2002 Algerien Tunesien Bericht

Die Strecke in Algerien besteht zu ca. 1160 km aus Asphalt, und zu 2590 km aus Piste. Hinzu kommen noch die Asphaltkilometer in Tunesien, Frankreich und Deutschland. Die komplette Strecke beläuft sich auf etwa 8600 km.

Freitag 15.11.2002

Morgens um 3 Uhr stand Lothar mit dem Nissan + Hänger mit 8 Motorrädern vor der Tür. Nachdem ich die Haustür bereits hinter mir abgeschlossen hatte viel mir ein, dass ich doch noch meinen Motorradschlüssel mitnehmen sollte. Nach einigen Stunden Fahrt haben wir in Süddeutschland Isa, Ralf und Christian eingesammelt. Klaus, mit seinem nagelneuen MAN mit selbst kreierten neuem Aufbau fährt eine andere Strecke, da er keine Passagiere mehr aufsammeln muss. Klaus, voller Hoffnung diese Tour mal ohne großartige Schraubaktionen zu überstehen musste diese aber kurz darauf begraben: Der Motor hatte kaum noch Leistung, ein Reifenplatzer kam auch noch hi nzu. Eine sehr gute MAN-Werkstatt in Trier diagnostizierte einen kaputten Düsennadelbewgungsfühler. Wozu auch immer dieses „Ding“ gut sein soll, es riss mit 1000 Euro jedenfalls das erste große Loch in die Reisekasse. Das Wetter in Frankreich war unter aller Sau. Es hat wie aus Kübeln geschüttet und die Scheibenwischer hatten alle Mühe für halbwegs freie Sicht zu sorgen. Samstag morgen um 7 Uhr trafen wir dann alle ziemlich übermüdet im Hafen von Marseille ein. Das Wetter hatte sich noch immer nicht gebessert, Das Schiff legte dann mit 2 1/2 Stunden Verspätung um 15 Uhr ab. Nach einem schlechten Abendessen schmeckte das Bier umso besser. Das Frühstück verschlafen, die Baguettes stattdessen genauso ekelig wie das Abendessen, war das einzig genießbare auf dem Schiff der Cafe Creme und das Bier. Es war 15 Uhr als wir mit den Fahrzeugen vom Schiff rollten und uns in den „Kampf“ mit den Zollformalitäten stürzten. Diesmal ging es zu unserem Erstaunen jedoch relativ schnell und wir konnten nach einer Stunde den Zollbereich verlassen. Unser erstes Camp richteten wir im Hafen ein -es regenete noch immer.

Montag 18.11.2002

Nicht nur, dass es die ganze Nacht geregnet, und die Mücken uns mächtig gepiesackt hatten, außerdem mussten wir morgens feststellen, dass wir in der Nacht beklaut worden waren: Ein Kulturbeutel, ein Rucksack, ein Handy, eine teure Uhr und ein paar Kleidungsstücke hatten den Besitzer gewechselt. Den Gang zur Polizei hätten wir sparen können: Unsere Daten wurden auf einem Schmierzettel notiert, der sogleich in den Tiefen einer Schreitischschublade verschwand.

Am nächsten Tag, 10km nordöstlich von Touzeur, stiegen wir auf einem Campingplatz ab, den wir schon vor 2 Jahren besucht hatten. Unsere beiden Anhänger auf denen wir die Moppeds bis nach Tunis transportiert hatten wollten wir hier stehen lassen. Nachmittags bummelten wir durch Touzeur. Nachdem der Muezien aus den Lautsprechern zu hören war, dauerte es nicht mehr lange und die ganze Stadt war wie ausgestorben. Kein Wunder denn es war noch Ramadan und alle Einwohner stürmten nach Hause um etwas zu Essen – bis auf uns, wir gingen leer aus.

Mittwoch 20.11.2002

Wir wollten am Morgen zeitig aufbrechen aber irgendwie kommen wir morgens noch nicht richtig in die Puschen. Es ist halb 11 als wir endlich losfahren. Bis zur algerischen Grenze sind es noch 60 km. Die tunesische Seite passieren wir bereits nach einer Stunde während wir für die algerische Seite 2 Stunden benötigen. Solche Gre nzübertritte sind immer wieder ein chaotisches aber interessantes Erlebnis. Direkt hinter der Grenze fahren wir zur ersten Tankstelle und nehmen Treibstoff auf. Der Tankwart staunte nicht schlecht über die Menge die der MAN schluckt. 1900 Lieter Diesel und 800 Lieter Benzin. Auf die nächsten 130 km waren wir sehr gespannt denn schon an der Grenze und auch an der Tankstelle wurden wir vor steinewerfenden Kindern gewarnt. Es gab eine hitzige Diskussion über das Verhalten unsererseits. Von ganz langsam vorbeifahren und freundlich Winken bis zum agressiven Fahrstil und „zurückwerfen“ war alles dabei. Letztendlich siegte aber dann doch die Vernunft (schließlich sind wir Gast in diesem Land) und wir fuhren sehr langsam durch die Ortschaften und winkten allen Kinder freundlich zu, besonders denen die dann auch schon mal einen Stein zum Wurf bereit hielten. Unser Konzept ging auf und wir passierten die Strecke ohne größere Beulen. Kurz Hinter Eloued schlagen wir wieder unser Camp auf.

Donnerstag 21.11.2002

Am Abend bauten wir noch das große Zelt auf, da es wieder anfing zu regnen. Ein herrliches Schnarchkonzert, bei dem Davor den Ton angab folgte. Trotz frühen Weckens wurde es aber trotzdem wieder 11 Uhr bis wir endlich „on the Road“ waren. Nach einigen Kilometern tauchten neben der Straße die ersten Sandfelder auf und nach und nach verschwand ein Motorrad nach dem anderen darin. Es machte unheimlich viel Spaß, bis Frank mit seiner Twin eine Kombination aus Rolle vorwärts und doppeltem Rittberger hinlegte. Er hatte Glück im Unglück: Er selbst hatte einen kleinen Schock erlitten und war ziemlich fertig. Seine Twin hatte jetzt einen „Kombilenker“, halb Stummel halb Tourenlenker. Nach dem Abendessen holten wir den Schweißbrenner aus dem LKW und richteten den krummen Lenker.

Am nächsten Morgen kommen wir endlich mal früh los. Thomas und Gisi sind mit ihren KTM’s direkt losgebraust, ohne zu wissen wo es hin gehen sollte und waren nach kurzer Zeit nicht mehr zu sehen. Was das sollte wussten wir alle nicht. Nach einer knappen Stunde hatten wir sie dann wieder gefunden. Am Nachmittag erreichten wir einen Militärposten in Hassi Bel Guebbour, der uns die Weiterfahrt auf geplanter Strecke aus unerklärlichen Gründen verweigerte. Wir mussten einen Umweg über eine ziemlich miese aber landschaftlich wunderschöne Piste fahren. Nach einigen km standen wir an einer ziemlich hohen Abbruchkante, wir dachten zuerst, dass die Piste hier zu Ende sei,  aber nach einigem Suchen fanden wir doch einen Einstieg in den Talkessel und schlugen kurze Zeit später unser Camp auf. Die erste Urlaubswoche war fast vorüber und so beschlossen wir heute mal einen „Duschtag“ einzulegen. Das große Zelt wurde mit unserer Duschausrüstung, Gartenschlauch mit Gardenabrause, Kochtopf und einer kleinn Tauchpumpe, ausgestattet. Vor dem Duschen hatten wir aber noch viel mit den Motorrädern zu tun. An einigen KTM’s wurden neue Crossreifen aufgezogen und Davor wechselte an seiner DR650 die Kupplung. An meiner Twin waren auch die ersten Schäden zu beklagen: Aussetzer in der Elektrik (mal wieder ein loses Massekabel an der Batterie), die Tachowelle hatte ihren Geist aufgegeben und der vordere Kotflügel hing von nur noch einem Kabelbinder gehalten halb neben dem Mopped. Auf eine erneute Montage des Kotflügels verzichtete ich, denn es ging auch ohne.

Samstag 23.11.2002

Die Handgriffe spielten sich so langsam ein und so kamen wir früh los. Doch nach ca. 20 km fielen wir einer Militärkontrolle im wahrsten Sinne des Wortes „in den Rücken“. Die Container der Militärs standen mitten auf der Piste, welche mit Sicherheit schon lange nicht mehr befahren wurde; so war die Verwunderung groß als wir aus dieser Richtung kamen. Mit Stylos und ein paar Zigaretten war es jedoch kein Problem weiterzufahren. In Zaouia Sidi Moussa wurden wir von vielen Kindern belagert und bewundert. Die Jungs waren hauptsächlich an der Technik interessiert, wollten probesitzen und alle Schalter mal bewegen. Auf die Mädchen musste man aufpassen: von vorne wurde man mit unschuldigen Augen angelächelt und gleichzeitig öffneten sie mit ihren Fingern alles was nicht niet- und nagelfest war, um irgendetwas zu stiebitzen. Nachdem wir auch das OK der örtlichen Polizei hatten, ging es endlich in die Dünen. Auf den ersten paar km gab es reichlich Weichsandfelder zu durchqueren. Wenn man weiß, wo der Gasgriff ist, kein Problem. Aber einen mächtigen Adrenalinschub bekam ich, als ich mit ca. 80 km/h in ein Dünenfeld, das aus nur ca. 40-50cm hohen, aber dicht aneinanderstehenden Dünen, reingefahren bin. Das ganze erinnerte mich an „Rodeoreiten“. Für kurze Zeit hing ich waagerecht auf dem Mopped, nur noch mit den Händen am Lenker. Die Landung war zum Glück perfekt: Hintern auf Sitzbank und Füße auf den Rasten. Für kurze Zeit ließ ich es danach ein bisschen langsamer angehen. Nach einer abendlichen, kleinen Diskussion über Fahrdisziplin, wurden ein paar Regeln aufgestellt um die Fahrerei in Zukunft etwas disziplinierter zu gestalten.

Sonntag 24.11.2002

Die erste längere Dünenpassage von ca. 70 km liegt vor uns. Anfangs etwas skeptisch, wie sich der MAN im Sand schlagen würde, war dieses für den LKW mit (nur) 3 Bar Reifenluftdruck und 540 PS Motorleistung aber kein Problem. Da wir den ganzen Tag über wieder ziemlich viel und lange gefahren waren, gab es abends wieder eine hitzige Diskussion über Fahr- und Pausenzeiten. Eine Polizeistreife die während der hitzigen Debatte eintraf, verlangte diesmal nur einen einzigen Ausweis und traute sich ansonsten nicht unser eifriges Wortgefecht weiter zu unterbrechen.

Montag 25.11.2002

Um 6 Uhr werden wir mit RAI geweckt; das ist ein Sampler mit Algerischer Popmusik, den Klaus aus seinen Lautsprechern erschallen ließ.
Gegen 8 waren wir auf der Piste und Tagesziel sollte heute das 230km entfenrnte Ilizi sein. Klaus hatte am Morgen den Reifenluftdruck wieder auf 8 Bar erhöht und blieb damit prompt im nächsten Weichsandfeld stecken. Nachdem der LKW ausgebuddelt war, zerbröselte ca. 20 km später die hintere Bremsleitung des roten Nissans. Der Tag fing wirklich toll an. Eine Reparatur der Leitung war nicht möglich, also legten wir den hinteren Bremskreislauf einfach still. Ilizi als Tagesziel konnten wir demzufolge vergessen und so schlugen wir nach nur 110 km wieder unser Camp in den Dünen auf. Angesichts einer aufziehenden Wolkenfront bauten wir vorsichtshalber das große Zelt auf. Wie jeden Abend verzogen wir uns zum Schlafen in die Dünen wo sich jeder sein eigenes Plätzchen suchte. Vorsichtshalber hatte ich meine ganzen Moppedklamotten am Motorrad fest verzurrt, denn wenn Sandstürme kommen, kommen sie schnell. Und so war es denn auch: gegen halb drei wurde ich von einem höllischen Getöse wach! Die Sicht betrug höchstens noch 5 Meter. So schnell wie möglich schnappte ich mir Isomatte, Schlafsack und meine Motorradbrille, die ich vorsorglich dort „deponiert“ hatte und taperte zum großen Zelt.
Als ich dort ankam herrschte absolutes Chaos, denn alle brachten ihre Sachen mit um sie vor „Vom Winde verweht“ zu sichern. Anschließend bot sich ein sehr amüsantes Bild: 14 oder 15 Personen, alle fast nur mit Unterhose und T Shirt bekleidet, standen im Zelt und hielten das Dachgestänge fest, irgendwie erinnerte mich das an meine letzte U-Bahn-Fahrt. Gegen 4 Uhr hatte der Wind soweit nachgelassen, dass wir das Zelt nicht mehr festhalten mussten und wir versuchten noch etwas zu schlafen. Gegen 6 Uhr weckte uns Klaus dann mit der Tatortmusik.
Auf der Piste nach Ilizi fuhren wir durch große grüne Felder, denn überall wuchs Löwenzahnähnliches Gewächs, das auch sehr intensiv roch. Im Oktober 2002 hatte es in Algerien soviel geregnet wie seit 60 Jahren nicht mehr. Auf der weiteren Piste durchquerten wir noch viele Weichsandfelder und Oueds.
In Ilizi fuhren wir auf einen Zeltplatz. Es war mal wieder Duschzeit und außerdem mussten wir etwas Wasser aufnehmen. Ein Schweizer Pärchen auf 2 KTM’s und einen Japaner auf Suzuki DR400, der sich auf 5 jähriger Weltreise befand, trafen wir hier zum zweiten mal wieder. Wir hatten die drei schon 2 Tage zuvor an einem Militärposten kennengelernt. Unsere Essenseinladung nahmen die Drei an und der Japner traute seinen Augen nicht, als er sah, dass es Sushi gab. Klebrigen Reis auf Seetangblättern ausbreiten, dann einzurollen, zu schneiden und dann auch noch zu essen – nee, mein Ding ist das nicht.
Von Ilizi aus ging es weiter bis Bordj El Haoues. Die ersten 100 Asphaltkilometer waren ziemlich öde. Das Landschaftsbild änderte sich jedoch, wir erreichten stellenweise eine Höhe von 1700 m und passierten eine herrliche Gebirgskulisse. Abends machten wir mit GPS und Karte eine genaue Positionsbestimmung und stellten fest, dass wir gut 20 km von der Piste abgekommen waren. Ratri, die schon seit einigen Tagen über schmerzende Handgelenke klagte, entschied sich schweren Herzens ihr Mopped aufzuladen.

Nach einer herrlich kühlen Nacht fuhren wir morgens erst einmal 20 km querfeldein nach Süden, um zu unserer Piste zu gelangen. Diese war sehr gut markiert, aber in einem miserablen Zustand. So dauerte es auch nicht lange bis die erste Reparatur am MAN anfiel. Nichts weltbewegendes, aber es kostete wieder Zeit, die ohnehin knapp bemessen war. Nach erneutem Studium des Reiseführers stellten wir fest, dass die geplante Route nicht mehr zu schaffen war. Nach langer Diskussion fand sich jedoch für alle Beteiligten ein guter Kompromiss: Wir kürzen die 500 km lange Piste nach Tam ab und fahren die letzten 150 km auf Asphalt. Das Wort Asphalt tut zwar in den Ohren weh aber wir wollten auf keinen Fall auf die „Hoggarfahrt“ verzichten.

Freitag 29.11 2002

Der Kaffe schmeckte schon in den letzten Tagen komisch. Mittlerweile hatten wir auch herausgefunden warum alles so merkwürdig schmeckt: Das Wasser, das wir in Ilizi aufgenommen hatten, war zwar sauber, aber auch etwas salzig. Wir saßen schon früh im Sattel, als eine tiefe Bodenwelle mich von selbigem abrupt trennte. Doch auch diesmal war die Landung auf Sitzbank und Fußrasten wieder perfekt. Nach 100 TKM trenne ich mich nicht so schnell von meiner Twin… Selbst „Iron Bertl“ hatte sich heute mit seiner alten KTM langgelegt. Zuviel Landschaft geguckt und schon wars passiert. Gegen Mittag waren die ersten Ausläufer des Hoggargebirges am Horizont zu sehen. 250 km hatten wir heute geschafft und für morgen lag nochmal dieselbe Distanz bis Tam vor uns. 3 km vor der Teerstraße hatten wir als vorrausfahrende Motorradgruppe den LKW und die Nissans aus den Augen verloren. Nach einer halben Stunde Wartezeit bin ich mit Bertl zurückgefahren. Nach ca. 10 km fanden wir Frank mit seiner Twin und leerem Tank. Nach weiteren 7 km sahen wir die Staubfahne von Klaus LKW. Auch er war bereits 15km zurückgefahren weil er die Nissans, die eigentlich hinter ihm fahren sollten, aus den Augen verloren hatte.
Nach öder und langweiliger Teerstraße bis Tamanrasset erreichten wir dort einen recht gut ausgestatteten Campingplatz ( 4×4 ), so dass alle die warme Dusche genossen – danach ging’s in die City: „Tam by night“.

Sonntag 01.12.2002

Heute ist für alle ein freier Tag, da KLaus an seinem LKW einige Schweißarbeiten durchführen lassen muss. Viktor, Bertl, Thomas und ich beschlossen schon mal einen Abstecher auf den Assekrem zu machen, schließlich sind wir ja „nicht zum Vergnügen hier…“. Laut Reiseführer sollte man für die ganze Runde inkl. Übernachtung auf dem Assekrem 3-4 Tage einplanen; ebenso sei der Assekrem nur noch auf der Ostroute anzufahren und die Westroute sei, wenn überhaupt, nur noch als Abfahrt zu nutzen. Deshalb startete n wir früh und wolten mal schauen, wie weit wir kommen. Anfangs hatten wir etwas Probleme die Piste zu finden, anschließend ist es überhaupt kein Problem mehr ihr bis zum Assekrem zu folgen. Da wir am nächsten Tag mit der ganzen Gruppe zum Assekrem wollten, wollten wir heute mal „ein bisschen Gas geben“. Dennoch ließ es sich nicht vermeiden an vielen Stellen zu fotografieren und staunend anzuhalten, denn eine wahrhaft gigantische Landschaft erwartet einen hier. Nach knapp 3 Stunden und einer zurückgelegten Strecke von ca. 110 km waren wir oben. Die letzten 3 km waren schon sehr heftig: die Piste bestand nur noch aus dicken fetten Steinen und es kostete schon viel Kraft die dicke Twin dadurch zu lotsen. Zur Belohnung gönnten wir uns ein gutes Mittagsmahl bei Siddikh, der hier den Zeltplatz und die Hütte bewirtschaftet. Gleichzeitig meldeten wir noch unsere 16 köpfige Gruppe für den nächsten Tag an. Nach dem Essen ging es wieder auf den Rückweg und wir erreichten unser Camp gegen 16°°Uhr. Klaus rieten wir davon ab mit dem LKW auf den Assekrem zu fahren, denn dann wären wir sicherlich 3-4 Tage unterwegs.

Montag 02.12.2002

Mit der Gruppe haben wir uns für die Strecke viel Zeit gelassen, da es unterwegs noch einiges zu besichtigen gab: Ein Guelta mit vielen Wasserbecken, eine Oase und ein paar Felszeichnungen, die nicht leicht zu finden waren. Thomas hatte sich mit seiner KTM an der staubigsten Stelle der ganzen Piste hingelegt und so erreichten wir gegen 16°°Uhr mit einem rot bepuderten Thomas den Assekrem. Siddikh servierte prompt einen Begrüßungstee. Vor dem Abendessen wanderten die meisten von uns noch auf den Gipfel um den Sonnenuntergang zu beobachten. Ich hatte zuerst gehofft hier oben im Freien übernachten zu können, aber das Lagern und Campieren war verboten. Wahrscheinlich sind einige Touris unangenehm aufgefallen, so dass als Konsequenz nur noch Verbote übrig bleiben – schade! Doch Victor und ich durften unser Nachtquartier zumindest draußen auf dem Hof einrichten, während es sicht der Rest im Haus bequem machte. Es war ziemlich kalt aber der fantastische Sternenhimmel hat (mal wieder) für alles entschädigt.

Punkt 6°°Uhr klingelte mein „Palm“. Es kostete schon etwas Überwindung den mollig warmen Schlafsack gegen die Eiseskälte einzutauschen, aber wir wollten zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein. Der Aufstieg war härter als gedacht. Abends noch ganz easy auf den Gipfel gekraxelt machte mir jetzt die eiskalte Luft zu schaffen. Gerne hätte ich meine dicken Klamotten aufgerissen, da ich mittlerweile schon im eigenen Saft stand, aber das hätte mit Sicherheit eine dicke Erkältung nach sich gezogen. Endlich oben angekommen, lauerten wir mit unseren Kameras und Objektiven auf tolle Bilder. Als dann die ersten Strahlen über die Bergkuppen lugten, hörte man an es überall klicken und surren. Ein tolles Naturschauspiel lief in den nächsten Minuten ab und jeder vergossene Schweißtropfen war den Aufstieg wert: Zuerst wurde der Horizont in violettartige Farben eingefärbt, bevor dann die ersten wärmenden gelborangenen Sonnenstrahlen durch die Berggipfel drangen. Morgenstund hat Gold im Mund… Gegen 7 Uhr 30 war das Naturschauspiel vorbei und wir genossen das gute Frühstück in der Hütte.
Bertl, Viktor, Andre, und ich beschlossen die Westabfahrt zu nehmen. Die Infos über den Zustand dieser Piste lauteten von unfahrbar bis „pas de problem“. Wir entschieden uns für „pas de problem“ und machten uns mit 2 KTM’s einer TT600 und meiner Twin auf den Weg. Ca. 100 km Piste lagen vor uns. Nach 3 km hatte ich bereits meine Twin in einer quer zur Fahrbahn verlaufenden tiefen Auswaschung versenkt. Viktor, der mir beim rausziehen half, bekam hier zum erstenmal mit, wie schwer das Ding ist und wunderte sich, dass ich mit der Twin überhaupt bis hierher gekommen war. Das Geweih (die Verkleidungshalterung) war durchgebrochen und die Verkleidung hatte wieder ein paar Risse mehr. Zum Glück hatte ich die Verkleidungsseitenteile zu Hause gelassen und durch Streben ersetzt die die Verkleidungshalterung mit dem Tank verbinden. Dadurch war wenigstens sichergestellt das ich die Verkleidung nicht auch noch komplett verliere. Ich war gespannt wie es weiter geht. Ein Zurück gab es eh nicht mehr, denn die Abfahrten waren teilweise so steil, da wäre ich mit meiner Twin nie mehr hochgekommen. Im weiteren Pistenverlauf gab es noch so manche Überraschung, die meinen Adrenalinspiegel kurzzeitig steigen ließ und Trialfahrkünste abverlangten. Es „beruhigte“ mich dann doch ein wenig, als ich auch mal ein KTM in der Waagerechten liegen sah. Auf der Westabfahrt wird wirklich alles geboten: steinige Abfahrten, tiefe lange Weichsandfelder, ein wasserführendes Oued dem gefolgt werden musste, usw. Vom fahrerischen her ein absolutes Highlight, aber nichts für Anfänger, und selbst gute Geländewagen(fahrer) dürften hier Probleme bekommen. Nach 110 km hatten wir es dann „leider“ schon geschafft. Ein bisschen Stolz waren wir schon.

Mittwoch 04.12.2002

Ab heute befinden wir uns wieder auf dem Rückweg. 140 km hinter Tam biegen wir auf die Piste Richtung Amguid ab, auf der wir sehr gut voran kommen. Abends entfachten wir ein großes Feuer und Ralph zog zu unserer Verwunderung noch einen 5L Kanister Rotwein aus seinem Gepäck.

Am nächsten Tag fahren wir durch riesengroße Felder aufgeplatzten Lehmbodens. Hier waren die Auswirkungen der starken Regenfälle von vor 2 Monaten besonders gut zu sehen. Die ganze Landschaft sah aus wie ein überdimensionales Puzzle. Der Versuch, Amguid wegen der Polizeikontrollen großräumig zu umfahren, scheiterte an den vielen Weichsandstellen und der Vegetation. Also mussten wir durch Amguid durch. Klaus war mit seinem LKW als erster durch, danach kamen Bertl, Gisi und ich aus Amguid raus. Von dem Rest der Truppe fehlte jede Spur. Bei einem zweiten Blick in den Rückspiegel sah ich einen Geländewagen mit Blaulicht und bewaffneten Soldaten anrasen. Wir hielten an und es folgte die übliche sehr freundliche Kontrollprozedur. Die Soldaten wollten, dass wir mit in die Stadt aufs Revier kommen, aber wir „konnten“ nichts verstehen und so zogen sie nach kurzer Zeit wieder ab. Wie sich später herausstellte, sollten wir nur mitkommen um den Rest der Truppe, der sich schon auf der Wache befand abzuholen. Nach fast 2 Stunden waren wir dann alle wieder zusammen und machten uns auf die Suche nach einem Nachtquartier.

120 km hatten wir heute schon zurückgelegt als Klaus seinen LKW mitten auf einer autobahnähnlichen Piste anhielt. Eine dicke rote Kontrollampe gab ihm unmissverständlich den Befehl: „Stop Engine“. Nach kurzem Suchen stellte sich heraus, dass die beiden vorderen Gummiblöcke der Motoraufhängung völlig zerbröselt waren. Der Motor ist dabei etwas nach vorne gekippt, so dass der Lüfter schon halb im Kühler hing und sich nicht mehr drehen konnte. Klaus hatte alles mit, aber wer denkt schon an Gummiblöcke für eine Motoraufhängung? Also wurden 2 Anschlagdämpfer von den Blattfedern demontiert und im wahrsten Sinne des Wortes umgeschnitzt und passend gemacht.

Freitag 06.12.2002

Die letzten 100 Pistenkilometer Richtung Bordj Omar Driss standen heute auf dem Programm. Schade, denn obwohl wir schon über 2000 km Piste hinter uns hatten, haben wir immer noch nicht genug. In Bordj Omar Driss füllten wir noch mal unsere Wasservorräte auf; und die ganzen Werbegeschenke, die Thomas aus seinem Motorradgeschäft noch immer dabei hatte, wollten wir nicht „einfach so“ verteilen. So kam uns die Idee sie „quasi neutral“ an den Direktor der Schule abzugegeben. Während der Wasserauffüllaktion saßen wir in einem Cafe und genossen den herrlichen Tee, während aus der Stereoanlage des Barkeepers in voller Lautstärke Pink Floyd Live erklang. Eine Wohltat für unsere Ohren. Unser Nachtquartier schlugen wir an der Thermalquelle in Hassi Bel Guebbour auf. Diese Thermalquelle diente auch gleichzeitig als Bad, wovon wir alle ausgiebig Gebrauch machten.

Sonntag 08.12.2002

Diese Nacht hatten wir zum ersten mal Nachtfrost. Auf den Motorrädern und Schlafsäcken befand sich am Morgen eine dünne Eisschicht. Nach dem Frühstück passierten wir wieder den gleichen Militärposten der uns schon eine gute Woche zuvor die Weiterfahrt verweigerte. Auch dies Mal mussten wir wieder einen ganzen Haufen Papierkram abliefern. Kurz darauf beim Tanken: Klaus wollte 1600 L Diesel, hatte zum Tankwart aber auf französisch 16.000 L gesagt. Dies sorgte erst einmal für einige Verwirrung. Kurz hinter Hassi Tu areg schlugen wir unser Camp in den Dünen auf. Wir fanden einen herrlichen Platz, und sollten an den folgenden 2 Tagen Gelegenheit haben uns nochmals in den Dünen auszutoben. Auf einer unserer Exkursionen entdeckten wir einen fast neuen Mähdrescher. Wir trauten zuerst unseren Augen nicht als wir dieses Monstrum dort stehen sahen. Bis auf den fehlenden Motor schien noch alles intakt zu sein. Wir schraubten eine große Plastikabdeckung am Mähwerk ab, die wir prima zum Rodeln in den Dünen gebrauchen konnten. Auch Klaus fand noch ein paar brauchbare Gegenstände am Mähdrescher. Bei einer weiteren Tour stellte Klaus seine Luftfederung am MAN ab, um ein besseres Fahrverhalten zu erzielen, dies stellte sich aber als großer Fehler heraus. Bei einem Sprung über eine Dünenkante landete der LKW so hart, dass sich die 3 hinteren aneiandergeschweißten Doppel T-Träger des Koffers völlig verbogen hatten. Für Klaus war damit der Tag erledigt; wir machten noch Filmaufnahmen von unseren „Fahrkünsten“. Die Nächte waren bitterkalt. Bis zum Urlaubsende hatten wir permanent Nachtfrost.

Dienstag 10.12.2002

Mit einer langen Etappe, inklusiv Fahrt bei Dunkelheit, erreichten wir über Hassi Messaoud und Touggourt unser Camp05 von der Hinfahrt. Es war schließlich 20 Uhr, als wir unser Ziel erreichten. Alle waren ziemlich groggi und freuten sich auf das Chilli, das es abends gab. Der Grenzübertritt am nächsten Morgen war mal wieder eine zeit und papierintensive Angelegenheit. An diesem Tag wollten wir noch bis nach Touzeur wo wir auf der Hinfahrt unsere Anhänger hatten stehen lassen und legten dort noch einen Ruhetag ein. Ich nutzte diesen Tag unter anderem dazu ein Internettcafe aufzusuchen um ein paar Mails zu schreiben. Es dauerte fast 1.5 Stunden bis die ersten Mails unterwegs waren. Nix von wegen ISDN oder DSL. Am Abend spendierte Klaus in einem guten Restaurant noch ein Abschiedsessen für die ganze Truppe.

Freitag 13.12.2002

450 km Asph alt später endete unsere Urlaubstour im Hafen von Tunis. Dort waren wir nochmals Opfer eines nächtlichen Einbruchs. Obwohl mehrere von uns direkt am PKW schliefen, gelang es einem Einbrecher unbemerkt den Wagen zu öffnen. Die fehlenden Gegenstände fanden wir zum Glück im Hafengelände wieder. Für die letzte Nacht teilten wir Wachen ein. Im 2 Stundenrhytmus wechselten wir uns mit dem Wachdienst ab – das Ende unserer ansonsten wunderschönen Urlaubstour hatten wir uns ein bisschen romantischer und ruhiger vorgestellt…

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