer traumhaften Landschaft – es fällt dort ganz leicht die Seele baumeln zu lassen und einfach zu genießen!!!

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