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Island
Insel aus Feuer und Eis
Faröer Inseln und Island
04.08.95 - 03.09.95
Corinna und ich kommen um 18.30 Uhr im Hafen von Esbjerg
(DK) an, als die Norröna, unsere Fähre , die uns nach Island
bringen soll, gerade einläuft.
Die zutreffende Kabinenbelegung dauert ein paar Stunden, dafür ist
unsere 9-Bettkabine (preiswerteste Kategorie) trotz der Enge angenehm
kühl und die Luft sehr gut.
Den nächsten Tag liegen wir den ganzen Tag an Deck und lassen uns
von der Sonne verwöhnen.
Am 07.08. um 10.00 Uhr erreicht die Fähre die
Faröer Inseln. Hier müssen wir 2 Tage verweilen, da die Fähre
erst noch nach Bergen fährt bevor sie uns wieder abholt und uns dann
nach Island bringt.
In Torshavn suchen wir uns in einer umgebauten Sporthalle ein Schlafquartier.
Die Nächte sind nur mit Ohrstöpseln zu ertragen da eine ganze
Horde italienischer Motorradfahrer mit Frauen dort für einen südländischen
Geräuschpegel sorgten. Das Equipment der Italiener war ebenfalls
recht ausgefallen. Die Frauen hatten tatsächlich gute Abendgarderobe
und ein paar Pumps mit. Wie sich später herausstellte mußte
dafür wahrscheinlich die Regenbekleidung zu Hause bleiben, denn wir
trafen die Gruppe zu einem späteren Zeitpunkt auf Island wieder,
während sie völlig durchnäßt an einer Tankstelle
Unterschlupf suchten. Wie heißt es so schön: "Wer schön
sein will muß leiden".
Das Wetter auf den Faröer Inseln war fantastisch.
Wir nutzten die 2 Tage um das gesamte Straßennetz der Inseln abzufahren.
Am 09.08 ging es dann wieder an Bord der Norröna. Die mentalen Übungen
von Corinna, ihrer Seekrankheit beizukommen, nutzen bei der Überquerung
des Nordatlantiks allerdings nichts.
Am 10.08 um 7.00 Uhr war es dann endlich soweit, wir
liefen im einzigen Fährhafen von Island, Seydisfjördur, ein.
Das Ausschiffen ging recht flott, so daß wir wenig später schon
in Egilstadir waren um Geld zu wechseln und Vorräte einzukaufen,
denn nach Island dürfen keine frischen Lebensmittel eingeführt
werden.
Bei traumhaftem Wetter ging es über
eine gute Piste über den Paß Hellisheidi. Die Aussicht war
fantastisch und wir bekamen einen ersten Eindruck von dem, was uns wohl
noch alles an fantastischen Natureindrücken erwartet.
Über Porshöfn ging es weiter nach Asbyrgi wo wir zum ersten
mal campierten. Am Abend unternahmen wir noch eine Wanderung bevor es
dann in die Schlafsäcke ging.
Morgens brachen wir früh auf, um einen Abstecher zum wasserreichsten
Wasserfall Europas zu machen: dem Dettifoss. Die Karte zeigte eine nicht
zu verfehlende Straße dorthin - die Realität: eine nicht zu
verfehlende, aber 40 km lange sehr holperige Piste...
Die Mühe lohnte sich: Man kann sich gar keine Vorstellung von diesen
Wassermassen machen, die dort jede Sekunde in die Tiefe donnern und zig
Tonnen von Gestein und Sand mit sich schleppen, ein wahrhaft gigantisches
Naturschauspiel!
Gleichzeitig beeindruckte uns noch etwas ganz anderes: wo in unserer Gegend
an solchen Stellen (z.B. Schaffhausen) hunderte von Menschen sind, streng
gekennzeichnete Wege, Andenken- und Pommesbuden war dort: NICHTS, außer
der Natur und noch 7 anderen Touris.
Auf dem Rückweg zum Zeltplatz kauften wir an einer Tankstelle noch
frischen Lachs fürs Abendessen, das Kilo für ganze 8,40 DM.
Bevor wir unserem Abendessen fröhnen konnten mußten wir jedoch
noch unsere Küchenpacktasche von einem Liter Joghurt befreien, da
sich dieser nicht als pistentauglich erwiesen hatte. Wir machten den Fehler
des frühzeitigen (Joghurt)Einkaufens nicht wieder...
Am nächsten Tag lugt um 8 Uhr die Sonne ins Zelt.
Nach dem Frühstück ist alles schnell zusammengepackt und es
geht Richtung Husavik und anschließend weiter zum Myvatn, dem Mückensee.
Unterwegs machen wir noch einen Stopp am Godafoss (Götterfall).
Als Island im Jahre 1000 das Christentum angenommen hat, soll ein Gode
seine Götzenbilder in die reißenden Fluten geworfen haben:
daher der Name Godafoss.
Am frühen Nachmittag schlagen wir unser Zelt am Myvatn auf. Der Zeltplatz
ist sehr gut belegt und wir finden nur 2 Duschen - Nachdem unser Heim
eingerichtet ist machen wir uns auf den Weg um das geothermische Kraftwerk
im Gebiet der Krafla zu besichtigen. Viele dampfführende Rohrleitungen
steigen hier aus dem Erdinneren um im Kraftwerk Turbinen zur Stromerzeugung
anzutreiben Das Ganze sieht sehr futuristisch aus.
Von der Krafla aus machen wir noch einen Abstecher nach Dimmuborgir, was
soviel heißt wie "Schwarze Schlösser". Hier gibt
es ein ca. 2000 Jahre altes Lavafeld mit bis zu 20 Meter hohen, teilweise
völlig verdrehten, vulkanischen Säulen zu bestaunen.
Auf dem Rückweg buchen wir in einem Touristoffice eine Tagesfahrt
mit einem geländetauglichen Allradbus zur Askja, um uns und die Motorräder
ein wenig zu schonen, denn es standen noch etliche Pisten bevor.
13.08.
Um 7 Uhr klingelt der Wecker und wir müssen unsere warmen Schlafsäcke
verlassen. Der Bus startete pünktlich um 8.30 Uhr. Nach ca. 1 Stunde
Fahrt auf der Hauptstraße bog der Bus auf die Piste zur Askja ab.
Die ersten 30-40 Pistenkilometer waren ja noch recht harmlos, danach holperte
und polterte es so kräftig, daß ich einige male dachte -jetzt
kippt die Kiste um, aber der Busfahrer beherrschte sein Handwerk. Die
letzten 40km waren sehr mühsam zu fahren, teilweise ging es nur im
Schrittempo durch die völlig zerklüftete Lavalandschaft. Gewisse
Ähnlichkeiten mit der Mondoberfläche lassen sich nicht leugnen.
Die Nasa wußte dies schon vor über 30 Jahren und nutzte die
Gegend für ihre ersten Versuche mit dem Mondmobil.
Die Askja (=Schachtel) ist ein ca. 50qkm großer Krater der sich
auf einer Höhe von 1000 Metern befindet. In diesem Kratergebiet gibt
es zwei Seen, den Öskjuvatn und den kleinen Viti (=Hölle). Der
Viti ist aus allen Reiseführern bekannt als milchiggrüner Badesee.
Seine Badetemperatur von ca 20°C erhält er von unterirdischen
Schwefelquellen, entsprechend ist auch der Geruch in dieser Gegend.
Auf dem Rückweg waren wir ganz froh im Bus zu sitzen, denn es goß
in strömen.
Für den nächsten Tag hatten wir uns kein
großes Pensum vorgenommen.
In Akureyri, der zweitgrößten Stadt Islands, keine 100 km weiter,
schlugen wir dann wieder unser Zelt auf.
Wir machten einen ausgiebigen Stadtbummel in dieser "Großstadt"
(14000 Einwohner) die auch oft als Juwel des Nordens bezeichnet wird.
Wir besuchten u.a. den botanischen Garten -ja den gibt es hier wirklich-
und am Ende des Tages gab es noch ein großes Softeis für mich.
Für Eis tue ich fast alles.
Als wir am nächsten Morgen aufwachten regnete es noch und wir lassen
uns noch Zeit mit dem Packen. Eigentlich wollten wir heute über die
Sprengisandur-Piste in den Süden Islands fahren, wir treffen aber
auf dem Weg 2 Motorradfahrer die uns von der Piste abraten. Nicht weil
es nicht machbar wäre sondern weil es die Mühe nicht lohnt.
Mieses Wetter im Hochland, sehr tiefe Furten, und keine sehenswerte Landschaft.
Wir befolgen den Rat und fahren weiter gen Osten.
Das Wetter reißt auf und es wird ein traumhaft schöner Sommertag.
Kurz vor Glaumbaer treffen wir wieder auf Hartmut.
Hartmut hatten wir schon im Hafen von Esbjerg kennen
gelernt und ein wenig über ihn geschmunzelt:
Hartmut, Anfang 50, wollte Island mit Motorrad und Zelt erobern. Ohne
eigene Kenntnisse ließ er sich von einem Outdoorspezialisten komplett
ausstatten. Dieses Equipment packte er auf sein Mopped, ohne auch nur
ein Teil ausprobiert, geschweige denn ausgepackt zu haben, und fuhr nach
Island.
Nach seiner 2. oder 3. Campingnacht hatte er dann doch das Hotelzimmer
vorgezogen!
Zu dritt besuchen wir in Glaumbaer den alten Grassodenbauernhof,
der heute ein Freilichtmuseum ist. In der urgemütlichen Gaststube
des Museums trinken wir Kaffee und Kuchen und tauschen unsere bisherigen
Islanderlebnisse aus. Danach trennen sich unsere Wege wieder, da Hartmut
noch ein Hotel für die Nacht suchen muß.
Zu zweit erleben wir noch einen farbenprächtigen Sonnenuntergang,
bevor wir dann gegen 22 Uhr unser Zelt aufsuchen.
Zusammen mit Jens und Hanka, die wir hier auf dem
Zeltplatz kennen gelernt haben, nehmen wir die Kjölurpiste, die uns
auch in den Süden von Island bringt, in Angriff. Jens, mit Hanka
als Sozia, kommt mit seiner GS besser voran als wir und wir verabreden
als Treffpunkt die heißen Quellen von Hveravellier inmitten des
Hochlands. Gegen 15 Uhr treffen wir hier ein. Es fegt ein eiskalter stürmischer
Wind, teilweise mit Schnee vermischt. Angesichts der Bemühungen anderer
Leute den Zelten ihr geplantes Aussehen zu geben, mieten wir uns in der
Schutzhütte ein Nachtquartier.
Am späten Nachmittag sprinten wir dann (ausschließlich mit
Badehose und Motorradstiefeln bekleidet) durch den eiskalten Wind, um
zu den nahe gelegenen Hot Pots zu gelangen. Es ist ein tolles Gefühl
in einer von der Natur gebauten heißen Wanne zu sitzen: Während
die Ohren im eiskalten Wind fast erfrieren, sitzt der Rest in fast 40
Grad heißen Wasser. Das ist halt Island!
Die Nacht war auch in der Hütte nur mit Ohrstöpseln
zu ertragen, denn draußen herrschte ein orkanartiger Sturm und es
goß in Strömen. Am Morgen stiegen wir direkt in die Regenkombis,
da sich das Wetter nur unwesentlich gebessert hatte. Es ging weiter südwärts
auf der Kjölurpiste. Kurz vor Ende der Piste mußten wir noch
eine etwas tiefere Furt durchqueren, in der Corinna ihre F650 fast versenkt
hätte. Zum Glück hat sie den Motor sofort ausgestellt und der
Schaden beschränkte sich auf ein paar nasse Füße.
Unser Zelt stellten wir in Laugarvatn auf. Von hier
aus unternahmen wir die Touren zu den Geysiren und zum Gullfoss.
Genau genommen gibt es nur einen Geysir auf dieser Welt, nämlich
den Stori-Geysir auf Island. Der isländische Name für "Springquelle"
(=Geysir) gab allen anderen Geysiren auf dieser Welt den Namen.
Der Stori-Geysir hat einen Beckendurchmesser von 14m und eine Schlundtiefe
von 120m. Seine Wasserfontäne stieß er bis zu 60m hoch in den
Himmel. Seit den 50er Jahren hat er allerdings seine natürliche Tätigkeit
eingestellt. Sein "kleiner Bruder" der Strokkur ist allerdings
immer noch aktiv und spuckt in regelmäßigen Abständen
seine Wasserfontäne in den Himmel.
18.08
Am Morgen sind wir noch mal zu den Geysiren gefahren in der Hoffnung ein
paar Bilder bei Sonnenschein machen zu können aber daraus wurde nichts,
die Sonne ließ sich nicht sehen.
Weiter ging es dann über die 365 nach Thingvellir.
In Thingvellir kann man sehr gut das Ergebnis einer
9000 Jahre währenden Kontinentaldrift sehen. Die so entstandene Allmannagja
(Schlucht des Volkes) ist ca. 40 km lang 10 km breit und hat eine Tiefe
von 40 Metern zu denen jährlich 2 mm hinzukommen.
Gleichzeitig liegt in diesem Gelände die historische Thingstätte.
930 versammelte sich hier das erste mal das sogenannte Althing das von
den Isländern gern als das älteste Parlament Europas bezeichnet
wird.
Die Volksversammlung traf sich jedes Jahr für ca. 2 Wochen. Es wurden
Gesetze erlassen und Gericht gehalten, Ehen geschlossen, und Freunde wieder
getroffen.
Der Abend war sternenklar und wir richteten uns auf
eine kalte Nacht ein.
Ich hatte mir den Wecker gestellt um evtl. mal ein Nordlicht sehen zu
können und ich hatte Glück. Am Himmel konnte ich vereinzelt
aber doch gut sichtbar einen weißen Schleier sehen. Das ganze Schauspiel
sah aus, als wenn eine riesige weiße Gardine sich am Himmel hin
und her bewegt.
Am Morgen wurden wir dann von der Sonne geweckt. Nach Frühstück
und Packen ging es in nördlicher Richtung über die Kaldidalurpiste
bis zum Hraunfossar (Lavawasserfall). Neben dem Dettifoss und Svartifoss
gehört der Hraunfossar für mich mit zu den schönsten Wasserfällen
auf Island.
Auf einer Länge von über 1 km sprudeln jede Menge kleine Wasserfälle
zwischen Büschen und Felsen aus dem Lavahang in den Fluß.
Anschließend ging es weiter in Richtung Halbinsel Snaefellsness.
Unser Ziel war der schönste Berg Islands, der Snaefellsjökull.
Wir bekamen ihn jedoch kaum zu Gesicht, denn als wir die Halbinsel erreichten
zog sich der Himmel so zu, daß wir schon dachten der Weltuntergang
steht bevor.
Es regnete zwar noch nicht aber es war stürmisch und der Himmel war
pechschwarz. In Stykkisholmur schlugen wir unser Camp auf und verbrachten
diesen Abend im Wohnwagen unseres Zeltnachbarn. Dieser war Flugkapitän
und gebürtiger Isländer, lebte aber seit 8 Jahren in Luxemburg
und sprach deshalb sehr gut deutsch. Wir erfuhren von ihm viel über
Island und deren Bewohner.
Am nächsten Morgen verharrten wir bis 14 Uhr
im Zelt in der Hoffnung auf besseres Wetter. Der Wetterbericht prophezeite
aber eher noch schlechteres und deshalb beschlossen wir aufzubrechen und
nach Reykjavik zu fahren, denn dort kann man auch bei schlechtem Wetter
etwas unternehmen.
Die Fahrt nach Reykjavik war eine echte Tortour. Es hat geschüttet
und so heftig gestürmt, daß wir stellenweise die ganze Fahrbahnbreite
für uns brauchten.
Nach vielen einsamen Campingplätzen in den letzten
beiden Wochen mußten wir in Reykjavik mit einem gut gefüllten
Zeltplatz vorlieb nehmen. Der leckere Kabeljau, den wir von unserem netten
Nachbarn mit auf die Reise bekommen hatten, tröstete uns ein wenig
über die Situation hinweg.
21.08.
Auf ins Großstadtgetümmel
Mit Stadtplan und Reiseführer bewaffnet ging es am Morgen los. Als
erstes besuchten wir die Hallgrimskirka. Von dem Aussichtsturm dieser
imposanten Basaltkirche hat man einen hervorragenden Blick über Reykjavik.
Anschließend hatten wir noch das Glück dem Organisten (Orgel
aus dt Herstellung) beim Proben zuhören zu können.
Vor der Kirche steht eine große Statur von Leif Eiriksson, dem eigentlichen
Entdecker Amerikas. Eiriksson setzte schon fast 500 Jahre vor Christoph
Kolumbus seine Füße auf den Amerikanischen Kontinent und ist
auch als offizieller Entdecker Amerikas von den USA bestätigt worden.
Nachdem wir dann auch die "Flaniermeile" Reykjaviks abgeschritten
sind, machten wir Pause im Hard Rock Cafe.
Am Abend besuchten wir die Vulcano Show von Villi Knudson. Nach zwei sehr
langatmigen Berichten über die Inseln Heimaey und Surtsey gab es
einen sehr ausführlichen Heimatfilm über Island. Eine sehr gut
gemachte Show mit tollen Aufnahmen von aktiven isländischen Vulkanen
und vielen lustigen Livekommentaren von Villi Knudson. Allein den Typen
Villi Knudson mal kennen gelernt zu haben, lohnte den Eintritt von 15,-DM.
Unser zweiter Großstadttag begann mal wieder
mit schlechtem Wetter.
Am Vormittag besuchten wir das Naturkundemuseum und am Nachmittag das
Schwimmbad welches direkt neben unserem Zeltplatz lag. Nach ein paar Bahnen
im großen Becken ging es dann in die Hot Pots. Dies sind kleine
Becken in denen ca.10-12 Personen Platz finden. Die Wassertemperatur der
Becken ist gestaffelt von 30°C bis fast 40° Grad. Danach gönnten
wir uns noch ein Schlammbad und einen reinigenden Gang ins Dampfbad. Zum
Glück hatten wir es nicht weit bis zum Zeltplatz, denn jetzt waren
wir richtig k.o.
23.08
Früh brachen wir in südlicher Richtung zur Blauen Lagune auf.
Die mineralreichen warmen Abwässer eines Kraftwerkes bilden mitten
in einem Lavafeld diesen eigenartigen See, welcher als Freibad genutzt
wird und in jedem Reiseführer und Islandkatalog abgebildet ist. In
Sellfoss mußten wir noch mal unseren Proviant auffrischen ehe es
weiter ging bis zum Skogafoss (Waldfall).
In der Nähe des Skogafoss befindet sich ein einsamer (privater) Zeltplatz
ebenfalls mit einem Wasserfall im Hintergrund. Die einzigen Mitbewohner
waren ein paar Schafe, die ab und zu ins Zelt lugten. Ein Ausflug nach
Porsmörk am Nachmittag scheiterte an den zu tiefen Furten; wir waren
schließlich mit Motorrädern unterwegs und nicht mit den Kajaks...
Der nächste Morgen begann mit Kaiserwetter. Gegen 9 Uhr war alles
verstaut, gefrühstückt haben wir unterwegs auf einem der schönen
Rastplätze. Hinter Hella ging es auf der 26 in nördlicher Richtung
weiter. Nach ca. 40 km zweigt eine Piste in östlicher Richtung ab,
die wiederum nach ca. 40 km auf die Piste F22 stößt. Dieser
folgt man dann in östlicher Richtung bis Landmannalauger (=die heißen
Quellen der Leute vom Land). Die Strecke nach Landmannalauger, egal ob
aus West oder Ostrichtung kommend, und Landmannalaugar selbst, sind ein
absolutes Highlight. Bevor wir aber unser Tagesziel endgültig erreichten
galt es noch einen Fluß 2x zu furten, der direkt vor dem Zeltplatz
lag. Im Falle eines Umfallers droht keine Erkältung, denn die Wassertemperatur
beträgt ca. 25°C.
Nachdem wir trocken das andere Ufer erreicht und das Zelt aufgebaut hatten,
stand eine Wanderung auf die umliegenden Gipfel auf dem Programm. Während
mir ein niedriger Gipfel schon ausreichte, suchte sich Corinna den höchsten
aus und wurde mit einem grandiosen Rundumblick belohnt. Nach solch einer
Anstrengung genehmigten wir uns noch ein heißes Bad in den Quellen
und verspeisten anschließend noch unsere letzten Spaghettis.
Alwin, ein befreundeter Motorradfahrer aus Wuppertal, den ich schon lange
nicht mehr getroffen hatte, lief mir an diesem Abend über den Weg.
Er war mit Freunden auf Island unterwegs: die Welt ist halt klein.
Bei schönem Wetter verließen wir Landmannalaugar
am Morgen in östlicher Richtung auf der F22. Auf den nächsten
35 km erwarteten uns ca. 15 Furten und die tiefste war direkt die erste
am Zeltplatz. Zuschauer waren immer reichlich vorhanden, wenn Motorradfahrer
durch den Fluß fuhren. Eine "Badengehszene" haben wir
jedoch nicht geboten. Die nächste 35 km waren landschaftlich und
fahrtechnisch ein Hochgenuß. Immer wieder furten, fotografieren
und staunen über tolle Landschaftsformen und Farben. Nach 3,5 Stunden
hatten wir dann endlich die Ringstraße erreicht und machten in Kirkjubaerjarklaustur
eine Pause.
Die Wetterinfos prophezeiten sehr gutes Wetter und so machten wir uns
dann weiter auf den Weg zum Skaftafell. Hier am Skaftafell gibt es einen
Zeltplatz mit Blick auf den höchsten Berg Islands dem Hvannadalshnukur.
Wir beschlossen am nächsten Tag einen Rundflug über den Vatanajökull
zu buchen.
Das Wetter sollte gut werden und ein Flugplatz liegt direkt gegenüber.
26.08
Es gießt in strömen. Gegen 9 Uhr bessert sich das Wetter und
wir verlassen das Zelt. Der Rundflug fällt aus, da die Berge in einer
dicken Nebelwand verschwunden sind; stattdessen werden die Wanderschuhe
ausgepackt.
Wir unternehmen eine 6 stündige Wanderung ins Skaftafell und werden
immer wieder mit tollen Ausblicken auf Gletscher und Sanderflächen
belohnt. Ein absolutes Muß ist der "Bilderbuchwasserfall"
Svartifoss.
Unterwegs, in dem sehr sumpfigen Gelände, treffen wir auf eine Gruppe
italienischer Bustouris: gutgekleidete Damen mit flachen Pumps und Herren
mit Designerschuhen. Wir beobachten wie deren Schuhe des öfteren
im Boden stecken blieben und konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen.
28.08.
Das angekündigte "bright weather" läßt weiterhin
auf sich warten und so müssen wir diesmal im Regen packen. Wieder
auf der Ringstraße ist unser nächstes Ziel der Gletschersee
Jökulsarlon. In diesem See treiben auch im Spätsommer noch große
Eisberge, was bei schönem Wetter sehr fotogen aussehen soll. Als
wir eintreffen ist es neblig und die Temperatur liegt nahe dem Gefrierpunkt.
Also schnell ein paar Nebelfotos gemacht und weiter geht es auf der Küstenstraße
Richtung Osten. In Djupivogur landen wir auf einem Zeltplatz in der Nähe
des Hafens.
Für das schlechte Wetter entschädigte dann das leckere Abendessen.
Es gab frischen Heilbutt und Lachsforelle.
Bei sich nur sehr langsam besserndem Wetter, aber immer noch kalten Temperaturen
fahren wir den "Rest" der Ringstraße bis kurz vor Egilstadir.
Hier finden wir einen sehr schön gelegenen Zeltplatz mit Whirl Pool.
im Freien.
30.08
Unser letzter Tag auf Island: Bei wunderschönem Wetter unternahmen
wir noch eine Tour Richtung Snaefell und kamen dabei an Islands dritthöchstem
Wasserfall, dem Hengifoss, vorbei.
Am Nachmittag konnte mich Corinna noch zu einem Reitausflug auf einem
Islandpferd überreden. Mit einer Gruppe von ca. 10 Personen ging
es über einsame Hochebenen ins Hinterland. Für mich war es der
erste Ausflug auf dem Rücken eines Pferdes, was sich trotz meiner
eleganten Haltung nicht leugnen ließ. Aber ein Islandpferd war für
mich genau der richtige Einstieg ins Reitvergnügen: da nicht so hoch,
fällt man auch nicht so tief. Weil ich nicht gerade den "Renner"
erwischt hatte, blieb mir ein Abwurf jedoch erspart. Spaß gemacht
hat es allemal.
Mit einem Bier im Hot Pot, welcher extra für uns nochmals gefüllt
wurde, konnten wir unseren letzten Tag auf Island würdig abschließen
und haben unsere drei Wochen Island Revue passieren lassen:
Die (ungewohnte) Ruhe auf Island hat uns sehr gut
getan, das Motorradfahren hat viel Spaß gemacht, die Natur(schauspiele)
waren einzigartig, die manchmal reserviert wirkenden, aber freundlichen
Menschen werden uns im Gedächtnis bleiben - ein unvergeßlicher
Urlaub, dessen Wiederholung wir ernsthaft geplant hatten, wenn da nicht
die lange Überfahrt nebst evtl. Seekrankheit wäre.... Dennoch,
wenn es nicht noch so viele andere lohnenswerte Reiseziel auf dieser Welt
gäbe, wäre ich bestimmt zwischenzeitlich wieder da gewesen.

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