2003/2004 Südamerika Bericht

Ankunft am 16.11.2003
Am Flughafen wurden wir direkt von einigen „Schleppern“ angequatscht die uns Hotelzimmer, Taxi und Tips verkaufen wollen. Wir ließen uns darauf ein und bekamen ein brauchbares Hotel mitten in der Stadt mit Parkplatz für unsere Motorräder. Tags drauf fuhren wir mit Taxi direkt zum Flughafen um die Zollformalitäten zu erledigen und die Motorräder in fahrbereiten Zustand zu bringen. Die Rückfahrt mit den Motorrädern zum Hotel war die „erste Probe“ für uns. Ich hatte aus meinem Tank zuviel Sprit abgelassen und blieb prompt nach einigen km auf der Stadtautobahn liegen. Corinna besorgte mit zwei Reservekanistern 10L Sprit und fand mich im Straßendschungel tatsächlich wieder.

Am Morgen des 18.11. saßen wir dann auf den gepackten Motorrädern, endlich ging es los.
Gegen Mittag genossen wir in dem Küstendorf Los Vilos erstmals eines der vielen leckeren Fischgerichte in einem Strandlokal. Reineta und Corvina sollten unsere Favoriten während der Reise werden.
Unsere erste Nacht verbrachten wir am Strand in der Nähe von Tongoy. Morgens hingen dicke Wolken am Himmel, die in unseren Regionen den Griff zum Regenzeug auslösen würden, aber hier an der chilenischen Küste ist das ein ganz normales „Phänomen“. Aufgrund der kalten Meeresströmung und den naheliegenden Gebirgszügen der Anden bilden sich jeden Morgen diese dicken Wolken, die sich aber spätestens zur Mittagszeit wieder völlig aufgelöst haben. Eigentlich eine ganz praktische Sache denn so brät nicht schon um 8 Uhr die Sonne ins Zelt. Von La Serena aus fuhren wir ostwärts Richtung Valle d’Elqui. Dieses wasserführende Tal ist vom Anfang bis zum Ende komplett begrünt. Es werden überwiegend Wein und Oliven angebaut. Am Ende des Tals liegt der Ort Pisco der nach dem chilenischen Nationalgetränk, einem hochprozentigen Schnaps, benannt wurde. Wir fanden einen wunderschönen Zeltplatz mit Swimming Pool und spätabends kamen wir mit dem Gärtner dieser Anlage ins Gespräch. Es dauerte nicht lange und er holte eine Flasche echten Pisco aus seinem Wagen und ließ uns reichlich davon kosten. Der wunderschöne Sternenhimmel war nun noch schöner, auch wenn sich manche Sterne nicht mehr scharf stellen ließen.
Mit leichtem Bollerkopf ging’s zurück nach La Serena und 80km weiter nördlich über eine zum Teil sehr sandige Piste in das kleine Fischerdorf Punto Choros um mit einem kleinen Boot einen Ausflug zu den vorgelagerten Inseln mit Seelöwen, Pinguinen und Pelikanen zu machen. Es ist schon faszinierend diese Tiere mal live in freier Natur sehen zu können, die an Land etwas tolpatschig wirkenden Pinguine, die verspielten Seehunde und die Pelikane als Fischfang- und Segelkünstler. Nach dem Törn sind wir groggi und quartiern uns auf dem ziemlich miesen Zeltplatz des Dorfes ein. Morgens kurz vor sieben werden wir von Kreissägen und anderen Baumaschinen geweckt, so dass wir bereits um acht auf den Motorrädern sitzen.
Über Copiapo und Chanaral fahren wir bis nach Potrerillos. Hier gibt es auf 2.800m Höhe die letzte Tankmöglichkeit vor dem ca. 230km entfernten Paso de San Francisco. Wir haben 3 Tage für diese Pistentour eingeplant. Bis auf einige Wellblechetappen, die wieder für etwas Platz in den Koffern sorgen, ist die Piste in sehr gutem Zustand. Auf einer Höhe von 3.500m, nach ca. 120km, richten wir unser erstes Camp ein. Wir hätten noch weiter fahren können aber wir wollten uns an die Höhe akklimatisieren. In einigen Reiseberichten hatte ich gelesen wie man sich fühlen kann wenn man das nicht tut. An unserem Camp fließt eine kleiner Gebirgsbach mit klarem Wasser vorbei, aus dem ich mit dem Wasserfilter noch etwas Trinkwasser bereite. In diesen extrem trockenen Gebieten wird der Flüssigkeitsbedarf des eigenen Körpers oft unterschätzt. Man muss nicht klitschnass durchgeschwitzt sein um hier einige Liter an Flüssigkeit zu verlieren.
Am nächsten Tag fahren wir weiter bis zur Laguna Verde die einige km vor dem Paso de San Franzisco liegt. Zum ersten mal sehen wir live einen dieser wunderschon grün schillernden Seen. Direkt am See und neben einer kleinen Holzbaracke, in der sich ein kleines Thermalbecken befindet, schlagen wir unser Camp auf. Die Höhe von fast 4.700m macht mir schon ganz schön zu schaffen. Einmal zu schnell aus der Hocke nach oben gekommen sehe ich den „tollsten Sternenhimmel“ vor meinen Augen. Corinna hat zwar weniger Probleme, aber wir lassen nun alles sehr langsam angehen. Nach einem Bad im warmen Thermalwasser und nachdem der Benzinkocher seine unwillige Phase von fast 5 Minuten überwunden hatte, bereiten wir uns ein leckeres Abendessen und verschwinden dann in die Schlafsäcke. Draussen ist es sehr windig und auch nicht gerade warm.
In der Nacht haben wir fast kein Auge zubekommen, obwohl wir ziemlich geschafft waren; aber das sind wohl die Tücken der dünnen Luft. Die Weiterfahrt auf den Pass haben wir uns geschenkt, da wir beide mittlerweile doch etwas unter der dünnen Luft litten. Weil ich keine Strecke gerne 2 mal fahre, dachte ich am Anfang, dass sich die Rückfahrt langweilig gestalten würde; aber weit gefehlt. Die Landschaft präsentierte sich in einem völlig anderen Licht und ich hätte die Strecke wahrscheinlich kaum wiedererkannt, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich Tags zuvor hier schon mal langgefahren wäre. Am Rastplatz des Vortags filterte ich nochmal ein paar Liter Wasser und wir betankten Corinnas AT aus den Reservekanistern die ich an meine AT montiert hatte. Über Diego de Amagro fuhren wir bis Chanaral an die Küste. Hier hofften wir in Strandnähe ein hübsches Fischrestaurant zu finden, aber die Stadt entpuppte sich als reine Industriestadt an der wir nichts hübsches entdecken konnten. Also ging es mit frischen Vorräten in den nur 30km weiter und direkt am Meer liegenden Nationalpark Pan de Azucar. Hier hat es uns so gut gefallen, dass wir gleich 3 Nächte an diesem idyllischen Plätzchen verbrachten. Wir genossen die Sonne, den Strand, die Ruhe und den leckeren Fisch, den es in dem kleinen Fischlokal im Dorf gab.
Wir nahmen schweren Herzens Abschied von diesem Ort und fuhren weiter Richtung Antofagasta, 350km langweilige PanAm. In Antofagsta nahmen wir das Hotel St.Martin, nichts dolles aber einigermaßen sauber und mit einem abgeschlossenen Platz für die Motorräder. Abends im Pub lernten wir Hans & Petra aus Bad Tölz kennen. Wir haben viel miteinander gequatscht und getrunken, obwohl es nicht immer einfach war Hans sein „Deutsch“ zu verstehen.
Nach gemütlichem Aufstehen geht es weiter nach San Pedro de Atacama. San Pedro ist ein kleines Dorf, das fast nur vom Tourismus lebt, aber dennoch etwas von seinem ursprünglichen Charme behalten hat. Unsere Unterkunft fanden wir in der „Casa Adobe“. Wir wunderten uns über die hohe Zahl an Sicherheitskräften im Dorf und erfuhren später, dass Stephanie von Monaco hier einen Tag in einem Luxushotel verbrachte. Wir verbrachten 5 Nächte in San Pedro und unternahmen mehrere Ausflüge in die Umgebung. Die Laguna Chaxa im Salar de Atacama war unser erstes Ziel. Hier gibt es ein paar Flamingos und halt viel Salz zu sehen. Wir wurden auf abgesteckten Wegen durch ein relativ kleines Areal geschleust und waren darüber doch etwas enttäuscht. Durch die enorme Hitze und meine Darmprobleme, die ich seit dem gestrigen Tag hatte, war ich etwas geschlaucht und Corinna hatte Mühe mich zur Weiterfahrt zu überreden. Zum Glück hat sie es geschafft. Die Felsmalereien in Peine haben uns zwar nicht vom Hocker gerissen, aber die – über eine zum Schluss ziemlich miese Piste – zu erreichenden und in 4.300m liegenden Laguna Miscanti und Laguna Miniques waren ein Traum, unmittelbar nebeneinander liegende, tiefblaue Seen inmitten karger Gebirgslandschaft. Nach 300 km merkte ich dann doch mein durchgesessenes Hinterteil und ließ dieses dann in der Hängematte vor unserem Zimmer etwas „abhängen“.
Für den nächsten Tag standen die El Tatio Geysire auf dem Programm. Um die volle Schönheit dieses Naturschauspiels genießen zu können muss man bereits um 6 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, dort sein. Wir buchten eine Tour mit einem Kleinbus, da wir keine Lust hatten bei Dunkelheit selbst zu fahren. Nach 2 Std. Fahrt stiegen wir bei 10 Grad Minus aus dem Kleinbus und waren froh die dicken Moppedklamotten inkl. Wollmütze an zu haben. Das eigentliche Schauspiel beginnt dann mit dem Sonnenaufgang. Die Dampfwolken der vielen kleinen Geysire werden angestrahlt und es bieten sich fantastische Fotomotive. 1 Stunde später ist alles vorbei, denn der Boden hat sich von der Sonne soweit erwärmt, so dass kaum noch ein Rauchwölkchen aus den Erdlöchern steigt. Die Geysire sind dann nur noch akustisch in Form von Blubbern und Zischen wahrnehmbar. Abends treffen wir unseren morgendlichen Guide Edison wieder und laden ihn zum Essen ein. Es wird ein schöner Abend und wir erfahren etwas über Land und Leute in Chile.
Am kommenden Tag lasse ich meinen gebrochenen Gepäckträger schweißen und den Rest des Tages verbringen wir mit Faulenzen und einem Museumsbesuch.
Heute, am 2.12.03, haben wir wieder komplett aufgerödelt, denn wir wollen nach Bolivien zur Laguna Verde und zur Laguna Colorada. Beide Seen sind bekannt für ihr Farbschauspiel, je nach Sonneneinstrahlung verändern sich wegen der Algen im Wasser die Farben der Seen. Die Laguna Verde wird grün und die Laguna Colorado rot. Wir fahren über einen 4.600 Meter hohen Pass ehe wir die Bolivianische Grenzstation erreichen. Die Piste zur Laguna Verde ist stellenweise sehr sandig und verspurt. Ich habe Spaß, während Corinna mit ihrer Twin schwer zu kämpfen hat, einige mal „Bodenkontakt“ aufnimmt und ernsthaft an ihren Fahrkünsten zweifelt. Wir erreichen die Laguna Verde, aber beschließen die Laguna Colorada zu streichen; wir wollen die Gefahr ja nicht herausfordern zumal wir uns nicht auf der A1 befinden, wo jederzeit mit Hilfe zu rechnen ist. Ausserdem müssen wir uns nichts mehr „beweisen“. Ich fahre mit meiner Twin noch ein bisschen an der Laguna Verde herum um ein paar Fotos von dem mittlerweile fast kpl. grün eingefärbtem Wasser zu machen, bevor wir wieder nach San Pedro zurückfahren. Wir nisten uns wieder in der Casa Adobe ein und bekommen das gleiche Zimmer, das wir erst morgens verlassen hatten.
Am nächsten Morgen klingelt um 7 Uhr der Wecker, denn wir wollen uns um 10 Uhr in Chuquicamata den größten Kupfertagebau der Welt ansehen. Wir waren pünktlich, aber die Führung begann erst um 14 Uhr. Das sind halt die kleinen Unterschiede zwischen Reiseführer und Realität. Die Führung war sehr interessant. Die staatliche Minengesellschaft Codelco fördert hier seit Jahrzehnten das Erz und hat ein Riesenloch gebuddelt, 2 x3 km und 850m tief! Das Erz wird von monströsen LKW’s aus dem Loch transportiert. Die Reifen der neusten Wagen haben einen Durchmesser bis zu 4 Metern zu einem Preis von 15.000$ pro Reifen. Die LKW’s können 400!! Tonnen laden. Selbst wenn man sich jetzt die Größe eines hiesigen 40 Tonners vor Augen hält lässt sich die Größe dieser Monster kaum erahnen. Die Kehrseite der Medaille ist die ernorme Umweltverschmutzung. Das Trinkwasser der gesamten Region ist bereits Arsenverseucht und ungenießbar. Dieser Punkt wurde natürlich in der Führung nicht erwähnt, sondern immer nur auf die sozialen und wohltätigen Ausgaben des Konzerns hingewiesen. Abends fanden wir etwas nördlich von Tocopilla ein romantisches Plätzchen an der Küste. Wir ließen das Moskitonetz vom Zelt wegen der Hitze etwas offen und bekamen prompt Besuch. Eine kleine Echse krabbelte irgendwann in der Nacht über meinen Hals und verschwand erst am Morgen kurz vor dem Aufstehen. Auf der Routa 1 fuhren wir an der Küste entlang bis Iquique. Dort lernten wir den Präsi des dortigen Motorradclubs kennen, der uns ein Hotel vermittelte und in seiner mit Harleys und alten Autos gefüllten Garage unsere Motorräder übernachten ließ. An der nächtlichen Ausfahrt mit dem Motorradclub nahmen wir nicht teil, weil wir einfach zu müde waren und das ganze mit Sicherheit in einem Gelage geändet hätte. Die Strecke von Iquique nach Arica war landschaftlich mal wieder etwas abwechslungsreicher. Ca 40km vor und hinter Cuya blicken wir auf riesige begrünte Täler. Wie jede größere Stadt kündigte sich auch Arica schon etliche km vor der Stadtgrenze durch riesige Werbetafeln an. In Arica kamen wir in dem Hotel Marie Jean & David unter. Arica hat uns von allen Städten mit am besten gefallen. Südländisches Flair, Strände, Fußgängerzonen, Cafes, Eisdielen mit superleckerem Eis und vielen gemütlichen Restaurants mit ausgezeichneten Fischgerichten. Im Hafen von Arica kann man Seelöwen und Pelikane beobachten, die einem fast aus der Hand fressen.
Am 2. Tag in Arica stand etwas Kultur auf dem Programm. Wir besuchten das Archäologische Museum und schauten uns die in der Umgebung zahlreich vorkommenden Geoglyphen an. Das sind riesige aus Steinen gelegte Symbole und Zeichen an den Berghängen. Arica hat auch einen „Hausberg“, den Moro, von dem man einen ausgezeichneten Überblick über die ganze Stadt hat. Etwas außerhalb von Arica entdeckten wir dann ein schönes Plätzchen am Strand, welches wir uns für die Rückfahrt von Peru/Bolivien für unser Zelt vormerkten.
40 km nördlich von Arica empfängt uns ein freundlicher chilenischer Grenzbeamter. Wir legen die obligatorischen Papiere vor, aber er will noch eins haben. Fragend schauen wir uns gegenseitig an, ob wir nun doch ein Carnet de Passage brauchen (Informationen in Deutschland widersprüchlich). Aber er hält uns ein anderes Stück Papier vor und erklärt uns, dass dies ein spezielles Dokument sei, welches nur hier (Arica – Tacna) notwendig sei. Man würde es in Arica auf dem Markt bekommen. Nachdem wir ihn ein wenig ungläubig angesehen haben, meinte er, wir sollen einen Moment warten, da die Taxifahrer üblicherweise welche dabei hätten. Und tatsächlich kam er nach 10 Minuten wieder mit der freundlichen Aufforderung dies Dokument pro Motorrad in 4facher Durchschrift (Kohlepapier hatte er aber leider nicht) auszufüllen. Eine Durchschrift behielt die chilenische Grenze. An der peruanischen benötigten die anderen drei dann jeweils 6 Stempel bevor wir nach Tacna weiter fahren konnten. Dort fragte Corinna einen Passanten nach der Möglichkeit Geld zu tauschen. Es wurde jemand herbeigerufen, der sich als „authorisierter“ Geldwechsler auswies (!?!) und uns neben dem üblichen Wortschwall und Fragen „de donde vienen?“ „de donde van?“ gegen Dollar Pesos gab. Als Corinna währenddessen den Helm abnahm, stoppte der Wortschwall für mehrere Sekunden – entweder staunte er ob der Tatsache mit einer Frau gesprochen zu haben oder einfach nur ob der langen blonden Haare.
Eine „Höhenakklimatisationsnacht“ und einen Pass mit 4.955 m später liegt er dann vor uns, der TITICACASEE. Grün und blau schimmert er in der Sonne gegen den blauen Himmel – im Prinzip ein See wie andere auch, aber auf rd. 3.800 m gelegen ist er der höchste beschiffbare See der Erde und der nördlichste Punkt unserer Reise. Den See teilen sich die Länder Peru und Bolivien zu fast gleichen Teilen. Wir fahren nach Puno (Peru) am westlichen Ufer des Sees und nehmen das Hotel, was uns ein Mann auf der Strasse empfiehlt, sein eigenes. Einfach aber sauber und mit einem Stellplatz für die Motorräder im Hof.
Die Stadt ist voll von Menschen, Karren, hupenden Autos und Ständen. Die Märkte erinnern uns an Marokko, bunt, aufgeteilt nach Bereichen und mit einem absoluten Überangebot von Gemüse und Obst. Hinter den Ständen sitzen Frauen in ihrer bunten Tracht, die Kinder spielen in Sichtweite und betrachten uns mit ihren schwarzen Augen mit einer Mischung aus Neugier und Angst. Wir wissen nicht nur, dass wir Fremde sind, sondern fühlen uns hier auch so, das Land ist anders, fremd. Es ist interessant, aber hier gehört man als Europäer nicht hin.
Bei meiner Twin hatte ca. 50 km vor Puno der Spannungsregler das Zeitliche gesegnet (Ersatz war mitgenommen) und die 30 Ampere Hauptsicherung hatte ich bei der Demontage des Reglers zerschossen. Also läuft Corinna morgens los um eine solche zu bekommen. Die „Branchen“-Aufteilung erleichtert die Suche, da sich alle Geschäfte/Stände in einer Strasse befinden. Zwar nicht ganz offensichtlich, aber irgendwo hinten im Laden scheint es alles zu geben, was man so braucht, also kommt sie nach einer halben Stunde erfolgreich mit Sicherung, Kabelschuhen und einem neuen Benzinfilter wieder. Letzterer gleicht zwar mehr einem Danone-Joghurtbecher, aber er passt und tut seinen Dienst auf dem Rest der Reise.
Wir besuchen die schwimmenden „Uros“-Inseln. Die Insel selbst, wie auch die Hütten auf den Inseln sind komplett aus Schilf, welches den Titicacasee am Ufer säumt. Die eigentlichen Ureinwohner sind irgendwann in den 50er Jahren ausgestorben, aber Aymara-Indianer haben die Tradition übernommen, wenn auch manchmal nur der Touristen wegen. Dennoch ist es ein Erlebnis im Gegensatz zu der quirligen und lauten Stadt hier die Ruhe der Menschen und die Stille auf dem See zu genießen.
Nach drei Tagen fahren wir am südlichen Ufer des Titicacasees Richtung Osten nach Bolivien. Der Grenzübergang ist wiederum unproblematisch, die Formulare kennen wir schon und die Grenzer sind hilfsbereit und freundlich. Kurz hinter der Grenze kommen wir nach Copacabana. Ein kleines, angenehmes touristisches Dorf direkt am See und mit kleinem Sandstrand. Wir beziehen unsere „Luxussuite“ mit eigener Terrasse und Blick auf den See für 10 € die Nacht. Am Strand stehen mehrere Fisch(er)buden, die Trucha (Forelle) und Pejerrey (Königsfisch) für kleines Geld lecker zubereiten. Unter dem Sonnenschutz lassen wir uns den Fisch und das Bier schmecken, genießen die Strandatmosphäre und lassen es uns bei angenehmen Temperaturen und Sonne gut gehen.
Die morgendliche Fahrt mit dem Boot zur Isla del Sol (Sonneninsel – alte Inkastätten) ist kühl. Als wir endlich ankommen, macht die Insel ihrem Namen alles Ehre, die Sonne brennt vom Himmel. Nach einer 1 stündigen Wanderung zur Inkastätte wollen wir für den Rückweg einen anderen Weg einschlagen. Mangels Wegbeschilderung schaffen wir es aber nicht mehr zur rechten Zeit am Boot zu sein, welches uns zum südlichen Hafen der Insel bringen soll. Also müssen wir zwangsläufig in den Süden der Insel wandern (rd. 10 km), was auf 3.800m, bergigem Gelände und Motorradjacke in praller Sonne ganz schön anstrengend ist. Dennoch war es schön, da wir reizvolle Blicke auf den See und die Landschaft hatten.
Einen Faulenzertag auf unserer Sonnenterrasse, eine abenteuerliche Bretterfähre und eine ungewollte Fahrt quer durch den Markt von El Alto später, stehen wir (ganz bewusst am Sonntagmittag) am Rand des Hochplateaus und schauen auf LA PAZ runter. Ein gigantischer, an steilen Bergen gebauter Moloch mit 1,3 Mio. Einwohnern, dicht gebauten Häusern, chaotischem Stassenverkehr und Armenvierteln. Wir finden unser Hotel fast auf Anhieb, fahren die Motorräder in den Hof und stürzen uns ins Getümmel von Menschen, Hochhäusern, Strassenständen, Souvenirgeschäften, Pollobuden, überfüllten und rücksichtslosen Bussen und Autos. Erstaunlich schnell gewöhnen wir uns an die Art der Stadt und finden Lust zum Bummeln, Frisörbesuch, Stadtbesichtigung und Pollo essen. Mangels Platz in unseren Motorradkoffern beschränken sich unsere Einkäufe (leider) nur auf Kleinigkeiten, denn wir hätten angesichts der verschiedentlichen Handwerksarbeiten (Bilder, Pullover, Jacken und Wandteppiche aus Alpakafell, Silberschmuck, Geschirr etc.) zu Spottpreisen auch einen 40 Tonner mit wunderschönen Sachen voll bekommen. Als wir am Abreisetag dann über 2 Stunden brauchen um aus der Innenstadt (!) raus zu kommen, hätte Corinna ihre AT (und mich gleich mit) wohl am liebsten gegen einen 40 Tonner eingetauscht. Aber sie hat sich’s dann doch anders überlegt und es ging über viele Kilometer auf dem Altiplano und am Lago Chungara (höchster See der Erde) vorbei wieder nach Arica (Chile) zurück.
In Arica stellten wir unser Zelt direkt am Strand auf und konnten so nochmal der Brandung des Pazifiks lauschen. In der Nacht schlief ich schlecht, denn der Boden gab in der Nacht noch so viel Hitze ab, dass ich dachte ich läge in einer Bratpfanne. Von Arica fuhren wir in einem Rutsch bis Antofagasta (750km) durch. Hier angekommen steuerten wir das gleiche Hotel an, das wir auch schon auf der Hinfahrt hatten. Diesmal war es jedoch nicht einfach ein vernünftiges Zimmer zu bekommen. Im 1. Zimmer funktionierte die Toilettenspülung nicht, im 2. gab es überhaupt kein Wasser, das 3. Zimmer war schon vermietet (was die umherliegenden Kleidungsstücke verrieten) doch zu guter letzt bekamen wir dann eins, in dem es wenigstens Kaltwasser gab.
Am nächsten Tag, beide mit offenen Endurohelmen unterwegs, kamen wir in den vollen Genuss einer Gesichts-Sandmassage (Sandsturm). Darfür fanden wir abends ein traumhaftes Fleckchen am Strand für unser Zelt und schmiedeten dort die ersten Pläne für unser diesjähriges Weihnachtsfest. Valparaiso sollte der Ort sein, an dem wir Weihnachten verbringen wollten, aber dazu später mehr.
Am nächsten Tag versuchten wir südlich von La Serena wieder ein schönes Plätzchen für unser Zelt am Strand zu finden. Notgedrungen landeten wir auf einem Zeltplatz, denn die ganze Küste ist eingezäunt und bietet keine Chance die Straße zu verlassen. Die Campinggebühren konnten wir wenigstens noch von ganz unverschämt auf ein bisschen unverschämt runterhandeln.
In Valparaiso kamen wir am 21.12. an und mussten erst einige Zeit im Kreis fahren, ehe wir eine der im Reiseführer aufgeführten Unterkünfte gefunden hatten. Wir kamen dann bei einem liebenswerten Bombero (Feuerwehrmann) unter, der einige Zimmer seiner Wohnung vermietet.
In den nächsten beiden Tagen haben wir Valparaiso, und auch den, für chilenische Verhältnisse noblen Badeort, Vina del Mar erkundet. Valparaiso hat uns aufgrund seiner Architektur und der vielen kleinen verwinkelten Gassen in der Altstadt auf jeden Fall besser gefallen. Zu einer Weihnachtsfeier in Valparaiso sollte es dann aber nicht kommen. 2 1/2 Tage Großstadt mit Gestank, ständigem Gehupe und der ganzen Hektik hat uns gereicht. Kurzentschlossen kauften wir ein paar leckere Sachen für ein Weihnachtsmenü, packten die Moppeds und fuhren weiter gen Süden. Am Heiligabend landeten wir südöstlich von Talca am Lago Colbun. Wir durften unser Zelt bei einem Bauern auf der Wiese, direkt am See, aufschlagen. Nach einem ausgiebigen Bad im See begannen wir mit den Vorbereitungen für unser Festmahl. Saftige Steaks, frisches Gemüse, eine gute Flasche Wein und zum Abschluss frische Erdbeeren. Ein herrliches Weihnachtsfest. Kein Konsumterror, keine Hektik, keine Großstadt, die einen erdrückt, sondern einfach nur Corinna und ich unter freiem Himmel.
Der Route 5 folgten wir am nächsten Tag bis Victoria. Hier bogen wir gen Osten ab um in das Chilenische Seengebiet zu gelangen. Bei Lonquimay landeten wir in einer von Schweizern geführten Unterkunft (La Suizandina) mit angeschlossenem Zeltplatz. Wir kamen bei herrlichstem Sommerwetter dort an und am nächsten Morgen zeigte das Thermometer 25 Grad weniger an, bei leichtem Schneefall. Wir blieben einen Tag und lernten dabei Marco (www.sima.li) kennen, der mit seiner Freundin und zwei F650GS, über Wladiwostok und Japan hierher gelangt ist. Er gab uns die Empfehlung das Seengebiet von der argentinischen Seite aus zu erkunden, was sich als super Tipp (Danke Marco) erwies.
Von Lonquimay ging es über relativ gute Pisten durch den Reserva Nacional Lago Gualletue und China Muerta bis kurz vor Pucon, dem St.Moritz der Chilenen. Nach leichtem Schneefall am Morgen war das Wetter wieder zur Höchstform aufgelaufen und wir genossen 25 Grad und blauen Himmel. Wir fuhren ein Stück den Vulcan Villarica hinauf von dem man eine herrliche Aussicht über das Seengebiet hat. Nachmitags ließ ich auf Corinna’s AT für umgerechnet 3 Euro den neuen Hinterradreifen aufziehen.
Wir verabschiedeten uns von Pucon, um über den Paso Mamuil Malal nach Argentinien eizureisen. Der Pass ist mit 1.200 m nicht sehr hoch aber landschaftlich ein Traum. Eine lange Zeit hatten wir den Vulcan Lanin mit seinem weißen „Hut“ im Blickfeld. In San Martin de Los Andes, einem richtig hübschen kleinem Städtchen, das unter anderem durch sein Schokoladenhandwerk bekannt ist, legten wir eine ausgiebige Pause ein. Kurz hinter San Martin fanden wir dann ein Camp an einem See. Von hier aus folgten wir dem Routenvorschlag von Marco nach San Carlos de Bariloche. Die Strecke war ein absoluter Traum. Wir passierten unzählige tiefblaue Seen mit schneebedeckten Bergzügen im Hintergrund. Nicht nur das Auge sondern auch die Nase wurde von riesigen blühenden Ginsterbüschen und blühenden Lupinien verwöhnt. In Bariloche, dem Haupturlaubsgebiet der argentinischen Oberschicht, holte uns der Tourirummel voll ein. An wildes Campen ist hier nicht zu denken, so suchten wir den von Marco empfohlenen Campingplatz (Petunia) auf. Jeder Stellplatz hat hier eine eigene gemauerte Grillstelle, was wir direkt nutzten, denn das beste Stück Fleisch kostet ca. 4 Euro/kg, ein Paradies für Steakesser. Wir unternahmen in den nächsten Tagen einige Exkursionen in die Umgebung und waren überwältigt von der Schönheit dieser Landschaft. Ein Abstecher zu der kleinen Landzunge auf der Llao Llao liegt, kann ich besonders empfehlen. Auf dem Zeltplatz feierten wir mit einer Flasche Sekt auch den Jahreswechsel nach 2004.
Neujahr sollte es dann weiter gen Süden gehen, jedoch kamen wir nur ein paar Kilometer weit. Einmal nicht aufgepasst und zuviel in der Landschaft herumgeschaut und schon hing ich mit meinem Vorderrad in Corinnas Packtasche. Der Träger hatte sich so stark verbogen und war an 2 Stellen gebrochen, dass eine Weiterfahrt nicht möglich war, also ganz langsam zurück zum Zeltplatz. Zur Reparatur landeten wir in einer kleinen Garage eines Rentners, der uns empfohlen wurde. Obwohl er kein Autogenschweißgerät besaß, beteuerte er immer wieder „No Problemo“. Anfangs war ich ziemlich skeptisch, aber nach 2 1/2 Stunden biegen, flexen, schweißen und immer wieder anpassen sah der Träger fast aus wie neu – und er hat den Rest des Urlaubs gehalten! Corinna und ich überlegten uns schon was das wohl kosten würde, aber mehr als umgerechnet 9 Euro wollte er für seine Arbeit nicht nehmen. Den Tip uns nicht von Einheimischen übers Ohr hauen zu lassen, gab er uns noch kostenlos mit auf die Reise. ;-)) Der 2. Versuch, Bariloche zu verlassen, funktionierte dann unfallfrei.
Unser Nachtquartier fanden wir am Lago Futalafquen. Spätabends mussten wir nochmals mit Sack und Pack umziehen, denn die meisten argentinischen Jugendlichen kämen niemals auf die Idee, dass laute Musik bis spät in die Nacht, irgendjemanden stören würde. Von Esquel gings über Futaleufu wieder nach Chile rein und Richtung Carretera Austral. Wir folgten lange Zeit dem Rio Futaleufu und später habe ich es bereut, dass wir dort nicht zum Raften geblieben sind. Ich dachte, dass sich diese Möglichkeit auch später nochmal bieten würde, aber dem war nicht so. Der Rio Futaleufu, so erfuhren wir später, ist ein absolutes Rafting-Eldorado und Insider stufen ihn zu den besten 5 Flüssen der Welt ein. Schade, man(n) soll doch alles immer direkt mitnehmen. Am Lago Yelcho suchten wir einen Platz für unser Zelt, als uns Stefan und Claudia wild gestikulierend entgegenkamen, sie hatten sich in dieser einsamen Gegend mit ihrem Pickup festgefahren! Wir waren für die Beiden wahrscheinlich ein Geschenk des Himmels und als Belohnung für die geglückte Bergungsaktion spendierten sie am Lagerfeuer eine Runde Bier aus ihren Vorräten.
Tags drauf war sie da, DIE Carretera Austral. Der Name klingt irgendwie gewaltig und so hatte ich mir sie auch vorgestellt. Gewaltig, breit und unendlich lang. Unendlich lang ist sie auch, aber an vielen Stellen nicht breiter als ein heimischer Waldweg. Je weiter wir gen Süden fuhren desto abwechslungsreicher wurde die Flora und Fauna. Riesige Farne, und Gewächse mit riesigen rhabarberählichen Blättern begleiteten uns am Straßenrand. Wir befanden uns im sogenannten kalten Regenwald. An einigen Stellen war die Carretera gerade frisch geschoben und geschottert, eine wahre Herausforderung an Mensch und Maschine. 60 km vor Puerto Aisen fanden wir direkt an einem Fluss wieder ein schönes Plätzchen für unser Zelt.
Am nächsten Tag buchten wir eine Fährpassage auf einem Versorgungsschiff zur (wieder im Norden liegenden) Isla Chiloe. 2 1/2 Tage dauerte die Fahrt durch die Chilenische Fjordlandschaft, bis wir Quellon auf Chiloe erreichten. Die gebuchten Pullmansitze nahmen wir nur tagsüber, zum Aufwärmen, in Anspruch. Zum Schlafen suchten wir uns ein Plätzchen an Deck. Es war zwar frisch und extrem windig, aber unsere Schlafsäcke sorgten für wohlige Wärme.
In Quellon werden wir um 5 Uhr von der Fähre entlassen. Es ist noch stockdunkel und bitterkalt. Dem Geruch folgend entdecken wir eine Backstube und können dort ein paar frische, warme Brötchen ergattern. An der Hafenpromenade kochen wir nen Kaffee um endlich ein bisschen aufzutauen. Abends in Ancud, am Nordzipfel der Insel, angekommen, stellen wir fest, dass wir uns die Insel (die von vielen Reisenden empfohlen wird) auch hätten sparen können. Stattdessen wären wir besser noch ein bisschen weiter die Carretera Austral gefahren, was landschaftlich mit Sicherheit reizvoller gewesen wäre. Mit der Fähre verlassen wir die Isla Chiloe Richtung Puerto Montt. Dort sehen wir einen Handwerkermarkt und können nicht verhindern, dass hier wieder ein paar Souvenirs in unseren Packtaschen landen. Gestärkt von frischem Seelachs geht es am Lago Llanquihue entlang nach Ensenada. Hier finden wir einen hübschen kleinen Zeltplatz mit richtig sauberen Sanitäranlagen, was in Südamerika selten ist. Corinna bucht noch am gleichen Tag einen Pferdeausritt für den nächsten Morgen. 3 1/2 Stunden dauert der Ausflug und ich habe mich wacker im Sattel gehalten. Meinen ersten Pferdeausritt unternahm ich 1995 auf Island und dort wäre ich fast kopfüber in einen See gefallen.
Abends waren wir in netter Gesellschaft, Peter, mit einer KTM alleine unterwegs, Jürgen, der schon auf vielen Luxuslinern Küchenchef war, und seine chilenische Frau Claudia. Jürgens Leidenschaft ist das Kochen und er ließ es sich nicht nehmen uns ein richtig zünftiges Assado (Barbecue) zuzubereieten. Der Abend ist lustig und lang. Jürgen freute sich am meisten, er konnte endlich mal wieder deutsch sprechen! Seine Frau sprach kein deutsch, er kein spanisch, so dass deren Amts- bzw. Ehesprache bisher Englisch war.
Entlang der Nordseite des Lago Llanquihue fuhren wir wieder zur Pan Am. In Los Lagos verließen wir diese langweilige Strecke um über Panguipulli, am Lago Calafquen entlang, den kleinen Ort Conaripe zu erreichen. Von hier konnten wir die Schönheit des Vulcan Villarica von der Südseite aus betrachten. Klar und deutlich sind die Qualmwolken, über dem noch aktiven Vulcan, zu sehen. In Conaripe haben wir einen Faulenzertag eingelegt,  Baden, Sonnen, Lesen und Pläne für die nächsten Tage schmieden. Über Lican Ray, Villarica und Pitrufquen erreichten wir wieder die Routa 5 um sie in Los Angeles wieder zu verlassen. Wir hatten vor, von dort den östlich gelegenen Paso Pichachuen, Richtung Argentinien zu überqueren, um von dort aus nach Mendoza zu gelangen. Laut Reiseführer endet die Piste kurz vor dem Pass; in unserem Kartenmaterial war jedoch eine durchgehende Piste eingezeichnet. Um Klarheit zu erlangen, erfragten wir in Los Angeles bei den Carabinieros den Pistenzustand, „No Problemo“, schließlich sei das ja eine Hauptpiste! Corinna war beruhigt, ich hatte so meine Zweifel. Also ging es weiter bis Antuco, ca. 100 km vor dem Pass, wo wir an einem Fluss ein Nachtlager fanden.
Bei bestem Wetter nahmen wir am nächsten Morgen die Piste in Angriff. Nach ca. 40 km erreichten wir eine Conaf Station Wat Nu(Chilenischer Forstverband), auch hier erhielten wir die Auskunft „No Problemo“. Nach weiteren 40 km standen wir dann jedoch vor einem breiten Gletscherfluss, die Reste einer Brücke lagen zerstreut ca. 200 m weiter flussabwärts. Wat nu! dachten wir und hielten Kriegsrat. Zurückfahren wollten wir beiden nicht, also durch! Um erst einmal abschätzen zu können, was uns erwartet, ließ ich die Hosen fallen und wir wateten gemeinsam mit Motorradstiefeln durch den Fluss. Wir entschieden, uns linksseits der Fahrrinne zu halten, dort lagen zwar dickere Steine, aber es war nicht so tief und die Strömung war dort nicht ganz so stark. Nachdem das Gepäck abgeladen war, und sich die erste Twin bereits auf der anderen Flussseite befand, hielt ein Pick Up neben uns an. Der Fahrer berichtete von zwei weiteren Flüssen die noch zu durchqueren wären, aber das wäre „No Problemo“, wir nahmen es gelassenl. Unser ganzes Gepäck konnten wir auf den Pick Up laden, so brauchten wir es wenigstens nicht durch den Fluss schleppen. Mit freundlichen Worten und einem breiten Grinsen verabschiedete sich der Fahrer von uns. Bevor wir die beiden anderen Flüsse erreichten, die wirklich nicht so tief waren, „durfte“ ich nochmal Corinnas Hinterradreifen flicken. Als wenn wir nicht schon genug mit dem Furten zu tun gehabt hätten. Bei den weiteren Furten luden wir das Gepäck nicht mehr ab und Corinna lotste mich im Flussbett an den dicken Steinen vorbei. An der chilenischen Grenzstation wurden wir schon mit einem Lächeln erwartet. Die Abfertigung verlief auch hier absolut reibungslos und so konnten wir nach nur kurzer Zeit weiter fahren. Die Fahrt über den Paso Pichachuen war ein landschaftliches Highlight und wir waren froh diese positiven Strapazen auf uns genommen zu haben. In Sichtweite der argentinischen Grenzstation schlugen wir unser Zelt wiederum an einem Fluss auf. Bis auf die Sand-Flies, die uns fast aufgefresen hätten, war es hier ganz romantisch. Da uns die Grenzer jedoch erspäht hatten wurden wir bestimmt aber sehr freundlich aufgefodert die Grenzformalitäten noch an diesem Abend zu erledigen.
Am nächsten Morgen fuhren wir über eine traumhafte Piste bis nach Chos Malal in Argentinien. Hier ließ ich mir meinen neuen Hinterradreifen auf die AT aufziehen und anschließend suchten wir noch den örtlichen Schuster auf, weil sich Corinnas Motorradstiefel in „Schnabeltiere“ verwandelt hatten. Von Chos Malal ging es auf der Routa 40 (laut Kartenmaterial, nur Asphalt) weiter Richtung Mendoza. Corinna war froh darüber, hatte sie doch mächtig zu tun gehabt mit ihrer schweren AT mit kaputtem Lenkkopflager und den immer mal wieder zu kurzen Beinen. In Barrancas verbrachten wir mit Peter und Ingrid (Rentner mit Wohnmobil unterwegs) einen langen und feucht fröhlichen Abend mit sehr guten Gesprächen.
Dass Kartenmaterial und Realität weit auseinanderklaffen können, erfuhren wir am nächsten Tag. Ab Barrancas war die Routa 40 auf den nächsten 160 km in einem so miesen Zustand, dass wir sie zur fast schlechtesten Piste unseres Reisetripps küren konnten. In Malargüe, auf dem Camping Municipal angekommen, mussten wir feststellen, dass zeitgleich ein Motorradtreffen stattfand. Die Biker hatten nichts anderes im Sinn, als bis spät in die Nacht ihre Motoren aufheulen zu lassen und denjenigen zu küren, der die besten Burnouts hinlegt. Über San Rafael, einem der größten Weinanbaugebiete Argentiniens und San Carlos, wo wir nocheinmal übernachteten, erreichten wir am19.01. Mendoza. Ein bezahlbares Hotel zu finden war gar nicht einfach. Die meisten Mittelklassehotels waren ausgebucht. Das Hotel Laser, was Corinna dann nach rd. 1 Std. fand, war zwar ziemlich runtergekommen, aber mehr als ein Schlafplätzchen für uns und die Motorräder wollten wir ja auch nicht. Den Verkehr in Mendoza hatte ich mir viel chaotischer vorgestellt (so wie in Santiago oder La Paz) aber hier scheint ein eigenes Auto noch ein echter Luxus zu sein. Min. 70% der Fahrzeuge sind Busse und Taxen. 3 Tage ließen wir es uns in Mendoza richtig gut gehen. Es gibt jede Menge Restaurants, Bars und Eisdielen mit fantastischem Eis. Überrascht waren wir von dem vielen Grün in der Stadt. Ganz  Mendoza ist mit einem unterirdischem Kanalisationssystem durchzogen, das die Grünanlagen der Stadt mit Wasser aus den Bergen versorgt.
Weil wir von Peter erfahren hatten, dass ein nagelneuer Mercedes Sprinter hier schon ab 15.000 USD zu haben ist, stellte ich eine Ersatzteilliste für die Twins zusammen und wir machten in der Hoffnung auf günstige Teile auf den Weg zu einem Hondahändler. Nachdem ich allerdings den Preis eines Originalluftfilters erfuhr – 80 USD (!), packte ich meine Liste schnell wieder ein und erklärte unsere alten Luftfilter noch für gut.
Vor Uspallata machten wir Rast an den Thermen von Villavicencio, wo wir als Fotomodelle mit unseren Motorrädern für die einhimischen Touristen herhalten „mussten“. Mit Küsschen, Handshakes und den besten Wünschen für die Weiterfahrt wurden wir verabschiedet. In keinem anderen Land, das wir bis jetzt bereist haben, wurde uns soviel Herzlichkeit und Interesse entgegengebracht wie in Argentinien. Als Deutscher sollte man sich diesbezüglich mal einen Spiegel vor’s Gesicht halten. In Uspallata, das in einem Hochtal in den Anden liegt, verbrachten wir noch einen weiteren Tag. Auch hier wurde nochmal Rafting angeboten, aber der Fluss war so flach und das Wasser sah aus wie Milchkaffee, so dass wir dankend ablehnten.
Auf der Ruta 7, die sich wie eine Autobahn über die Anden Richtung Chile schlängelt, erreichten wir kurz vor der Grenze das ehemalige Thermalbad Puente del Inca. Dieses fotografische Highlight, das mir aus Reiseberichten bekannt war, hatte ich in meiner Urlaubplanung völlig vergessen und war deshalb um so mehr überrascht, als wir plötzlich davor standen. Bis Mitte der 60er Jahre stand hier ein luxuriöses Badehaus, das durch einen Erdrutsch zerstört und mittlerweile von den farbigen Mineralien der Thermalquellen „eingepackt“ wurde.
Unser letztes Highlight auf dieser Tour war die abenteuerliche Serpentinenauffahrt zum Cristo Redentor. Von diesem Aussichtspunkt, 3.800 m Höhe, konnten wir zum letzten mal das fantastische Andenpanorama bewundern. Wissend, dass der Abflugtermin immer näher rückt, verließen wir mit Wehmut und etwas Trauer im Herzen diesen Ort.
Kurz hinter der chilenischen Grenze, in Rio Colorado, machten wir in einem Schullandheim der deutschen Schule von Santiago Quartier und ließen es uns in dieser Idylle noch einen Tag gut gehen. Wir nutzten ausgiebig den Swimming Pool und erfuhren von dem Herbergsvater, der sehr gut deutsch sprach, noch einiges über Land und Leute. Auf der Weiterfahrt nach Santiago blieb Corinna wegen Spritmangel auf der Autobahn liegen. Zuerst dachten wir an einen „Rechenfehler“, aber später stellte sich heraus, daß sich der Benzinhahn im Laufe der Tour gelöst hatte und der Sprit einfach ausgelaufen war.
In Santiago angekommen suchten wir zuerst unsere Spedition auf, um nach dem „Rechten“ zu sehen. Unsere Motorradboxen konnten zuerst nicht gefunden werden aber das wäre „No Problemo“ versicherte man uns. Nach ca. 2 Stunden Sucherei fanden wir sie dann unversehrt in einer großen Lagerhalle.
Am folgenden Tag wurden die treuen ATs für ihre Zuverlässigkeit gelobt, ehe sie zerlegt in den Boxen verpackt wurden. Mehr als eine Unterschrift, mit der wir bestätigten das der Tank leer und die Batterie abgeklemmt ist, brauchten wir nicht zu leisten. Der ganze Papierkram wurde für uns von der Spedition erledigt.
Am 29.01.2004 mussten wir dann endgültig den Tatsachen ins Auge sehen.
Selbst die schönste Reise ist irgendwann mal zu Ende und wir mussten Abschied nehmen von diesem Kontinent, der uns in seinen Bann genommen hat. Die traumhafte Landschaft, die wir auf wunderschön leeren Straßen und Pisten gesehen haben, die Freundlichkeit und die Unkompliziertheit der Leute und die Freiheit, die wir auf dieser Reise empfunden haben werden wir nicht vergessen!
Ungewollt, aber fast zwangsläufig macht sich schon im Flugzeug der Gedanke breit, Wir kommen wieder!!!

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