1995 Island Bericht

Insel aus Feuer und Eis

Faröer Inseln und Island
04.08.95 – 03.09.95

Corinna und ich kommen um 18.30 Uhr im Hafen von Esbjerg (DK) an, als die Norröna, unsere Fähre , die uns nach Island bringen soll, gerade einläuft. Die zutreffende Kabinenbelegung dauert ein paar Stunden, dafür ist unsere 9-Bettkabine (preiswerteste Kategorie) trotz der Enge angenehm kühl und die Luft sehr gut. Den nächsten Tag liegen wir den ganzen Tag an Deck und lassen uns von der Sonne verwöhnen.

Am 07.08. um 10.00 Uhr erreicht die Fähre die Faröer Inseln. Hier müssen wir 2 Tage verweilen, da die Fähre erst noch nach Bergen fährt bevor sie uns wieder abholt und uns dann nach Island bringt. In Torshavn suchen wir uns in einer umgebauten Sporthalle ein Schlafquartier. Die Nächte sind nur mit Ohrstöpseln zu ertragen da eine ganze Horde italienischer M otorradfahrer mit Frauen dort für einen südländischen Geräuschpegel sorgten. Das Equipment der Italiener war ebenfalls recht ausgefallen. Die Frauen hatten tatsächlich gute Abendgarderobe und ein paar Pumps mit. Wie sich später herausstellte mußte dafür wahrscheinlich die Regenbekleidung zu Hause bleiben, denn wir trafen die Gruppe zu einem späteren Zeitpunkt auf Island wieder, während sie völlig durchnäßt an einer Tankstelle Unterschlupf suchten. Wie heißt es so schön: „Wer schön sein will muß leiden“.
Das Wetter auf den Faröer Inseln war fantastisch. Wir nutzten die 2 Tage um das gesamte Straßennetz der Inseln abzufahren.
Am 09.08 ging es dann wieder an Bord der Norröna. Die mentalen Übungen von Corinna, ihrer Seekrankheit beizukommen, nutzen bei der Überquerung des Nordatlantiks allerdings nichts.

Am 10.08 um 7.00 Uhr war es dann endlich soweit, wir liefen im einzigen Fährhafen von Island, Seydisfjördur, ein. Das Ausschiffen ging recht flott, so daß wir wenig später schon in Egilstadir waren um Geld zu wechseln und Vorräte einzukaufen, denn nach Island dürfen keine frischen Lebensmittel eingeführt werden. Bei traumhaftem Wetter ging es über eine gute Piste über den Paß Hellisheidi. Die Aussicht war fantastisch und wir bekamen einen ersten Eindruck von dem, was uns wohl noch alles an fantastischen Natureindrücken erwartet. Über Porshöfn ging es weiter nach Asbyrgi wo wir zum ersten mal campierten. Am Abend unternahmen wir noch eine Wanderung bevor es dann in die Schlafsäcke ging.
Morgens brachen wir früh auf, um einen Abstecher zum wasserreichsten Wasserfall Europas zu machen: dem Dettifoss. Die Karte zeigte eine nicht zu verfehlende Straße dorthin – die Realität: eine nicht zu verfehlende, aber 40 km lange sehr holperige Piste…
Die Mühe lohnte sich: Man kann sich gar keine Vorstellung von diesen Wassermassen machen, die dort jede Sekunde in die Tiefe donnern und zig Tonnen von  Gestein und Sand mit sich schleppen, ein wahrhaft gigantisches Naturschauspiel! Gleichzeitig beeindruckte uns noch etwas ganz anderes: wo in unserer Gegend an solchen Stellen (z.B. Schaffhausen) hunderte von Menschen sind, streng gekennzeichnete Wege, Andenken- und Pommesbuden war dort: NICHTS, außer der Natur und noch 7 anderen Touris. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz kauften wir an einer Tankstelle noch frischen Lachs fürs Abendessen, das Kilo für ganze 8,40 DM. Bevor wir unserem Abendessen fröhnen konnten mußten wir jedoch noch unsere Küchenpacktasche von einem Liter Joghurt befreien, da sich dieser nicht als pistentauglich erwiesen hatte. Wir machten den Fehler des frühzeitigen (Joghurt)Einkaufens nicht wieder…

Am nächsten Tag lugt um 8 Uhr die Sonne ins Zelt. Nach dem Frühstück ist alles schnell zusammengepackt und es geht Richtung Husavik und anschließend weiter zum Myvatn, dem Mückensee. Unterwegs machen wir noch einen Stopp am Godafoss (Götterfall). Als Island im Jahre 1000 das Christentum angenommen hat, soll ein Gode seine Götzenbilder in die reißenden Fluten geworfen haben: daher der Name Godafoss. Am frühen Nachmittag schlagen wir unser Zelt am Myvatn auf. Der Zeltplatz ist sehr gut belegt und wir finden nur 2 Duschen – Nachdem unser Heim eingerichtet ist machen wir uns auf den Weg um das geothermische Kraftwerk im Gebiet der Krafla zu besichtigen. Viele dampfführende Rohrleitungen steigen hier aus dem Erdinneren um im Kraftwerk Turbinen zur Stromerzeugung anzutreiben Das Ganze sieht sehr futuristisch aus. Von der Krafla aus machen wir noch einen Abstecher nach Dimmuborgir, was soviel heißt wie „Schwarze Schlösser“. Hier gibt es ein ca. 2000 Jahre altes Lavafeld mit bis zu 20 Meter hohen, teilweise völlig verdrehten, vulkanischen Säulen zu bestaunen. Auf dem Rückweg buchen wir in einem Touristoffice eine Tagesfahrt mit einem geländetauglichen Allradbus zur Askja, um uns und die Motorräder ein wenig zu schonen, denn es standen noch etliche Pisten bevor.

13.08.
Um 7 Uhr klingelt der Wecker und wir müssen unsere warmen Schlafsäcke verlassen. Der Bus startete pünktlich um 8.30 Uhr. Nach ca. 1 Stunde Fahrt auf der Hauptstraße bog der Bus auf die Piste zur Askja ab. Die ersten 30-40 Pistenkilometer waren ja noch recht harmlos, danach holperte und polterte es so kräftig, daß ich einige male dachte -jetzt kippt die Kiste um, aber der Busfahrer beherrschte sein Handwerk. Die letzten 40km waren sehr mühsam zu fahren, teilweise ging es nur im Schrittempo durch die völlig zerklüftete Lavalandschaft. Gewisse Ähnlichkeiten mit der Mondoberfläche lassen sich nicht leugnen. Die Nasa wußte dies schon vor über 30 Jahren und nutzte die Gegend für ihre ersten Versuche mit dem Mondmobil. Die Askja (=Schachtel) ist ein ca. 50qkm großer Krater der sich auf einer Höhe von 1000 Metern befindet. In diesem  Kratergebiet gibt es zwei Seen, den Öskjuvatn und den kleinen Viti (=Hölle). Der Viti ist aus allen Reiseführern bekannt als milchiggrüner Badesee. Seine Badetemperatur von ca 20°C erhält er von unterirdischen Schwefelquellen, entsprechend ist auch der Geruch in dieser Gegend. Auf dem Rückweg waren wir ganz froh im Bus zu sitzen, denn es goß in strömen. Für den nächsten Tag hatten wir uns kein großes Pensum vorgenommen. In Akureyri, der zweitgrößten Stadt Islands, keine 100 km weiter, schlugen wir dann wieder unser Zelt auf. Wir machten einen ausgiebigen Stadtbummel in dieser „Großstadt“ (14000 Einwohner) die auch oft als Juwel des Nordens bezeichnet wird. Wir besuchten u.a. den botanischen Garten -ja den gibt es hier wirklich- und am Ende des Tages gab es noch ein großes Softeis für mich. Für Eis tue ich fast alles. Als wir am nächsten Morgen aufwachten regnete es noch und wir lassen uns noch Zeit mit dem Packen. Eigentlich wollten wir heute über die Sprengisandur-Piste in den Süden Islands fahren, wir treffen aber auf dem Weg 2 Motorradfahrer die uns von der Piste abraten. Nicht weil es nicht machbar wäre sondern weil es die Mühe nicht lohnt. Mieses Wetter im Hochland, sehr tiefe Furten, und keine sehenswerte Landschaft. Wir befolgen den Rat und fahren weiter gen Osten. Das Wetter reißt auf und es wird ein traumhaft schöner Sommertag. Kurz vor Glaumbaer treffen wir wieder auf Hartmut.
Hartmut hatten wir schon im Hafen von Esbjerg kennen gelernt und ein wenig über ihn geschmunzelt: Hartmut, Anfang 50, wollte Island mit Motorrad und Zelt erobern. Ohne eigene Kenntnisse ließ er sich von einem Outdoorspezialisten komplett ausstatten. Dieses Equipment packte er auf sein Mopped, ohne auch nur ein Teil ausprobiert, geschweige denn ausgepackt zu haben, und fuhr nach Island. Nach seiner 2. oder 3. Campingnacht hatte er dann doch das Hotelzimmer vorgezogen! Zu dritt besuchen wir in Glaumbaer den alten Grassodenbauernhof, der heute ein Freilichtmuseum ist. In der urgemütlichen Gaststube des Museums trinken wir Kaffee und Kuchen und t auschen unsere bisherigen Islanderlebnisse aus. Danach trennen sich unsere Wege wieder, da Hartmut noch ein Hotel für die Nacht suchen muß. Zu zweit erleben wir noch einen farbenprächtigen Sonnenuntergang, bevor wir dann gegen 22 Uhr unser Zelt aufsuchen. Zusammen mit Jens und Hanka, die wir hier auf dem Zeltplatz kennen gelernt haben, nehmen wir die Kjölurpiste, die uns auch in den Süden von Island bringt, in Angriff. Jens, mit Hanka als Sozia, kommt mit seiner GS besser voran als wir und wir verabreden als Treffpunkt die heißen Quellen von Hveravellier inmitten des Hochlands. Gegen 15 Uhr treffen wir hier ein. Es fegt ein eiskalter stürmischer Wind, teilweise mit Schnee vermischt. Angesichts der Bemühungen anderer Leute den Zelten ihr geplantes Aussehen zu geben, mieten wir uns in der Schutzhütte ein Nachtquartier. Am späten Nachmittag sprinten wir dann (ausschließlich mit Badehose und Motorradstiefeln bekleidet) durch den eiskalten Wind, um zu den nahe gelegenen Hot Pots zu gelangen. Es ist ein tolles Gefühl in einer von der Natur gebauten heißen Wanne zu sitzen: Während die Ohren im eiskalten Wind fast erfrieren, sitzt der Rest in fast 40 Grad heißen Wasser. Das ist halt Island!
Die Nacht war auch in der Hütte nur mit Ohrstöpseln zu ertragen, denn draußen herrschte ein orkanartiger Sturm und es goß in Strömen. Am Morgen stiegen wir direkt in die Regenkombis, da sich das Wetter nur unwesentlich gebessert hatte. Es ging weiter südwärts auf der Kjölurpiste. Kurz vor Ende der Piste mußten wir noch eine etwas tiefere Furt durchqueren, in der Corinna ihre F650 fast versenkt hätte. Zum Glück hat sie den Motor sofort ausgestellt und der Schaden beschränkte sich auf ein paar nasse Füße.
Unser Zelt stellten wir in Laugarvatn auf. Von hier aus unternahmen wir die Touren zu den Geysiren und zum Gullfoss. Genau genommen gibt es nur einen Geysir auf dieser Welt, nämlich den Stori-Geysir auf Island. Der isländische Name für „Springquelle“ (=Geysir) gab allen anderen Geysiren auf dieser Welt den Namen. Der Stori-Geysir hat einen Beckendurchmesser von 14m und eine Schlundtiefe von 120m. Seine Wasserfontäne stieß er bis zu 60m hoch in den Himmel. Seit den 50er Jahren hat er allerdings seine natürliche Tätigkeit eingestellt. Sein „kleiner Bruder“ der Strokkur ist allerdings immer noch aktiv und spuckt in regelmäßigen Abständen seine Wasserfontäne in den Himmel.

18.08
Am Morgen sind wir noch mal zu den Geysiren gefahren in der Hoffnung ein paar Bilder bei Sonnenschein machen zu können aber daraus wurde nichts, die Sonne ließ sich nicht sehen. Weiter ging es dann über die 365 nach Thingvellir. In Thingvellir kann man sehr gut das Ergebnis einer 9000 Jahre währenden Kontinentaldrift sehen. Die so entstandene Allmannagja (Schlucht des Volkes) ist ca. 40 km lang 10 km breit und hat eine Tiefe von 40 Metern zu denen jährlich 2 mm hinzukommen. Gleichzeitig liegt in diesem Gelände die historische Thingstätte. 930 versammelte sich hier das erste mal das sogenannte Althing das von den Isländern gern als das älteste Parlament Europas bezeichnet wird. Die Volksversammlung traf sich jedes Jahr für ca. 2 Wochen. Es wurden Gesetze erlassen und Gericht gehalten, Ehen geschlossen, und Freunde wieder getroffen. Der Abend war sternenklar und wir richteten uns auf eine kalte Nacht ein. Ich hatte mir den Wecker gestellt um evtl. mal ein Nordlicht sehen zu können und ich  hatte Glück. Am Himmel konnte ich vereinzelt aber doch gut sichtbar einen weißen Schleier sehen. Das ganze Schauspiel sah aus, als wenn eine riesige weiße Gardine sich am Himmel hin und her bewegt. Am Morgen wurden wir dann von der Sonne geweckt. Nach Frühstück und Packen ging es in nördlicher Richtung über die Kaldidalurpiste bis zum Hraunfossar (Lavawasserfall). Neben dem Dettifoss und Svartifoss gehört der Hraunfossar für mich mit zu den schönsten Wasserfällen auf Island. Auf einer Länge von über 1 km sprudeln jede Menge kleine Wasserfälle zwischen Büschen und Felsen aus dem Lavahang in den Fluß. Anschließend ging es weiter in Richtung Halbinsel Snaefellsness. Unser Ziel war der schönste Berg Islands, der Snaefellsjökull. Wir bekamen ihn jedoch kaum zu Gesicht, denn als wir die Halbinsel erreichten zog sich der Himmel so zu, daß wir schon dachten der Weltuntergang steht bevor. Es regnete zwar noch nicht aber es war stürmisch und der Himmel war pechschwarz. In Stykkisholmur schlugen wir unser Camp auf und verbrachten diesen Abend im Wohnwagen unseres Zeltnachbarn. Dieser war Flugkapitän und gebürtiger Isländer, lebte aber seit 8 Jahren in Luxemburg und sprach deshalb sehr gut deutsch. Wir erfuhren von ihm viel über Island und deren Bewohner.
Am nächsten Morgen verharrten wir bis 14 Uhr im Zelt, in der Hoffnung auf besseres Wetter. Der Wetterbericht prophezeite aber eher noch schlechteres und deshalb beschlossen wir aufzubrechen und nach Reykjavik zu fahren, denn dort kann man auch bei schlechtem Wetter etwas unternehmen. Die Fahrt nach Reykjavik war eine echte Tortour. Es hat geschüttet und so heftig gestürmt, daß wir stellenweise die ganze Fahrbahnbreite für uns brauchten.
Nach vielen einsamen Campingplätzen in den letzten beiden Wochen mußten wir in Reykjavik mit einem gut gefüllten Zeltplatz vorlieb nehmen. Der leckere Kabeljau, den wir von unserem netten Nachbarn mit auf die Reise bekommen hatten, tröstete uns ein wenig über die Situation hinweg.

21.08.
Auf ins Großstadtgetümmel. Mit Stadtplan und Reiseführer bewaffnet ging es am Morgen los. Als erstes besuchten wir die Hallgrimskirka. Von dem Aussichtsturm dieser imposanten Basaltkirche hat man einen hervorragenden Blick über Reykjavik. Anschließend hatten wir noch das Glück dem Organisten (Orgel aus dt Herstellung) beim Proben zuhören zu können. Vor der Kirche steht eine große Statur von Leif Eiriksson, dem eigentlichen Entdecker Amerikas. Eiriksson setzte schon fast 500 Jahre vor Christoph Kolumbus seine Füße auf den Amerikanischen Kontinent und ist auch als offizieller Entdecker Amerikas von den USA bestätigt worden. Nachdem wir dann auch die  „Flaniermeile“ Reykjaviks abgeschritten sind, machten wir Pause im Hard Rock Cafe.
Am Abend besuchten wir die Vulcano Show von Villi Knudson. Nach zwei sehr langatmigen Berichten über die Inseln Heimaey und Surtsey gab es einen sehr ausführlichen Heimatfilm über Island. Eine sehr gut gemachte Show mit tollen Aufnahmen von aktiven isländischen Vulkanen und vielen lustigen Livekommentaren von Villi Knudson. Allein den Typen Villi Knudson mal kennen gelernt zu haben, lohnte den Eintritt von 15,-DM.
Unser zweiter Großstadttag begann mal wieder mit schlechtem Wetter. Am Vormittag besuchten wir das Naturkundemuseum und am Nachmittag das Schwimmbad welches direkt neben unserem Zeltplatz lag. Nach ein paar Bahnen im großen Becken ging es dann in die Hot Pots. Dies sind kleine Becken in denen ca.10-12 Personen Platz finden. Die Wassertemperatur der Becken ist gestaffelt von 30°C bis fast 40° Grad. Danach gönnten wir uns noch ein Schlammbad und einen reinigenden Gang ins Dampfbad. Zum Glück hatten wir es nicht weit bis zum Zeltplatz, denn jetzt waren wir richtig k.o.

23.08
Früh brachen wir in südlicher Richtung zur Blauen Lagune auf. Die mineralreichen warmen Abwässer eines Kraftwerkes bilden mitten in einem Lavafeld diesen eigenartigen See, welcher als Freibad genutzt wird und in jedem Reiseführer und Islandkatalog abgebildet ist. In Sellfoss mußten wir noch mal unseren Proviant auffrischen ehe es weiter ging bis zum Skogafoss (Waldfall). In der Nähe des Skogafoss befindet sich ein einsamer (privater) Zeltplatz ebenfalls mit einem Wasserfall im Hintergrund. Die einzigen Mitbewohner waren ein paar Schafe, die ab und zu ins Zelt lugten. Ein Ausflug nach Porsmörk am Nachmittag scheiterte an den zu tiefen Furten; wir waren schließlich mit Motorrädern unterwegs und nicht mit den Kajaks… Der nächste Morgen begann mit Kaiserwetter. Gegen 9 Uhr war alles verstaut, gefrühstückt haben wir unterwegs auf einem der schönen Rastplätze. Hinter Hella ging es auf der 26 in nördlicher Richtung weiter. Nach ca. 40 km zweigt eine Piste in östlicher Richtung ab, die wiederum nach ca. 40 km auf die Piste F22 stößt. Dieser folgt man dann in östlicher Richtung bis Landmannalauger (=die heißen Quellen der Leute vom Land). Die Strecke nach Landmannalauger, egal ob aus West oder Ostrichtung kommend, und Landmannalaugar selbst, sind ein absolutes Highlight. Bevor wir aber unser Tagesziel endgültig erreichten galt es noch einen Fluß 2x zu furten, der direkt vor dem Zeltplatz lag. Im Falle eines Umfallers droht keine Erkältung, denn die Wassertemperatur beträgt ca. 25°C. Nachdem wir trocken das andere Ufer erreicht und das Zelt aufgebaut hatten, stand eine Wanderung auf die umliegenden Gipfel auf dem Programm. Während mir ein niedriger Gipfel schon ausreichte, suchte sich Corinna den höchsten aus und wurde mit einem grandiosen Rundumblick belohnt. Nach solch einer Anstrengung genehmigten wir uns noch ein heißes Bad in den Quellen und verspeisten anschließend noch unsere letzten Spaghettis. Alwin, ein befreundeter Motorradfahrer aus Wuppertal, den ich schon lange nicht mehr getroffen hatte, lief mir an diesem Abend über den Weg. Er war mit Freunden auf  Island unterwegs: die Welt ist halt klein.
Bei schönem Wetter verließen wir Landmannalaugar am Morgen in östlicher Richtung auf der F22. Auf den nächsten 35 km erwarteten uns ca. 15 Furten und die tiefste war direkt die erste am Zeltplatz. Zuschauer waren immer reichlich vorhanden, wenn Motorradfahrer durch den Fluß fuhren. Eine „Badengehszene“ haben wir jedoch nicht geboten. Die nächste 35 km waren landschaftlich und fahrtechnisch ein Hochgenuß. Immer wieder furten, fotografieren und staunen über tolle Landschaftsformen und Farben. Nach 3,5 Stunden hatten wir dann endlich die Ringstraße erreicht und machten in Kirkjubaerjarklaustur eine Pause. Die Wetterinfos prophezeiten sehr gutes Wetter und so machten wir uns dann weiter auf den Weg zum Skaftafell. Hier am Skaftafell gibt es einen Zeltplatz mit Blick auf den höchsten Berg Islands dem Hvannadalshnukur. Wir beschlossen am nächsten Tag einen Rundflug über den Vatanajökull zu buchen. Das Wetter sollte gut werden und ein Flugplatz liegt direkt gegenüber.

26.08
Es gießt in strömen. Gegen 9 Uhr bessert sich das Wetter und wir verlassen das Zelt. Der Rundflug fällt aus, da die Berge in einer dicken Nebelwand verschwunden sind; stattdessen werden die Wanderschuhe ausgepackt. Wir unternehmen eine 6 stündige Wanderung ins Skaftafell und werden immer wieder mit tollen Ausblicken auf Gletscher und  Sanderflächen belohnt. Ein absolutes Muß ist der „Bilderbuchwasserfall“ Svartifoss.
Unterwegs, in dem sehr sumpfigen Gelände, treffen wir auf eine Gruppe italienischer Bustouris: gutgekleidete Damen mit flachen Pumps und Herren mit Designerschuhen. Wir beobachten wie deren Schuhe des öfteren im Boden stecken blieben und konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen.

28.08.
Das angekündigte „bright weather“ läßt weiterhin auf sich warten und so müssen wir diesmal im Regen packen. Wieder auf der Ringstraße ist unser nächstes Ziel der Gletschersee Jökulsarlon. In diesem See treiben auch im Spätsommer noch große Eisberge, was bei schönem Wetter sehr fotogen aussehen soll. Als wir eintreffen ist es neblig  und die Temperatur liegt nahe dem Gefrierpunkt. Also schnell ein paar Nebelfotos gemacht und weiter geht es auf der Küstenstraße Richtung Osten. In Djupivogur landen wir auf einem Zeltplatz in der Nähe des Hafens. Für das schlechte Wetter entschädigte dann das leckere Abendessen. Es gab frischen Heilbutt und Lachsforelle. Bei sich nur sehr langsam besserndem Wetter, aber immer noch kalten Temperaturen fahren wir den „Rest“ der Ringstraße bis kurz vor Egilstadir. Hier finden wir einen sehr schön gelegenen Zeltplatz mit Whirl Pool. im Freien.

30.08
Unser letzter Tag auf Island: Bei wunderschönem Wetter unternahmen wir noch eine Tour Richtung Snaefell und kamen dabei an Islands dritthöchstem Wasserfall, dem Hengifoss, vorbei. Am Nachmittag konnte mich Corinna noch zu einem Reitausflug auf einem Islandpferd überreden. Mit einer Gruppe von ca. 10 Personen ging es über einsame Hochebenen ins Hinterland. Für mich war es der erste Ausflug auf dem Rücken eines Pferdes, was sich trotz meiner eleganten Haltung nicht leugnen ließ. Aber ein Islandpferd war für mich genau der richtige Einstieg ins Reitvergnügen: da nicht so hoch, fällt man auch nicht so tief. Weil ich nicht gerade den „Renner“ erwischt hatte, blieb mir ein Abwurf jedoch erspart. Spaß gemacht hat es allemal. Mit einem Bier im Hot Pot, welcher extra für uns nochmals gefüllt wurde, konnten wir unseren letzten Tag auf Island würdig abschließen und haben unsere drei Wochen Island Revue passieren lassen:

Die (ungewohnte) Ruhe auf Island hat uns sehr gut getan, das Motorradfahren hat viel Spaß gemacht, die Natur(schauspiele) waren einzigartig, die manchmal reserviert wirkenden, aber freundlichen Menschen werden uns im Gedächtnis bleiben – ein unvergeßlicher Urlaub, dessen Wiederholung wir ernsthaft geplant hatten, wenn da nicht die lange Überfahrt nebst evtl. Seekrankheit wäre…. Dennoch, wenn es nicht noch so viele andere lohnenswerte Reiseziel auf dieser Welt gäbe, wäre ich bestimmt zwischenzeitlich wieder da gewesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code