Route:
Von Santiago aus gen Norden, teilweise entlang der Küste, Atacama Wüste,
Titicacasee peruanische und bolivianische Seite, La Paz, Salar de Uyuni fiel
wegen Regenfällen aus, deshalb wieder nach Chile.
Zurück Richtung Süden. Von Valparaiso Richtung chilenisches Seengebiet.
Östlich von Temuco nach Argentinien in das dortige Seengebiet. Von Bariloche
nach Puerto Aisen (Chile). Mit dem Schiff auf die Isla Chiloe. Von Purto Montt
durchs chilenische Seengebiet und östlich von Los Angeles zurück
nach Argentinien Richtung Mendoza. Von dort zurück nach Santiago.


Ankunft am 16.11.2003
Die Rückfahrt mit den Motorrädern zum Hotel war die "erste Probe" für uns: Ich hatte aus meinem Tank zuviel Sprit abgelassen und blieb prompt nach einigen km auf der Stadtautobahn liegen. Corinna besorgte mit zwei Reservekanistern 10L Sprit und fand mich im Straßendschungel tatsächlich wieder.
Am Morgen des 18.11. saßen wir dann auf den gepackten
Motorrädern, endlich ging es los.
Gegen Mittag genossen wir in dem Küstendorf Los Vilos erstmals eines
der vielen leckeren Fischgerichte in einem Strandlokal. Reineta und Corvina
sollten unsere Favoriten während der Reise werden.
Unsere erste Nacht verbrachten wir am Strand in der Nähe von Tongoy.
Morgens hingen dicke Wolken am Himmel, die in unseren Regionen den Griff
zum Regenzeug auslösen würden, aber hier an der chilenischen Küste
ist das ein ganz normales "Phänomen". Aufgrund der kalten
Meeresströmung und den naheliegenden Gebirgszügen der Anden bilden
sich jeden Morgen diese dicken Wolken, die sich aber spätestens zur
Mittagszeit wieder völlig aufgelöst haben. Eigentlich eine ganz
praktische Sache denn so brät nicht schon um 8 Uhr die Sonne ins Zelt.
Von La Serena aus fuhren wir ostwärts Richtung Valle d'Elqui.
Dieses
wasserführende Tal ist vom Anfang bis zum Ende komplett begrünt.
Es werden überwiegend Wein und Oliven angebaut. Am Ende des Tals liegt
der Ort Pisco der nach dem chilenischen Nationalgetränk, einem hochprozentigen
Schnaps, benannt wurde. Wir fanden einen wunderschönen Zeltplatz mit
Swimming Pool und spätabends kamen wir mit dem Gärtner dieser
Anlage ins Gespräch. Es dauerte nicht lange und er holte eine Flasche
echten Pisco aus seinem Wagen und ließ uns reichlich davon kosten.
Der wunderschöne Sternenhimmel war nun noch schöner, auch wenn
sich manche Sterne nicht mehr scharf stellen ließen.
Mit leichtem Bollerkopf ging's zurück nach La Serena und 80km weiter
nördlich über eine zum Teil sehr sandige Piste in das kleine Fischerdorf
Punto Choros um mit einem kleinen Boot einen Ausflug zu den vorgelagerten
Inseln mit Seelöwen, Pinguinen und Pelikanen zu machen. Es ist schon
faszinierend diese Tiere mal live in freier Natur sehen zu können:
die an Land etwas tolpatschig wirkenden Pinguine, die verspielten Seehunde
und die Pelikane als Fischfang- und Segelkünstler. ![]()
Nach dem Törn sind wir groggi und quartiern uns auf dem ziemlich miesen
Zeltplatz des Dorfes ein. Morgens kurz vor sieben werden wir von Kreissägen
und anderen Baumaschinen geweckt, so daß wir bereits um acht auf den
Motorrädern sitzen.
Über Copiapo und Chanaral fahren wir bis nach Potrerillos.
Hier gibt es auf 2.800m Höhe die letzte Tankmöglichkeit vor dem
ca. 230km entfernten Paso de San Francisco. Wir haben 3 Tage für diese
Pistentour eingeplant. Bis auf einige Wellblechetappen, die wieder für
etwas Platz in den Koffern sorgen, ist die Piste in sehr gutem Zustand.
Auf einer Höhe von 3.500m, nach ca. 120km, richten wir unser erstes
Camp ein. Wir hätten noch weiter fahren können aber wir wollten
uns an die Höhe akklimatisieren. In einigen Reiseberichten hatte ich
gelesen wie man sich fühlen kann wenn man das nicht tut...
An unserem Camp fließt eine kleiner Gebirgsbach mit klarem Wasser
vorbei, aus dem ich mit dem Wasserfilter noch etwas Trinkwasser bereite.
In diesen extrem trockenen Gebieten wird der Flüssigkeitsbedarf des
eigenen Körpers oft unterschätzt. Man muß nicht klitschnass
durchgeschwitzt sein um hier einige Liter an Flüssigkeit zu verlieren.
Am nächsten Tag fahren wir weiter bis zur Laguna Verde die einige km
vor dem Paso de San Franzisco liegt.
Zum
ersten mal sehen wir live einen dieser wunderschon grün schillernden
Seen. Direkt am See und neben einer kleinen Holzbaracke, in der sich ein
kleines Thermalbecken befindet, schlagen wir unser Camp auf. Die Höhe
von fast 4.700m macht mir schon ganz schön zu schaffen. Einmal zu schnell
aus der Hocke nach oben gekommen sehe ich den "tollsten Sternenhimmel"
vor meinen Augen. Corinna hat zwar weniger Probleme, aber wir lassen nun
alles sehr langsam angehen.
Nach einem Bad im warmen Thermalwasser und nachdem der Benzinkocher seine
unwillige Phase von fast 5 Minuten überwunden hatte, bereiten wir uns
ein leckeres Abendessen und verschwinden dann in die Schlafsäcke. Draussen
ist es sehr windig und auch nicht gerade warm.
In der Nacht haben wir fast kein Auge zubekommen, obwohl wir ziemlich geschafft
waren; aber das sind wohl die Tücken der dünnen Luft. Die Weiterfahrt
auf den Pass haben wir uns geschenkt, da wir beide mittlerweile doch etwas
unter der dünnen Luft litten.
Weil ich keine Strecke gerne 2 mal fahre, dachte ich am Anfang, daß
sich die Rückfahrt langweilig gestalten würde; aber weit gefehlt.
Die Landschaft präsentierte sich in einem völlig anderen Licht
und ich hätte die Strecke wahrscheinlich kaum wiedererkannt, wenn ich
nicht gewußt hätte, daß ich Tags zuvor hier schon mal langgefahren
wäre. ![]()
Am Rastplatz des Vortags filterte ich nochmal ein paar Liter Wasser und
wir betankten Corinnas AT aus den Reservekanistern die ich an meine AT montiert
hatte.
Über Diego de Amagro fuhren wir bis Chanaral an die Küste. Hier
hofften wir in Strandnähe ein hübsches Fischrestaurant zu finden,
aber die Stadt entpuppte sich als reine Industriestadt an der wir nichts
hübsches entdecken konnten.
Also ging es mit frischen Vorräten in den nur 30km weiter und direkt
am Meer liegenden Nationalpark Pan de Azucar.
Hier hat es uns so gut gefallen, daß wir gleich 3 Nächte an diesem
idyllischen Plätzchen verbrachten. Wir genossen die Sonne, den Strand,
die Ruhe und den leckeren Fisch, den es in dem kleinen Fischlokal im Dorf
gab.
Wir nahmen schweren Herzens Abschied von diesem Ort und fuhren weiter Richtung
Antofagasta, 350km langweilige PanAm.
In Antofagsta nahmen wir das Hotel St.Martin, nichts dolles aber einigermaßen
sauber und mit einem abgeschlossenen Platz für die Motorräder.
Abends im Pub lernten wir Hans & Petra aus Bad Tölz kennen. Wir
haben viel miteinander gequatscht und getrunken, obwohl es nicht immer einfach
war Hans sein "Deutsch" zu verstehen.
Nach gemütlichem Aufstehen geht es weiter nach
San Pedro de Atacama. San Pedro ist ein kleines Dorf, das fast nur vom Tourismus
lebt, aber dennoch etwas von seinem ursprünglichen Charme behalten
hat. ![]()
Unsere Unterkunft fanden wir in der "Casa Adobe". Wir wunderten
uns über die hohe Zahl an Sicherheitskräften im Dorf und erfuhren
später, daß Stephanie von Monaco hier einen Tag in einem Luxushotel
verbrachte.
Wir verbrachten 5 Nächte in San Pedro und unternahmen mehrere Ausflüge
in die Umgebung:
Die Laguna Chaxa im Salar de Atacama war unser erstes Ziel. Hier gibt es
ein paar Flamingos und halt viel Salz zu sehen. Wir wurden auf abgesteckten
Wegen durch ein relativ kleines Areal geschleust und waren darüber
doch etwas enttäuscht. Durch die enorme Hitze und meine Darmprobleme,
die ich seit dem gestrigen Tag hatte, war ich etwas geschlaucht und Corinna
hatte Mühe mich zur Weiterfahrt zu überreden. Zum Glück hat
sie es geschafft. Die Felsmalereien in Peine haben uns zwar nicht vom Hocker
gerissen, aber die - über eine zum Schluß ziemlich miese Piste
- zu erreichenden und in 4.300m liegenden Laguna Miscanti und Laguna Miniques
waren ein Traum: unmittelbar nebeneinander liegende, tiefblaue Seen inmitten
karger Gebirgslandschaft.
Nach 300 km merkte ich dann doch mein durchgesessenes Hinterteil und ließ
dieses dann in der Hängematte vor unserem Zimmer etwas "abhängen".
![]()
Für den nächsten Tag standen die El Tatio Geysire auf dem Programm.
Um die volle Schönheit dieses Naturschauspiels genießen zu können
muß man bereits um 6 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, dort sein. Wir buchten
eine Tour mit einem Kleinbus, da wir keine Lust hatten bei Dunkelheit selbst
zu fahren.
Nach 2 Std. Fahrt stiegen wir bei 10 Grad Minus aus dem Kleinbus und waren
froh die dicken Moppedklamotten inkl. Wollmütze an zu haben. Das eigentliche
Schauspiel beginnt dann mit dem Sonnenaufgang: Die Dampfwolken der vielen
kleinen Geysire werden angestrahlt und es bieten sich fantastische Fotomotive.
1 Stunde später ist alles vorbei, denn der Boden hat sich von der Sonne
soweit erwärmt, so daß kaum noch ein Rauchwölkchen aus den
Erdlöchern steigt. Die Geysire sind dann nur noch akustisch in Form
von Blubbern und Zischen wahrnehmbar. ![]()
Abends treffen wir unseren morgendlichen Guide Edison wieder und laden ihn
zum Essen ein. Es wird ein schöner Abend und wir erfahren etwas über
Land und Leute in Chile.
Am kommenden Tag lasse ich meinen gebrochenen Gepäckträger schweißen
und den Rest des Tages verbringen wir mit Faulenzen und einem Museumsbesuch.
Heute, am 2.12.03, haben wir wieder komplett aufgerödelt,
denn wir wollen nach Bolivien zur Laguna Verde und zur Laguna Colorada.
Beide Seen sind bekannt für ihr Farbschauspiel: je nach Sonneneinstrahlung
verändern sich wegen der Algen im Wasser die Farben der Seen. Die Laguna
Verde wird grün und die Laguna Colorado rot.
Wir fahren über einen 4.600 Meter hohen Paß ehe wir die Bolivianische
Grenzstation erreichen. Die Piste zur Laguna Verde ist stellenweise sehr
sandig und verspurt. Ich habe Spaß, während Corinna mit ihrer
Twin schwer zu kämpfen hat, einige mal "Bodenkontakt" aufnimmt
und ernsthaft an ihren Fahrkünsten zweifelt. Wir erreichen die Laguna
Verde, aber beschließen die Laguna Colorada zu streichen; wir wollen
die Gefahr ja nicht herausfordern zumal wir uns nicht auf der A1 befinden,
wo jederzeit mit Hilfe zu rechnen ist. Ausserdem müssen wir uns
nichts
mehr "beweisen". Ich fahre mit meiner Twin noch ein bißchen
an der Laguna Verde herum um ein paar Fotos von dem mittlerweile fast kpl.
grün eingefärbtem Wasser zu machen, bevor wir wieder nach San
Pedro zurückfahren. Wir nisten uns wieder in der Casa Adobe ein und
bekommen das gleiche Zimmer, das wir erst morgens verlassen hatten.
Am nächsten Morgen klingelt um 7 Uhr der Wecker, denn wir wollen uns
um 10 Uhr in Chuquicamata den größten Kupfertagebau der Welt
ansehen. Wir waren pünktlich, aber die Führung begann erst um
14 Uhr. Das sind halt die kleinen Unterschiede zwischen Reiseführer
und Realität.
Die Führung war sehr interessant. Die staatliche Minengesellschaft
Codelco fördert hier seit Jahrzehnten das Erz und hat ein Riesenloch
gebuddelt: 2 x3 km und 850m tief! Das Erz wird von monströsen LKW's
aus dem Loch transportiert. Die Reifen der neusten Wagen haben einen Durchmesser
bis zu 4 Metern zu einem Preis von 15.000$ pro Reifen. Die LKW's können
400!! Tonnen laden. Selbst wenn man sich jetzt die Größe eines
hiesigen 40 Tonners vor Augen hält läßt sich die Größe
dieser Monster kaum erahnen. ![]()
Die Kehrseite der Medaille ist die ernorme Umweltverschmutzung. Das Trinkwasser
der gesamten Region ist bereits Arsenverseucht und ungenießbar. Dieser
Punkt wurde natürlich in der Führung nicht erwähnt, sondern
immer nur auf die sozialen und wohltätigen Ausgaben des Konzerns hingewiesen.
Abends fanden wir etwas nördlich von Tocopilla ein romantisches Plätzchen
an der Küste. Wir ließen das Moskitonetz vom Zelt wegen der Hitze
etwas offen und bekamen prompt Besuch: Eine kleine Echse krabbelte irgendwann
in der Nacht über meinen Hals und verschwand erst am Morgen kurz vor
dem Aufstehen.
Auf der Routa 1 fuhren wir an der Küste entlang bis Iquique. Dort lernten
wir den Präsi des dortigen Motorradclubs kennen, der uns ein Hotel
vermittelte und in seiner mit Harleys und alten Autos gefüllten Garage
unsere Motorräder übernachten ließ.
An der nächtlichen Ausfahrt mit dem Motorradclub nahmen wir nicht teil,
weil wir einfach zu müde waren und das ganze mit Sicherheit in einem
Gelage geändet hätte.
Die Strecke von Iquique nach Arica war landschaftlich mal wieder etwas abwechslungsreicher.
Ca 40km vor und hinter Cuya blicken wir auf riesige begrünte Täler.
Wie jede größere Stadt kündigte sich auch Arica schon etliche
km vor der Stadtgrenze durch riesige Werbetafeln an.
In Arica kamen wir in dem Hotel Marie Jean & David unter. Arica hat
uns von allen Städten mit am besten gefallen: Südländisches
Flair, Strände, Fußgängerzonen, Cafes, Eisdielen mit superleckerem
Eis und vielen gemütlichen Restaurants mit ausgezeichneten Fischgerichten.
Im Hafen von Arica kann man Seelöwen und Pelikane beobachten, die einem
fast aus der Hand fressen.
Am 2. Tag in Arica stand etwas Kultur auf dem Programm. Wir besuchten das
Archäologische Museum und schauten uns die in der Umgebung zahlreich
vorkommenden Geoglyphen an. Das sind riesige aus Steinen gelegte Symbole
und Zeichen an den
Berghängen.
Arica hat auch einen "Hausberg", den Moro, von dem man einen ausgezeichneten
Überblick über die ganze Stadt hat. Etwas außerhalb von
Arica entdeckten wir dann ein schönes Plätzchen am Strand, welches
wir uns für die Rückfahrt von Peru/Bolivien für unser Zelt
vormerkten.
Weiterfahrt nach