Südfrankreich - Nordspanien 2010
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Mittwoch 25.08
Als wir nachmittags in Düsseldorf ankommen, sind wir überrascht,
wie viele Motorradfahrer auf den Autoreisezug warten. Es stehen fast
30 Motorräder zum Verladen bereit.
Unsere "Mitbewohner" im Abteil sind mal wieder sehr nett
und wir halten so manches Schwätzchen. Trotz schöner Musik
aus meinem MP3 Player kann ich in der Nacht kaum schlafen.
Donnerstag 26.08
Narbonne-Lezignan-Lagrasse-St-Pierre-Montjoi-Arques-Couiza-Quillan-Coudons-Belcaire-Prades
Kurz nach 10 Uhr laufen wir in Narbonne ein. Das Thermometer zeigt
schon 27 Grad an. Wir verlassen ziemlich schnell Narbonne. Ein kurzer
Stopp an einer Boulangerie, ein leckeres Baguette und ein süßes
Teilchen wandern noch in die Packtasche. Über kleine Nebenstrecken
geht es in südwestliche Richtung.
Am Col de la Loubiere (599 m) machen wir unsere Mittagspause. Die
Temperatur steigt immer weiter. Gegen 14 Uhr zeigt das Thermometer
knapp 37 Grad an, das fahren macht kaum noch Spaß. In Couiza
kaufen wir in einem klimatisiertem Supermarkt noch ein paar Sachen
für's Abendessen ein. Der Inhalt des 5 Liter Wasserkanisters
verschwindet, bis auf einen Liter, in unseren Trinkrucksäcken
die mittlerweile leer sind. Den restlichen Liter schütten wir
zur Kühlung über unsere Köpfe und in die Lüftungsschlitze
der Motorradkleidung. Sabines Kreislauf, von der Hitze gebeutelt,
kommt so langsam wieder in den grünen Bereich. Bevor wir unseren
Zeltplatz, kurz hinter Prade, erreichen bleibt Sabines Twin noch 3
mal mit Spritmangelerscheinung liegen. Beim ersten mal den Unterdruckschlauch
erneuert, ohne Erfolg. Beim zweiten mal die Tankentlüftung gereinigt,
ohne Erfolg. Nach dem 3.mal steuern wir einen Zeltplatz an um hier
in Ruhe auf Fehlersuche gehen zu können. Hier noch mal alles
geprüft aber keinen Fehler gefunden. Benzinfilter ist frei, die
Pumpe pumpt, die Tankentlüftung ist frei, die Vergaserentlüftung
ist frei. Alles wieder zusammengebaut und schauen was morgen passiert.
Bei meiner Twin ist dann noch der vordere Kotflügel abgefallen
nachdem ich diesen ganz leicht berührt hatte. Der Urlaub fängt
ja toll an denke ich mir und begieße das erstmal mit 2 Bierchen.
Mittlerweile hat Sabine das Essen fertig und die Flasche Wein ist
auch schon auf. Es hat sich ein wenig zugezogen und es weht ein angenehmer
Wind.
Freitag 27.08
Ax le Therme-Tarascon-Vicdessos-Massat-Oust-Castillon-St.Beat-Bagneres
de Luchon-Garin
Auf dem Zeltplatz herrschte die ganze Nacht über eine herrliche
Ruhe, bis wir am frühen Morgen vom Bimmeln der Kuhglocken geweckt
werden. Die Temperaturen sind heute wesentlich erträglicher als
am Vortag. Wir fahren den ganzen Tag in westliche Richtung über
sehr kleine, extrem kurvenreiche, Sträßchen. Nach ca. 100
km bleibt Sabines Twin wieder mangels Spritzufuhr liegen. Ich wundere
mich, dass immer wieder Luft im Benzinfilter ist. Auf des Rätsels
Lösung komme ich während ich beim Fahren so über das
Problem nachdenke. Benzin hat einen sehr niedrigen Siedepunkt. Die
hohen Temperaturen und ein ungünstig verlegter Benzinschlauch
sorgen dafür, dass die entstehenden Luftbläschen nicht in
Richtung Tank entweichen können. Ich verlege den Benzinschlauch
neu und verfrachte die Benzinpumpe mittels Kabelbinder an eine günstigere
Stelle und das Problem trat von nun an nicht mehr auf. Gegen 17:30
steuern wir einem kleinen Zeltplatz in Garin an. Pünktlich nach
dem Zeltaufbau und einem leckeren Essen fängt es an zu regnen.
Samstag 28.08
St.Lary Saulan-Bielsa-Valle
de Pineta-Escalona-Fahrt am Rio Vellos-Sarvise-Biescas-Jaca-Tiermas
Am Morgen ist es noch recht nebelig und mit 14 Grad angenehm kühl.
Das Zelt kriegen wir an diesem Tag nicht trocken eingepackt. Über
eine sehr kurvenreiche Nebenstrecke gelangen wir auf die Hauptstraße
die uns nach Spanien führt. Dem Tip des Platzwartes haben wir
es zu verdanken das wir noch in das Valle de Pinta fahren. Am Ende
des Tals hat man eine grandiose Aussicht auf den Monte Perdido und
auch die Möglichkeit sich in den Fluten des kalten Gletscherbaches
abzukühlen.
Hinter Escalone biegen wir nach Westen ab um dem Rio Vellos zu folgen.
Eine einspurige, absolut traumhafte Strecke durch die Canyons des
Rio Vellos. Ich habe selten eine landschaftlich so tolle Strecke befahren.
Rechts der Fahrbahn geht es senkrecht bergab und links senkrecht nach
oben. Teilweise konnte man keinen Himmel mehr sehen, so eng und zugewachsen
ist es in diesem Tal. Die Strecke nimmt viel Zeit in Anspruch, immer
wieder halten zum fotografieren an. Wir verlassen so langsam die höheren
Bergregionen und es wird recht flach und öde. In Jaca kaufen
wir noch etwas ein bevor wir in Tiermas, direkt an einem großen
See, unser Zelt aufschlagen. Es ist zum Glück sehr windig, was
die die Sonne nicht so brennen lässt. Zum Kochen haben wir keine
Lust mehr. Wir werden mal das Restaurant auf dem Zeltplatz testen.
Sonntag 29.09
Lumbier (Geierschlucht) -Navascues-Ezcaroz-Garralda-Zubiri-Irurita-Ezkurra-Hernani-San
Sebastian
Das Essen am gestrigen Abend war sehr gut. Für 12 Euro pro Person
bekamen wir ein sehr gutes und reichhaltiges Menü incl. Hauswein.
Wir lernen noch einen holländischen Radfahrer kennen, der auf
dem Weg nach Santiago de Compostella ist. Er erzählte, dass die
ganze Pilgertour, je näher man dem Ziel kommt, nur noch eine
einzige Abzocke ist. Jeder will sich einen Teil vom „Pilgerkuchen“
abschneiden. Zum Ende der Tour muss man sogar für den Besuch
in der Kirche Eintritt bezahlen. Wir fahren nach dem Frühstück
zur Foz
de Lumbier (Gänsegeierschlucht) und sind dort ein paar Meter
gewandert. Anschließend geht es wieder über kleine Nebenstrecken
mit unendlich vielen Kurven Richtung San Sebastian. Auf dem Zeltplatz
in San Sebastian bekommen wir die kleinste Zeltparzelle zugeteilt,
die es auf diesem Planeten gibt. Bei Ankunft an der Rezeption wurden
wir sofort gemustert und als Motorradfahrer mit (sehr kleinem Zelt)
Zelt eingestuft. Surfer scheinen aber noch hinter Bikern zu rangieren,
denn die bekamen einen Platz direkt am Klohaus. Nach dem Zeltaufbau
fahren wir mit dem Bus nach San
Sebastian und wandern dort noch ein paar Stunden durch die Gassen
der Stadt.
Montag 30.09
nach Bilbao
Auf Umwegen geht es Richtung Bilbao. Ca.30 km vor Bilbao erwischt
es mich bzw. meinen Hinterradreifen mal wieder, Plattfuß. Zum
Glück hat der Reifen nicht schon vor einer halben Stunde schlapp
gemacht denn da waren wir gerade auf einer richtigen „Heizerstrecke“
unterwegs. Eine ganze Horde spanischer Freddie Spencers, nicht schnell
aber laut, habe ich versucht mit meiner voll bepackten Twin um die
Kurven zu scheuchen. Leider zeigen mir meine Alukisten immer wieder
die Schräglagengrenze auf. Nach erfolgreicher Reifenreparatur
geht es dann weiter Richtung Bilbao. Ein ziemliches Verkehrschaos
begrüßt uns in Bilbao, die Beschilderung ist auch nicht
gerade der Hit. Zum Glück sieht Sabine nach einiger Zeit das
Schild, welches uns zur Jugendherberge führt. Dort angekommen
ist es kein Problem ein Doppelzimmer für 2 Nächte zu bekommen.
Am Abend fahren wir noch mit der Tram in die Stadt. Etwas trostlos
endet die Aktion noch etwas zu Essen zu bekommen, die meisten Bars
und Restaurants haben schon geschlossen.
Dienstag 31.09
in Bilbao
Nach dem Frühstück krosen wir noch etwas rum und machen
uns anschließend wieder auf den Weg zur Tram. Die Fahrpreise
für öffentliche Verkehrsmittel sind extrem billig. Eine
einfache Fahrt in die City kostet ca. 60 Cent, dafür darf ich
in Deutschland sicher nicht einmal einen Fuß in die Bahn setzen.
Unser erstes Ziel ist das Guggenheim
Museum, ein fantastisches Gebäude. Wir fotografieren und
bestaunen es von allen Seiten, am Morgen wie auch am Abend. Es gibt
viele Parks und Grünanlagen mit bunten Blumen und Springbrunnen
zu besichtigen. Einen Ascensor (Schrägaufzug) benutzen wir um
auf den Hausberg von Bilbao zu kommen. Von hier oben hat man einen
herrlichen Überblick über die gesamte Stadt. Nach gut 10
Stunden Fußmarsch durch Bilbao geht es am Abend wieder zurück
in die Jugendherberge.
Frühstück gibt es zw. 8:00 und 9:00 Uhr, das Zimmer muss
bis 9:30 geräumt sein, das heißt für uns den Wecker
zu stellen.
Mittwoch 01.09.
Bilbao-Portugalete-Santillana del Mar
Von der Herberge aus steuern wir die Schwebefähre
in Portugalete an. Ein Bauwerk das als Weltkulturerbe der Unesco
anerkannt ist. Weiter geht es wieder über wunderschöne kleine
Nebenstraßen ins Landesinnere. Am frühen Abend erreichen
wir die Höhlen von Altamira.
Wir haben Glück und können noch an der letzten Führung
des Tages durch die nachgebaute Höhlenanlage teilnehmen. In Santillana
del Mar, einem reinen Touristenort, finden wir einen schönen
Zeltplatz. Nach dem Zeltaufbau und einer heißen Dusche schlendern
wir noch ins Dorf. Der Magen knurrt und wir suchen ein schönes
Lokal, Auswahl gibt es hier genug. Das Essen ist ok aber auch nicht
mehr und dem ganzen Servicepersonal ist anzumerken das es nach einer
langen Saison keinen Bock mehr hat.
Donnerstag 02.09.
Santilliana del Mar-Picos
de Europa
Am Morgen wandern wir noch mal mit Fotoapparat ins Dorf um ein paar
Aufnahmen zu machen. Nach dem Frühstück ist alles wieder
schnell verstaut. Wir steuern die Küste an, da das Hinterland
noch wolkenverhangen ist. Nach ca. 40 langweiligen Küstenkilometern
biegen wir dann doch ins Landesinnere ab. Eine gute Entscheidung,
wie sich herausstellt. Das Wetter wird immer besser und wir erreichen
zum frühen Abend den Zeltplatz in Fuente De, einem herrlichen
Plätzchen im Herzen der Picos . Mit der Seilbahn fahren wir noch
am Abend auf den Berg. Von hier oben genießen wir, bei langsam
untergehender Sonne, einen fantastischen Blick auf und über die
Picos.
Mit der letzten Gondel geht es wieder abwärts in das Tal.
Freitag 03.09
Auf Grund der Höhe war die letzte Nacht wieder angenehm kühl.
Zum Frühstück gibt es frisches Pane Integrale und ein paar
gekochte Eier. Es geht weiter Richtung Süden, vorbei an einem
großen türkisfarbenen Stausee. Die Temperaturen steigen
an diesem Tag wieder auf über 30 Grad. Zu unserer Mittagspause
hat Sabine, im vorbeifahren, ein schönes Plätzchen an einem
Fluss gefunden. Eigentlich war für den kommenden Tag Wandern
angesagt aber die Strecke die wir wandern wollten sind wir heute schon
mit dem Motorrad abgefahren und hat uns nicht sonderlich gefallen.
Wat'n Pech. In Posada, dem Eingangsort zur Schlucht, kaufen wir noch
etwas für den Abend ein. Den auf der Landkarte eingezeichneten
Zeltplatz müssen wir ein bisschen suchen, er liegt etwas abseits
der Strecke und ist schlecht beschildert (Camp09). An der Rezeption
können wir noch das letzte Brot fürs Frühstück
ergattern. Es ist 21:30 und wir verkrümeln uns in die warmen
Schlafsäcke da es mittlerweile doch sehr frisch geworden ist.
Samstag 04.09
Sante Maria de Valdeon (am Rio Cares) - Buron- Puerto de Tarna-Puebla
de Lillo-San Isidro-Pola de Lena-(durchs Bärental)La Plaza-La
Rierra-Belmonte de Miranda-La Barca-Tebongo-Pola de Allande-Santiellos-El
Rebollo-Arbon (Camp10)
Die Nacht war recht kühl und wir kriechen erst beim Eindringen
der ersten Sonnenstrahlen aus den Federn. Erst gegen 11:00 verlassen
wir den Platz. Über Cabanaquinta geht es weiter Richtung Pola.
In Pola ist Markttag und wir kaufen noch ein paar frische Sachen fürs
Abendessen ein. Der Abzweig nach Caranga, in westliche Richtung, ist
schwierig zu finden, da gar nicht ausgeschildert. Es ist wirklich
ein Traum, die auf der Michelinkarte klein eingezeichneten Strecken
zu fahren. In Soto de la Barca müssen wir uns entscheiden ob
wir auf einer Hauptstraße zügig an die Küste kommen
oder auf Nebenstrecken etwas länger unterwegs sind. Es ist schon
kurz vor 19:00 Uhr. Wir entschieden uns für die längere
Nebenstreckenvariante. Die Strecke von Pola bis nach Arbon erweist
sich als traumhaft schön. Die kahlen, hintereinander liegenden
Bergkuppen, bilden tolle Silhouetten in der untergehenden Sonne. Zum
fotografieren genau das richtige Licht. Bis auf die Canyonstrecke
in den Pyrenäen ist das die bisher schönste Strecke in diesem
Urlaub. In Arbon kommen wir auf einem einfachen aber schönen
Zeltplatz unter. Zum Kochen haben wir keine Lust mehr und essen auf
dem Zeltplatz. Hier wird am Abend noch lautstark ein Geburtstag gefeiert.
Es gibt ein reichhaltiges Tapasbuffet und selbst gemachtem Sidre,
der traditionsgerecht aus ca. 1 m Entfernung in die Gläser gegossen
wird. Wir dürfen den Sidre auch probieren, können uns aber
mit diesem Getränk überhaupt nicht anfreunden.
Sonntag 05.09.
Arbon - Lugo-A Corunna
Wir sind heute zwar früh aufgestanden aber es wird trotzdem 12:00
bis wir auf den Motorrädern sitzen. Jeder von uns hatte noch
etwas zu krosen. Tagebucheinträge mussten nachgeholt werden und
wenn schon mal kostenloses WiFi angeboten wird schreibt man auch gleich
noch ein paar Mails. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage für
die nächsten 2 Tage machen wir uns auf den Weg nach Santiago
de Compostella. Beim Tanken in A Lastra bemerkt Sabine einen sehr
niedrigen Bremsflüssigkeitsstand in ihrem vorderen Behälter.
Mein erster Gedanke, kann nicht sein. Ein Blick auf die Bremsbeläge
bestätigte dann aber Sabines Diagnose. Die Bremsbeläge sind
bis auf ca.1 mm runter. Direkt vor der Abreise hatte ich bei mir,
vorne und hinten, und bei Sabine nur vorne neue Racing Sintermetallbeläge
eingebaut. Alle diese Beläge waren nun, nach nur 2500 km, runter.
Die Bremseigenschaften dieser, von mir vorher noch nicht gefahrenen
Beläge, waren allererste Sahne, im Trockenen wie auch im Nassen.
Es hilft nix, wir müssen kurzerhand unsere Route etwas ändern
um an neue Bremsbeläge zu bekommen. In Lugo finden wir nach 2
Stunden Sucherei einen Hondahändler den ich in meinem GPS Gerät
abspeichere. Die Suche nach einem Zeltplatz in der Nähe Lugos
bleibt erfolglos. Wir starten durch und erreichen gegen 19:00 A Corunna.
Hier in Sta Cruz, ganz in der Nähe von A Coruna, haben wir uns
für 2 Tage eingenistet. Morgen geht’s zum Hondahändler,
in der Hoffnung 5 Satz Bremsbeläge zu bekommen und dann noch
in die Altstadt von A Coruna. Man muss halt das Beste daraus machen.
Montag 06.09
A Coruna
Vom Platzwart haben wir die Adresse des Hondahändlers mit Ausdruck
und Stadtplan bekommen.
Wir müssen noch ein paar mal nachfragen ehe wir in strömendem
Regen vor der Tür des Hondahändlers stehen. Leider ist der
Laden leer und ein Zettel an der Tür scheint darauf hinzuweisen,
dass der Händler umgezogen ist. Na Suuper. Es gießt in
strömen und wir beschließen dem Automobil Hondahändler,
direkt an der Ecke, einen Besuch abzustatten. Sabine meint ganz trocken,
Honda ist Honda. Wir werden trotz unseren triefenden Regenkombis,
in den mit weißen Marmor ausgelegten, Laden gebeten. Mit ein
paar Brocken spanisch und englisch und einer kleinen Zeichnung erklären
wir unser Problem. Nach kurzer Rückfrage mit dem Chef setzt sich
der Verkäufer in ein Auto und lotst uns mit den Motorrädern
zum Motorradhändler.
Wir hätten den Laden nie gefunden. Wir bedanken uns tausendmal
und schildern nun dem Motorradhändler unser Problem. Der greift
sofort zum Telefon, gibt ein paar Anweisungen und ist dann für
einige Zeit in seinem Lager verschwunden. Irgendwann kommt er wieder
in die Werkstatt zurück und hält uns 5 Satz Bremsbeläge
vor die Nase. Durch mein Gesicht zieht sich ein breites Grinsen. Er
lässt es sich dann auch nicht nehmen die Beläge selbst einzubauen
und das auch noch kostenlos. Trotzdem wechselten 260 Euronen für
die Originalbeläge den Besitzer. Es gießt immer noch in
Strömen und wir beschließen zum Zeltplatz zurück zu
fahren. Es ist mittlerweile 15:00 Uhr wir haben den ersten Wein auf
und ein paar Leckereien intus. Das Wetter ist wieder etwas besser
geworden. Morgen geht es dann mit frischen Bremsbelägen weiter.
Dienstag 07.09
A Coruna-Cap Fisterra-Cee-Noia-Santiago de Compostela
An diesem Morgen frühstücken wir unter dem Tarp da es mittlerweile
wieder angefangen hat kräftig zu Regnen. Das Zelt konnten wir
gerade noch trocken einpacken. In komplettem Regenzeug geht es auf
die Autobahn Richtung Arteixo und dann geradewegs Richtung Cap
Finisterre an die Küste. Das Wetter hat sich mittlerweile
gebessert und die Sonne scheint teilweise wieder recht kräftig
durch die restliche Wolkendecke. Das Cap Finisterre ist von Touris
gut besucht. Ganze Busladungen werden hier angekarrt um das Ende der
Welt zu begutachten. Wir hatten eigentlich vor, irgendwo an der Küste
zu campieren jedoch ist die Saison hier schon abgehakt und alles sieht
jämmerlich verkommen und einsam aus. Also starten wir durch nach
Santiago
de Compostella. Den Zeltplatz, hoch über der Stadt, finden
wir recht schnell. Nach dem Zeltaufbau ziehen wir sofort los um die
Stadt zu erkunden. Unser erstes Ziel ist natürlich der Dom. Dort
angekommen bin ich etwas enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir
das Ganze etwas gewaltiger, imposanter vorgestellt. Die ganze Domanlage
sieht ziemlich vergammelt und ungepflegt aus. Mittlerweile knurren
unsere Mägen und wir gehen auf Essenssuche. In einer kleinen
Pinchobar bleiben wir bis spät in den Abend hängen. Insgesamt
18 dieser kleinen, sehr leckeren, Fingerfoods schaffen wir zu vertilgen.
Mit dem letzten Bus fahren wir dann leicht angesäuselt zurück
zum Zeltplatz.
Mittwoch 08.09
Santiago de Compostella-Lalin-Monforte-O Barco-Las Medulas Gebirge-Ponferrada
Auch heute schaffen wir es unser Zelt gerade so eben wieder trocken
einzupacken. In kompletter Regenmontur geht es dann auf die teure
Autobahn. Für 50 Moppedkilometer werden 5 Euro verlangt. Recht
zügig fahren wir über Lalin-Monforte und O Barcas zu den
Las
Medulas Felsen. Wir nehmen die südliche Anfahrt zu den Las
Medulas. Die Strecke entpuppt sich als ca.10 km reine Offroad Strecke.
Unterwegs gibt es einige schöne Aussichtspunkte auf die knallroten
Felsformationen. Am Ende der Strecke müssen wir noch einen Schlagbaum
öffnen um das Areal wieder verlassen zu können. Auf der
Rückseite des Schlagbaums prangt ein dickes, fettes gesperrt
Zeichen. Da sind wir ja genau richtig herum gefahren, denke ich mir
so im Stillen. Ein Parkplatzwächter, der uns bei der Aktion beobachtet,
schaut nur merkwürdig drein und fragt sich sicher – wo
sind die denn hergekommen.
Donnerstag 09.09
Ponferrada-Vega-Candin-Vega-Paramo-Villablino-Sena de Luna-Ventosilla-Carmenas-La
Vecilla
Endlich wieder ein Morgen an dem die Sonne ins Zelt lacht. Nach ausgiebigem
Frühstück verlassen wir gegen 11:00 Uhr den Zeltplatz. Geplant
ist die Strecke über Vega - Candin und weiter über den Pto.de
Cientuegos. Leider finden wir hinter Vega die entsprechende Abfahrt
nicht und landen mehrmals auf Bauernhöfen oder in einer Sackgasse.
Ich tippe hier auf eine fehlerhafte Karte. Wir fahren zurück
bis Vega und nehmen dann einen östlichen Kurs. Es geht wieder
in bergige Regionen auf ca. 1300 Meter. Die kleinen Straßen
haben wir mal wieder fast für uns alleine. Besonders schön
ist das Stück zw. Sena de Luna und Valdeteja. Wir fahren auf
einem Hochplateau, umrahmt von hohen weißen Felsformationen,
auf dem es keinen grünen Zweig mehr gibt. Die Sonne hat hier
ganze Arbeit geleistet. Kurz bevor wir auf dem Zeltplatz in La Vecilla
eintreffen meint eine Katze noch mit einem ihrer 7 Leben spielen zu
müssen. Ganz genüsslich quert sie die Straße, als
wir angefahren kommen. Viel hat nicht mehr gefehlt. Auf dem Zeltplatz
lassen wir uns noch ein bisschen von der Sonne verwöhnen, ehe
es mit den Arbeiten für das Essen losgeht.
Freitag 10.09
La Vecilla-Cistierna-Guardo-Cervera-Aguilar-Burgos-Villasur-Salas
de los Infantes-Quintanar
Die letzte Nacht war richtig frisch und es dauert eine Zeit bis wir
aus den warmen Federn kommen. Der Himmel ist strahlend blau und im
Schatten bekommt man noch eine Gänsehaut. In Bonar befüllen
wir noch mal unsere Tanks. Vorbei geht es am Embalse de Camporredendu
und am Embalso de Cervera-Ruesga. Die ganzen Stauseen haben zu dieser
Jahreszeit nur ein Minimum an Wasser. Teilweise liegen die Böden
trocken und man erkennt die Spuren früherer Zvilisation. Von
Aguilar bis Borgos fahren wir in einem Rutsch durch um voran zu kommen.
Die Landschaft ist sehr öde und erinnert stellenweise an die
Lüneburger Heide, viel Sand und Erika. Hinter Burgos geht es
in die Sierra de la Demanda. Auch hier folgen wir lange Zeit einem
fast leeren Stausee. Einen Tag später hätten wir hier nicht
mehr lang fahren können. Die ganze Strecke ist bereits für
ein großes Fahrradrennen präpariert. Überall Werbebanner
an der Strecke und ein enormes Polizeiaufgebot. An vielen Stellen
stehen schon die Fans mit ihren Fähnchen an der Straße.
Wir haben immer das Gefühl gleich in einem ganzen Pulk von Radfahrern
zu landen. In Quintanar finden wir am späten Nachmittag einem
schönen Campingplatz. Der Himmel ist bedeckt mit feinen Cirrus
Wolken, Vorboten von Regen??
Samstag 11.09.
Quintanar-Neila-Montenegro-Puerto de Piqueras-Almarza-Fuentes de Magana-Cervera-Tudela-Las
Bardenas Reales-Carcastillo-Uncastillo-Ayerbe
Mit den Temperaturen der letzten Nacht war Sabines Sommerschlafsack
eindeutig überfordert. In der Nacht gab es dann eine Schlafsack
Tauschaktion. Was tut man nicht alles für die Frauen. Heute geht
es wieder auf kleinen Straßen durch die Berge und an einigen
recht leeren Stauseen vorbei. Die Temperaturen sind immer noch sehr
angenehm zum Fahren. Sobald man aber stehen bleibt brennt die Sonne
erbarmungslos. Unseren höchsten Punkt in diesem Urlaub hatte
wir bis jetzt mit 1710 Metern am Puerto de Piqueras erreicht. Von
hier aus geht es weiter gen Westen. Die Landschaft ist von der Sonne
völlig ausgebrannt. Die abgemähten, verbrannten Getreidefelder
sehen sehr öde aus. Die ganzen kleinen Städte die wir zum
Ende des Tages durchfahren sind alle geschmückt und die Leute
tragen bunte Uniformen. Der 11. September ist Nationalfeiertag in
Katalonien. Hinter Tudela fahren wir in den Naturpark
Las Bardenas Reales. Auf einer guten Piste fahren wir durch eine
Landschaft die ein wenig an den Grand Canyon in Amerika erinnert.
Was hier optisch allerdings ein wenig stört sind die bewirtschafteten
Felder überall. Nach ca. 35 km haben wir wieder Asphalt unter
den Rädern und machen uns auf Campingplatzsuche. Der anvisierte
Platz in Uncastillo hat schon geschlossen, also fahren wir weiter
bis Ayerbe. Die Strecke dorthin, im Licht des Sonnenuntergans getaucht,
ist sehr schön und kurvenreich. Der Campingplatz liegt ca. 2
km außerhalb Ayerbes. Auch Ayerbe ist festlich geschmückt
für das Fest. Die Musik beginnt am Abend gegen 22:00 Uhr und
endet erst am Morgen gegen 8:00. Pünktlich um Mitternacht werden
wir, trotz Ohrstöpsel, aus dem Schlaf gerissen. Es ist Zeit für
das Feuerwerk und was für ein Feuerwerk. Sooo laute Knaller wie
hier habe ich noch nie gehört.
Sonntag 12.09.
Ayerbe-Anzango-Serue-Puerto de Sarrablo-Ainsa-Campo-Coll de Fadas-Vall
de Bois
Am Morgen sind wir ein bisschen verknautscht und kommen nicht so recht
in die Hufen. Von Ayerbe aus führt uns eine kleine Straße
am Rio Gallego entlang bis nach Lanare. Von dort aus geht es westwärts,
auf einer kleinen kurvenreichen Strecke, über den Puerto de Sarrablo
bis nach Hinsa. Von Hinsa aus folgen wir der N260, die auf den ersten
km wie eine Autobahn ausgebaut ist. Später passieren wir eine
sehr enge Schlucht, die sicher schon so manchem Wohnmobillenker den
Aufbau gekostet hat. Die Felsen ragen in 2-3 Metern Höhe weit
in die Fahrbahn hinein. Auf den letzten km sehen wir schon dicke weiße
Gewitterwolken über den Berggipfeln hängen. Am Anfang des
Val de Bois landen wir auf einem kleinen Zeltplatz. Pünktlich,
nachdem das Zelt steht und alles verstaut ist, fängt es kräftig
an zu schütten. Nach einer viertel Stunde beginnen wir damit
die ersten kleinen Gräben im Vorzelt zu ziehen, um das Wasser
wieder hinauszulenken. Am Abend stelle ich noch fest, dass sich die
Profiltiefe meines Hinterradreifens der 0 Null-mm-Marke nähert.
Montag 13.09
Andorra
Zum Frühstück haben wir gackernde Gesellschaft. Die Hühner
sind nicht bang und wir müssen aufpassen, dass sie nicht die
Wurst vom Brot klauen. Heute steht Andorra auf dem Fahrplan. Die Strecke
dorthin ist nicht besonders aufregend. In Andorra gelingt es uns für
meine Twin einen neuen Hinterradreifen zu ergattern. Es gibt jede
Menge Reifenhändler und Motorradzubehörhändler aber
einen Reifen in der passenden Größe für die Twin zu
finden ist nicht einfach. Hier fahren alle nur Rennsemmel mit dicken
„Pellen“. Den einzigen Reifen den ich bekommen kann ist
ein Enduro 3 von Metzler. Egal, Hauptsache schwarz, rund und wieder
reichlich Profil zum Kurvenfahren. Nach einem kurzen Shoppingbummel
durch das Konsummekka Andorra kommen wir erste gegen 19:30 weiter.
Über den Pas de la Casa (2400m) verlassen wir Andorra.
Hier oben ist es saukalt, nur 6 Grad. Wir ziehen die Regenjacken über
um uns vor der nasskalten Luft zu schützen. 30 km weiter und
ca. 1km tiefer landen wir auf einem kleinen Zeltplatz. Die Nacht ist
eiskalt und Sabine hat in ihrem Sommerschlafsack wieder ein wenig
gefroren.
Dienstag 14.09
Font Romeu-Mont Louis- Sansa- Olette Sahorre-Vernet les Bains-Canigou-Prades
Nachdem die Sonne über die Berggipfel lugt wird es schnell wärmer.
Zum Frühstück gibt es endlich mal wieder ein frisches französisches
Baguette. Bei Font Romeu schauen wir uns noch den Sonnenofen
von Odeillo an. Weiter geht es über eine kleine Nebenstrecke
durch die Berge Richtung Sansa und Olette. Leider liegt auf dieser
einsamen Strecke sehr viel Rollsplit der das Fahren nicht gerade erleichtert.
Hinter Vernet les Bains biegen wir ab auf die Piste zum Chalet des
Cortalets am Canigou.
Die Piste hat es in sich, zumal wir mit vollem Gepäck unterwegs
sind. Sabine und ich arbeiten uns bis kurz vor das Chalet vor, wo
wir von einer Gruppe Geländewagenfahrer gestoppt werden. Die
letzten Meter zum Chalet sind gesperrt. Zuerst dachten wir schon mit
dem ganzen Gerödel die gleiche Strecke wieder zurück fahren
zu müssen, aber wir hatten nur den Abzweig ein paar Meter zurück
übersehen. Ein bisschen Stolz waren wir schon die dicken Schiffe
bis hier oben rauf gefahren zu haben. Der Rückweg ist wesentlich
einfacher, dafür aber auch sehr staubig, diesmal darf ich hinten
fahren. Nach 2 Stunden, inkl. einigen Pausen, hatten wir die 35 km
geschafft. In Prades landen wir auf dem Camping Municipal. Am Abend
gehen wir zum Essen in die Altstadt. Leider entscheiden wir uns für
das falsche Lokal, noch nie hatten wir in Frankreich so schlecht gegessen
wie hier.
Mittwoch 15.09
Prades- George de la Fou umfahren
Sabine verzählt sich am Morgen mit den Glockenschlägen und
jagt mich schon um halb acht statt um halb neun aus dem Schlafsack.
Von Prades aus fahren wir noch den kleinen Rundkurs um die Georges
de la Fou. Die Gorges de la Fou ist nur zu Fuß zu besichtigen,
das machen wir beim nächsten Mal. Sabine möchte am letzten
Tag noch nach Cadaques an der spanischen Costa Brava. Hier hatten
Pablo Picasso und Joan Miro
einige Sommer verbracht. Laut Reiseführer ein romantisches kleines
Fischerdorf, in echt das absolute Tourinest. Der Zeltplatz ist das
schlechteste, dreckigste und teuerste Plätzchen auf der ganzen
Tour. Als Trost ist wenigstens das Essen im Dorf sehr gut. Auf der
Rückfahrt plündern wir in Fuerges noch einen Supermarkt
mit Proviant für die Heimat . Schinken, Salami, Käse, Olivenöl,
Mandelcreme, Salz und das von mir so geliebte Dulce de Leche (Creme
aus Milch, Zucker und Vanille) finde ich hier auch noch in einem Regal.
Mit ein wenig Brot dabei hätten wir Wochen überlebt. Vor
der französischen Grenze werden die Tanks noch mal gefüllt.
Bei einem Preis von 1,14 Euro fällt das nicht schwer. Auf der
Autobahn geht es dann bis Narbonne. Es ist zum Glück bedeckt
und windig. Auch diesmal stehen wieder sehr viele Motorräder
am Bahnhof zur Verladung bereit.
