40 km nördlich von Arica empfängt uns ein freundlicher chilenischer Grenzbeamter. Wir legen die obligatorischen Papiere vor, aber er will noch eins haben. Fragend schauen wir uns gegenseitig an, ob wir nun doch ein Carnet de Passage brauchen (Informationen in Deutschland widersprüchlich). Aber er hält uns ein anderes Stück Papier vor und erklärt uns, daß dies ein spezielles Dokument sei, welches nur hier (Arica - Tacna) notwendig sei. Man würde es in Arica auf dem Markt bekommen. Nachdem wir ihn ein wenig ungläubig angesehen haben, meinte er, wir sollen einen Moment warten, da die Taxifahrer üblicherweise welche dabei hätten. Und tatsächlich kam er nach 10 Minuten wieder mit der freundlichen Aufforderung dies Dokument pro Motorrad in 4facher Durchschrift (Kohlepapier hatte er aber leider nicht) auszufüllen. Eine Durchschrift behielt die chilenische Grenze. An der peruanischen benötigten die anderen drei dann jeweils 6 Stempel bevor wir nach Tacna weiter fahren konnten.
Dort fragte Corinna einen Passanten nach der Möglichkeit Geld zu tauschen. Es wurde jemand herbeigerufen, der sich als "authorisierter" Geldwechsler auswies (!?!) und uns neben dem üblichen Wortschwall und Fragen "de donde vienen?" "de donde van?" gegen Dollar Pesos gab. Als Corinna währenddessen den Helm abnahm, stoppte der Wortschwall für mehrere Sekunden - entweder staunte er ob der Tatsache mit einer Frau gesprochen zu haben oder einfach nur ob der langen blonden Haare...
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Eine "Höhenakklimatisationsnacht" und einen Pass mit 4.955
m später liegt er dann vor uns: der TITICACASEE. Grün und blau schimmert
er in der Sonne gegen den blauen Himmel - im Prinzip ein See wie andere auch,
aber auf rd. 3.800 m gelegen ist er der höchste beschiffbare See der
Erde und der nördlichste Punkt unserer Reise.
Den See teilen sich die Länder Peru und Bolivien zu fast gleichen Teilen.
Wir fahren nach Puno (Peru) am westlichen
Ufer des Sees und nehmen das Hotel, was uns ein Mann auf der Strasse empfiehlt:
sein eigenes. Einfach aber sauber und mit einem Stellplatz für die Motorräder
im Hof. ![]()
Die Stadt ist voll von Menschen, Karren, hupenden Autos und Ständen.
Die Märkte erinnern uns an Marokko: bunt, aufgeteilt nach Bereichen und
mit einem absoluten Überangebot von Gemüse und Obst. Hinter den
Ständen sitzen Frauen in ihrer bunten Tracht, die Kinder spielen in Sichtweite
und betrachten uns mit ihren schwarzen Augen mit einer Mischung aus
Neugier
und Angst. Wir wissen nicht nur, dass wir Fremde sind, sondern fühlen
uns hier auch so: das Land ist anders, fremd. Es ist interessant, aber hier
gehört man als Europäer nicht hin.
Bei meiner Twin hatte ca. 50 km vor Puno der Spannungsregler das Zeitliche
gesegnet (Ersatz war mitgenommen) und die 30 Ampere Hauptsicherung hatte ich
bei der Demontage des Reglers zerschossen. Also läuft Corinna morgens
los um eine solche zu bekommen. Die "Branchen"-Aufteilung erleichtert
die Suche, da sich alle Geschäfte/Stände in einer Strasse befinden.
Zwar nicht ganz offensichtlich, aber irgendwo hinten im Laden scheint es alles
zu geben, was man so braucht, also kommt sie nach einer halben Stunde erfolgreich
mit Sicherung, Kabelschuhen und einem neuen Benzinfilter wieder. Letzterer
gleicht zwar mehr einem Danone-Joghurtbecher, aber er passt und tut seinen
Dienst auf dem Rest der Reise.
Wir besuchen die schwimmenden "Uros"-Inseln.
Die
Insel selbst, wie auch die Hütten auf den Inseln sind komplett aus Schilf,
welches den Titicacasee am Ufer säumt. Die eigentlichen Ureinwohner sind
irgendwann in den 50er Jahren ausgestorben, aber Aymara-Indianer haben die
Tradition übernommen,
wenn
auch manchmal nur der Touristen wegen. Dennoch ist es ein Erlebnis im Gegensatz
zu der quirligen und lauten Stadt hier die Ruhe der Menschen und die Stille
auf dem See zu genießen.
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