1983 Norwegen Bericht

08.06.1983
Abfahrt aus Remscheid gegen 12:00. Bis Flensburg ist das Wetter super, ab hier zieht es sich zu und es wird merklich kühler. Auf dänischer Seite mache ich mich so langsam auf die Suche nach einem Zeltplatz. In Vejle kann ich einen ausgeschilderten Platz nicht finden und gurke eine gute halbe Stunde kreuz und quer durch die Gegend. Fündig werde ich später in Hjöllund. Es ist ein sehr kleiner Platz, den ich für mich ganz alleine habe. In der Nacht gibt es mehrere kurze aber kräftige Schauer.
Widerwillig steige ich morgens aus dem warmen Schlafsack. Kurz nach 10 Uhr verlasse ich den Zeltplatz und komme viel zu früh in Hirtshals an. Hier darf ich noch 3 1/2 Stunden auf die Fähre warten. Ich nutze die Zeit um mir ein paar Kronen und etwas zu Essen zu besorgen. Das Schiff legt pünktlich um 16:00 Uhr ab. Ich lerne Jean Luc und Christian aus Paris kennen. Die Beiden  sind mit einer Gold Wing unterwegs und wollen innerhalb von 10 Tagen zum Nordkapp und wieder zurück, eine sportliche Leistung. Für die Beiden ist es die erste Seefahrt. Das Schiff schaukelt mittlerweile recht stark und die Beiden versuchen ihre aufkommende Seekrankheit mit reichlich Doosenbier wegzuspülen was im Endeffekt nicht funktioniert. Das Bier landet doch bei den Fischen. In Kristiansund fahren wir am Abend noch zusammen auf einen Zeltplatz. Nicht nur das die Beiden einen sportlichen Zeitplan haben, auch ihre Fahrerausrüstung ist sehr spartanisch. Lederstiefel, Jeans, Lederjacke und kein Regenzeug. Wir Frühstücken am Morgen noch zusammen ehe sich unsere Wege trennen. Von Kristiansund geht es über die 12 Richtung Harkeligrend, weiter auf der E76 bis Seljestadt und der 47 bis Brimnes. Hier ziehe ich mir das Regenzeug an, nicht weil es regnet, es ist saukalt geworden. Überall liegt noch Schnee und die Seen rundherum sind noch fast alle zugefroren. Die unbelüfteten und unbeleuchteten Tunnel verlangen viel Aufmerksamkeit. Immer wieder ragen dicke Steine durch den Asphalt oder es gilt tiefe Schlaglöcher zu umkurven. Vor Brimnes hätte es mich fast erwischt. Ich fahre auf der rechten Fahrspur, ziemlich weit links. Vor mir fährt noch ein anderer Motorradfahrer. Ein Norweger mit einem Peugeot will mich überholen, als er auf meiner Höhe ist kommt Gegenverkehr und er zieht einfach nach rechts in meine Gummikuh. Ich merke wie ich 2 mal einen kräftigen Ruck von der Seite bekomme und langsam Richtung Straßengraben gedrückt werde. An der nächsten Parkmöglichkeit halten wir an. Der Autofahrer schimpft auf mich ein wie ein Rohrspatz, warum auch immer, und macht sich dann vom Acker. Seine Beifahrerseite hatte 2 fette Beulen und ich lediglich ein paar Farbreste an den Fußrasten. Für heute hatte ich genug und suche mir einen Zeltplatz in Nordheimsund.
Auf dem Weg nach Bergen fängt es kräftig an zu regnen. In Bergen mache ich einen kurzen Fußmarsch über den Fischmarkt und gönne mir auch frisches Lachsbrötchen. An einer Tankstelle fährt mir ein Norweger beim Zurücksetzen mit seinem Wagen den Nebelscheinwerfer ab, der auf dem Sturzbügel montiert war. Er merkt es noch nicht einmal und fährt davon. Ich habe einige Mühe den Scheinwerfer wieder anzubringen. In den dunklen Tunneln leuchtet der Nebelscheinwerfer alles besser aus als das Fernlicht. Auf der 13 fahre ich Richtung Vors, eine wunderschöne Strecke. Weiter geht es Richtung Vangsnes. Diese Strecke hat  mir alles abverlangt. Es gibt Starkregen, Sturm, dicksten Nebel, extreme Steigungen und rechts und links der Straße türmen sich 3-4 Meter hohe Schneewände. In Vangsnes setze ich mit der Fähre über nach Dragsvik und fahre weiter über die 5 Richtung Moskog. Auch auf dieser Strecke geht es mehrere Kilometer duch freigefräste Schneetunnel. In Moskog biege ich ab auf die 14 und fahre bis nach Byrkjelo. Hier miete ich eine Hytte. Für 50 Kronen gibt es Heizung, E-Kocher, Kühlschrank und Licht.
Um 5:00Uhr werde ich das erste mal wach, schaue raus und leg mich wieder hin. Um 7:00 schaue ich ein zweites mal raus und freue mich über den Wetterwandel. Blauer Himmel, als wenn nichts gewesen wäre. Nach dem Frühstück geht es auf der 60 Richtung Stryn, weiter über die 15 bis Breidablik und von hier aus auf den 1500 Meter hohen Dalsnibba. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick über den Geirangerfjord und das umliegende Gebirge. Lange halte ich mich hier oben nicht auf. Es liegt noch überall Schnee und ist sehr kalt. Ich fahre runter an den Geirangerfjord und wärme mich bei einer Tasse Kaffee, mit Fjordblick, auf. Über die 15 fahre ich zurück bis nach Otta, von wo es dann auf der E6 bis nach Trondheim weiter geht. In Trondheim decke ich mich am nächsten Morgen mit Lebensmitteln ein bevor es auf der E6 weiter geht bis Mo I Rana. So langsam spürt man das die Landschaft immer dünner besiedelt ist. Ab Mosjoen verschlechtert sich das Wetter und ich spiele mit dem Gedanken mir wieder eine Hütte zu mieten. Ein landschaftlich sehr schön gelegener Zeltplatz verwirft dann aber den Hüttengedanken und ich werde weiterhin mit trockenem Wetter belohnt. Morgen geht es weiter über den Polarkreis Richtung Narvik. Heute ist der 7. Tag und ich bin bei tollem Bikerwetter sehr gut voran gekommen. Gute 600km habe ich heute zurückgelegt. Die Straßen hier oben im Norden sind fast noch besser als im Süden. Woran ich mich aber immer noch nicht so richtig gewöhnen kann ist die nicht sinkende Sonne. Es ist fast 24 Stunden taghell. Auf dem Nachbarplatz steht ein Zelt mit einem Motorradpärchen aus Dortmund. Die Beiden kommen von den Lofoten uns sind dort fast abgesoffen. Wir Quatschen noch etwas und leeren ein Bier bevor wir versuchen zu schlafen.
Auch heute Morgen meint es das Wetter wieder gut mit mir. Gegen Mittag treffe ich an der Ablegestelle der Fähre ein die mich nach Honningsvag bringt. Zusammen mit einem Goldwinggespann aus Freiburg nehmen ich die letzten Offroad Kilometer unter die Reifen. Nach kurzer Zeit erreichen wir das Nordkapp. Ein Felsplateau mit einem Restaurant und einer Welktkugel auf einem gemauerten Sockel, mehr gibt es erstmal nicht zu sehen. Ich lerne einige Wohnmobilisten kennen, Deutsche, Holländer, Schweizer und Italiener. Wir alle können von diesem Plateau fantastische Wolken und Nebelspiele bei tiefstehender Sonne beobachten. In sekundenschnelle wechseln die Naturbilder. Die dicken, tiefhängenden Wolken reichen gerade bis zur Oberkante des Plateaus und sehen aus wie ein riesiger Wattebausch. Zum Essen werde ich von den Italienern in das Wohnmobil eingeladen. Am Abend lerne ich noch Peter aus der Schweiz kennen, er ist mit einer alten offenen Kastenente unterwegs. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und sitzen noch bis in den frühen Morgen im geschlossenem Restaurant und Quatschen über Gott und die Welt. Nur einmal werden wir gestört als eine Ladung Touris am späten Abend mit dem Bus eintrifft und förmlich ausgespuckt wird. Alles ältere Leute die vollklkimatisiert das „Nordkapp gebucht“ hatten. Nach eine halben Stunde ist der ganze Spuk wieder vorbei. Peter lädt mich ein die Nacht bei ihm auf der Ladefläche zu verbringen. Es ist zwar saukalt aber dafür sternenklar. Im Keller des Restaurants gäbe es auch ein kostenloses Nachtquartier in einem Zimmer mit einigen Doppelstockbetten. Aber hier gibt es keinen Sternenhimmel und frische Luft fehlt auch. Die Nacht auf der Ladefläche war sehr interessant. Jeder Lagewechsel und jede Bewegung im Schlafsack wurde prompt mit Quitschen und Knarren der Ente quittiert.
Nach der Auftauphase, am Morgen, packen wir unsere Sachen zusammen und fahren zurück nach Honningsvag. Hier hatten wir uns mit dem Dortmunder Pärchen zum Frühstückstee auf dem Zeltplatz verabredet. Die Fähre bringt uns gegen Mittag zurück auf das Festland. Hier verabschieden wir uns alle voneinander und jeder fährt seines Weges. Ich fahre noch bis Alta, wo ich mir am Abend eine Hütte gönne. Das Wetter ist schlecht und ich habe noch die ungemütliche „Entennacht“in den Knochen.
In der letzten Nacht habe ich richtig gut geschlafen. Ich verlasse die Hütte recht früh und muß die Strecke bis Kautokeino im Regenkombi zurücklegen. Hier besorge ich mir ein paar Finmark bevor ich nach Finnland einreise. Die Straßen in Finnland sind ausgezeichnet aber dafür langweilig zu fahren. In Pello finde ich einen schönen Zeltplatz und werde hier beim Einkaufen das erste mal mit der finnischen Sprache in Wort und Schrift konfrontiert. Ein paar Französisch oder Englischkenntnisse nützen beim entziffern von Packungsinhalten im Supermarkt nix ! ! ! An der Tanke besorge ich noch einen Liter Motoröl, nach 5000km ist der erste Liter durch. Ich verschwinde am Abend früh ins Zelt, denn nur hier bin ich vor den Mücken sicher.
Nach dem Frühstück packe ich das Gerödel auf und mache mich auf den Weg. Über Rovaniemi und Tornio erreiche ich am Abend die schwedische Stadt Byske. Ich lande auf einem 3 Sterneplatz der mir garnicht gefällt aber ich hatte keine Lust mehr weiter zu  fahren. Ich mache mir 2 stramme Maxe zum Abendessen. Seit langem mal wieder etwas warmes zu Essen. Bei einem kurzen Motorradcheck stelle ich fest das die vorderen Radlager wieder etwas Spiel haben und das Profil des Hinterradreifens auch nicht mehr das Beste ist. Bis Remscheid wirds noch halten, ansonsten läuft die R60/7 wie ein Uhrwerk.
Ich fahre die nächsten 2 Tage die Richtung Stockholm. Auf einem Zeltplatz, in der Nähe von Varingfors, packe ich zum ersten mal meine kurze Hose aus. Es ist sommerlich warm und ich genieße das Bad im angrenzenden See.
Am nächsten Tag erreiche ich Stockholm. Dieses Großstadtgewusel mit 6 spurigen Straßen und dem ganzen Verkehr war so garnicht mein Ding und ich ergriff nach kurzer Zeit wieder die Flucht. Etwas außerhalb von Stockholm besichtigte ich noch das sehr schöne Wasserschloß Gripsholm. In Strängnäs lande ich auf einem sehr schönen Zeltplatz. Die Sonne brät und ich nutze das um ein paar Sachen zu Waschen. Der nächste Tag wird zum Faulenzen, Sonnen und Baden genutzt, das tut gut.
Nach dem Faulenzertag geht es über Örebro und Karlstadt, nördlich am Vänern See vorbei. In Mellerud lande ich wieder auf einem sehr schönen und gut durchorganisiertem Zeltplatz. Jetzt merkt man wieder das man in den Süden kommt. Im nördlichen teil Skandinaviens gibt es keine zugeteilten Stellplätze für Zelte oder Caravans, da stellt sich jeder dort hin wo er möchte. Hier im Süden ist wieder alles genau vorgeschrieben. Am Abend gibt es die letzte Dosensuppe.
Heute werde ich noch hier bleiben. Es ist Midsommernacht und am Abend wird groß gefeiert, das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Die Feier am Abend ist feuchtfröhlich. Die Kinder haben sehr viel Spaß beim Tanzen und Singen, die Jugendlichen und die meisten Erwachsenen lassen sich gnadenlos vollaufen. Die Einzigen die den Alkoholkonsum so einigermaßen im Griff haben sind die deutschen und holländischen Camper. Es wird trotzdem ein schöner langer Abend.
Nach einem ausgiebigem Frühstück in der Campingküche des Zeltplatzes mache ich mich gegen Mittag auf den Weg nach Göteborg. Hier besorge ich mir noch ein Ticket für die Rückfahrt nach Frederikshavn. Das Ticket kostet nur 45 Mark für Fahrer und Mopped und schont meine fast leere Urlaubskasse. Die Überfahrt verbringe ich ausschließlich auf dem Sonnendeck. I n Aalborg finde ich einen Zeltplatz für die Nacht. Am nächsten Tag fahre ich nach Lökken an der Westküste Dänemarks. Hier gibt es kilometerlange Sandstrände die auch mit dem Fahrzeug befahren werden dürfen. Als Kinder haben wir hier oft den Sommer verbracht. Auch mit dem Motorrad mache ich mir den Spaß und nehme die Strandstrecke leicht bekleidet in Angriff. Ich bleibe noch einen weiteren Tag hier und genieße das Strandleben. Es macht Spaß die vielen Surfer zu beobachten.
Am 27.6 ist es dann soweit. Ich muß den Rückweg in Angriff nehmen. Das Wetter ist kpl. umgeschlagen. Es ist kalt, windig und naß. Kurz vor der deutschen Grenze übernachte ich das letzte mal im Zelt. Auch am nächsten Morgen schifft es wie aus Kübeln aber was soll es, das nächste Bett ist trocken, warm und steht zu Hause.

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